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Mit Mülltrennung geht's los: Energiesparprogramm soll an allen Kreisschulen praktiziert werden

Stefan Munzlinger

Kreis Bad Kreuznach. „Wo muss das hin?“ Die Erstklässler der 1b sind akribische Mülltrenner. Und nicht nur sie. In allen Klassen der Rüdesheimer Schwerpunktgrundschule am Rosengarten um Leiterin Petra Steeg wird fein säuberlich unterschieden, ob ein Abfallstück in den Bio-, Restmüll-, Wertstoff- oder Papiereimer gehört. Da machen die Jungen und Mädchen keine die Bequemlichkeit fördernde Ausnahme. Umweltschutz ist Ernst, kein Spaß.

Restmüll, Bio, Wertstoffe, Papier: „Wir trennen den Müll akribisch“, sagt Lehrerin Angelika Wolff (50) und lobt die 18 Kinder der 1b der Rüdesheimer Rosengarten-Grundschule. Die Jüngsten machen vor wie's geht. Foto:  Stefan Munzlinger
Restmüll, Bio, Wertstoffe, Papier: „Wir trennen den Müll akribisch“, sagt Lehrerin Angelika Wolff (50) und lobt die 18 Kinder der 1b der Rüdesheimer Rosengarten-Grundschule. Die Jüngsten machen vor wie's geht.
Foto: Stefan Munzlinger

Die wiederwendbare Frühstücksdose, das Brot nicht mehr in Alufolie, den Joghurt in einem Pfandglas. Apfelsaft von einer Rüdesheimer Wiese frisch pressen statt aus dem Discounter – „den Kindern vorleben, um was es geht“, erklärt Lehrerin Angelika Wolff ihren Ansatz.

Eine Einstellung, die Kreisklimamanager Simon Haas begrüßt. Vor allem, weil es von den Kindern selbst kommt. Ihm geht es um die optimierte Mülltrennung in allen 23 kreisgetragenen Schulen. So wie in Rüdesheim: Bereits im Klassensaal oder auf dem Schulhof wird getrennt, nicht erst abends vom Reinigungspersonal, das aus einem zentralen Behälter alles herausfischt und trennt, was sich tagsüber angesammelt hat.

Nächste Station wäre danach die Müllvermeidung – einer von etlichen Punkten eines Umweltprojekts, das der Klimamanager nun mithilfe eines externen Dienstleisters in die Tat umsetzen will. Gefördert von der nationalen Klimaschutzinitiative will er an den schulen nach und nach Energiesparmodelle etablieren, die den Nachwuchs im Umweltschutz bilden und Kosten senken. Ideen, Arbeitsgruppen, Aktionen würden prämiert, informierte Haas den Kreistag über Anreize, in dieses freiwillige Schulprogramm einzusteigen. Dienstleister heißt: Ein Experte sucht den Dialog mit den Schulen, leitet sie bei ihren Sparprojekten an, stellt Energieteams auf. Das Bundesumweltministerium bezuschusst die Unterrichtsmittel und den externen Dienstleister mit bis zu 90 Prozent für finanzschwache Kommunen wie den Kreis Bad Kreuznach.

Sollten sich 14 der 23 kreisgetragenen Schulen beteiligen, entstehen Gesamtkosten für Gespräche, Datenanalysen, Lehrer-, Schüler- und Experten-Workshops, Energiecontrolling, Verstetigung der Projektergebnisse an den Schulen mit rund 85.220 Euro; am Kreis blieben 8522 Euro hängen.

Umweltschutz, Geld sparen? Darüber herrschte im Kreistag ein 99-prozentiger Konsens darüber kaum Disput, wohl aber über den Umgang: Die Grundschulen nicht vergessen, riet Carsten Pörksen (SPD, Bad Kreuznach), denn die Sensibilität für den Umweltschutz müsse schon bei Kindern einsetzen. Die Kreisgruppe der hauptamtlichen Bürgermeister und Dezernenten solle sich des Themas annehmen. Das Energiesparmodell auf die weiterführenden Schulen (BBS, Gymnasien und RS plus) zu beschränken, „sonst wird es zu viel“, gab Landrätin Bettina Dickes (CDU, Bad Sobernheim) zu bedenken. Die Grundschulen habe er in einem nächsten Schritt im Blick, für deren Sensibilisierung gebe es ein weit größeres didaktisches Spektrum, so Haas. Schon 2011 habe die damalige Jamaika-Koalition des Kreistags ein solches Konzept angeregt, befürwortete Thomas Bursian (FDP) das Energiesparprogramm. „Höchste Zeit, dass sich hier etwas tut“, fand Volker Kohrs (Grüne, Bad Sobernheim), und nannte das Beispiel der Monzinger Grundschule, die Sponsoren wie Hevert gewonnen habe. Für ein einfaches „Mach's Licht aus“ brauche es doch kein Umweltprogramm, meinte Adelheid Schmidt (CDU, Waldböckelheim), die das Sparkonzept dennoch befürwortete. Rolf Kehls (CDU, Bad Sobernheim) Forderung: die Schulträger informieren, bevor es an die Grundschulen geht. Es könne nicht sein, dass wie beim Sobernheimer Schulkomplex die RS plus instruiert werde und die Grundschule nebenan nicht. Ob es bei der 90-Prozent-Förderung bleibe?, fragte Barbara Schneider (parteilos, Bad Kreuznach) zweifelnd. Frank Ensminger (FDP, Kirn) forderte, die Elternbeiräte und Schulfördervereine einzubeziehen. Rainer Dhonau (Linke) erschloss sich der Sinn des Programms nicht: „Wir achten doch schon beim Bau auf energetische Effekte. 85.000 Euro investieren? „Was soll das bringen?“ Ob es denn so aufwendig sein müsse, fragte Herbert Drumm (FWG, Bad Kreuznach), eine gute Handreichung (Akte) für die Schulleitungen reiche doch auch. „Es geht um die Multiplikation“, sagte Simon Haas, die Kinder nehmen die Vorschläge mit nach Hause. So würden alle Ebenen erreicht: „Die Kinder sollen es selbst umsetzen.“

Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

Landrätin zum Energiesparprojekt: Kein Risiko eingehen

Drei Millionen Euro kostet es im Jahr, die kreiseigenen Liegenschaften mit Energie zu versorgen. Gelinge es, 0,3 Prozent einzusparen, habe sich das Energieprojekt schon innerhalb eines Jahres amortisiert, rechnete Klimamanager Simon Haas dem Kreistag vor.

Landrätin Bettina Dickes betonte, nur dann in das Projekt einzutreten, wenn die 90-prozentige Bezuschussung sicher sei: „Wir gehen kein Risiko ein.“ mz
Bad Kreuznach
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