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    Bad Kreuznach

    Kreuznacher Gespräche: Medienpionier und RAF-Zeitzeuge Aust erzählt

    Zur Plauderei mit reichlich Information und Tiefgang hatte die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner in ihrem jüngsten „Kreuznacher Gespräch“ ein Schwergewicht der Medienwelt und einen profunden Zeitzeugen deutscher Politik und Krisen zu Gast: Im voll besetzten Saal des Kurhauses plauderte, wertete und präsentierte sich kein Geringerer als Stefan Aust.

    Pflicht vor dem interessanten und unterhaltsamen Abend: Stefan Aust signiert die Autogrammwand.  Foto: R. Gräff
    Pflicht vor dem interessanten und unterhaltsamen Abend: Stefan Aust signiert die Autogrammwand.
    Foto: R. Gräff

    Der heute 71-Jährige prägte die Medienszene des Landes wie kaum ein Zweiter und wurde zudem mit Büchern wie beispielsweise „Der Baader-Meinhof-Komplex“ zum Bestsellerautor.

    Heute ist er Herausgeber und Autor der Tageszeitung „Die Welt“ im Springer-Verlag (bis vor gut einem Jahr auch deren Chefredakteur), womit sofort die Frage nach dem in der Türkei inhaftierten Welt-Reporter Deniz Yücel auf der Hand lag. Hier wird der ansonsten so beredte und bisweilen forsche Profi vorsichtig. Dies sei eine „furchtbare Angelegenheit“, die Hilfsaktionen seien zweischneidig, der Fall außerordentlich schwierig. Dann setzt sich wieder der Macher in Stefan Aust durch: „Ich werde demnächst mal dorthin fahren.“

    Ein Macher – das war er auch in seinen journalistischen Stationen unter anderem bei Panorama im NDR, Spiegel-TV, Spiegel-Online, Spiegel, Welt, N 24 und anderen. Natürlich spricht ihn die mit Stichwortzetteln präparierte Julia Klöckner auch auf das Thema Rote-Armee-Fraktion (RAF) an. Er gilt als profunder Kenner der damaligen Szene und vieler Akteure – unter anderem, weil er in den späten 60er-Jahren als Redakteur beim linken Blatt „Konkret“ arbeitete und dort Kontakt zur radikalen Studentenbewegung und zu Figuren wie Otto Schily, Horst Mahler, Ulrike Meinhof hatte. Das Thema RAF ließ ihn nie los. Er recherchierte und forschte unermüdlich, verfasste Bücher und Reportagen, die bis heute quasi Standardwerke deutscher Nachkriegsgeschichte sind. Als Klöckner ihn auf die Verschwörungstheorien zum Tod der Stammheim-Gefangenen anspricht, wird der ansonsten stets kontrollierte und abgeklärte Aust emotional: Es sei unverantwortlich, wie im jüngsten Stuttgart-„Tatort“ Mordtheorien ohne Grundlagen genährt würden. „Ich bin fest vom Selbstmord der Gefangenen überzeugt“, sagt er. Letzte Zweifel könnten Tonbandmitschnitte aus den abgehörten Gefängniszellen bringen – doch wenn es die gab oder gibt, sind sie nie veröffentlicht worden. „Haben Terroristen heute und die damaligen RAF-Terroristen etwas gemeinsam?“, fragt Julia Klöckner. Ein schwieriger Vergleich, meint Aust. Damals war es ein Kreis von rund 40 Leuten, die meisten polizeibekannt. Heute sind Terroristen und Gefährder anonymer und stützen sich auf ein unbekanntes, großes Umfeld.

    Der bühnen- und bildschirmerfahrene Medienmann ist an diesem Abend in seinem Element. Er war Pionier der politischen Magazinsendungen, der Onlinemedien, der Parallelität von Gedrucktem und Gesendetem. Er ging voran, polarisierte und scheiterte gelegentlich („Ich habe den Spiegel nicht verlassen, die haben mich rausgeschmissen“). Die These von der Krise des Qualitätsjournalismus mag er so nicht stehen lassen. „Der Journalismus geht nicht unter, aber er wird sich verändern“, postuliert Aust und meint damit die multimediale Ausrichtung. Er glaubt nicht, „dass die Leute heute weniger an Qualitätsjournalismus zur Kenntnis nehmen als früher“ und hält – anders als Klöckner – den Einfluss der Fake-News für überschätzt. Klöckners Idee, mehr Medienkompetenz im Unterricht zu vermitteln, sieht Aust als Ansatz an der falschen Stelle.

    In der Publikumsrunde kommen dann endlich die aktuellen politischen Fragen. Er könne sich nicht vorstellen, dass Trump angesichts seiner Vorgeschichte und Verstrickungen seine Amtszeit überstehe. Und Merkel? Der wirft er grundlegende, grobe Fehler in der Flüchtlingspolitik vor („Das Wichtigste an einer Demokratie ist, dass jemand abgewählt werden kann“), fordert generell eine Amtszeitbegrenzung. Das will Julia Klöckner nicht auf ihrer Kanzlerin sitzen lassen, versucht es mit Gegenargumenten und Thesen zu Integrationspflichten. Dennoch: Dieser Punkt geht beim Publikum wohl eindeutig an Stefan Aust.

    Von unserem Redakteur Rainer Gräff

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