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    Bad Kreuznach

    Kneipenlärm stört: Schlaflos in der Neustadt

    Die Kneipenmeile in der Neustadt zieht nachts Hunderte junger Leute an, die bis in die frühen Morgenstunden feiern. Mit Folgen: Müllberge, Falschparker und Ruhestörungen machen den Anwohnern das Leben schwer. Jetzt reagiert die Verwaltung: Bereits um 3 Uhr anstatt wie bisher um 5 Uhr soll in den Wirtshäusern Zapfenstreich sein. Doch für Ruhe sorgt das Vorhaben bislang keineswegs, eher im Gegenteil.

    An die Nachbarn denken: Das tun die Feierwilligen am Wochenende zu wenig, finden jedenfalls die Anwohner in der Neustadt. Seit Jahren beklagen sie nächtliche Ruhestörungen, Unrat auf den Straßen und wildes Parken. Die neue Sperrzeit soll Abhilfe schaffen. Foto: Stadtverwaltung
    An die Nachbarn denken: Das tun die Feierwilligen am Wochenende zu wenig, finden jedenfalls die Anwohner in der Neustadt. Seit Jahren beklagen sie nächtliche Ruhestörungen, Unrat auf den Straßen und wildes Parken. Die neue Sperrzeit soll Abhilfe schaffen.
    Foto: Stadtverwaltung

    Die Wirte sind empört. Sie fürchten Umsatzeinbußen, wenn spätestens um 3 Uhr nachts die Lichter ausgehen sollen. „Wenn die Sperrzeit verlängert wird, dann aber in der ganzen Innenstadt“, fordert Savas Önal, Inhaber der Moritz-Bar. Er fürchtet, dass die Kundschaft sonst in die noch geöffneten Tanztempel und Kneipen am Bahnhof, an der Viktoria- oder Planiger Straße ausweicht, wenn nur das Viertel direkt an der Nahe betroffen ist. „Wenn alle zwei Stunden früher schließen, dann kommen die Leute auch zwei Stunden früher“, sagt er. Und regt an: „Wir Gastronomen müssen uns zusammentun.“ Im Ernstfall könnte man ja auch mal die Kneipen schließen, um zu demonstrieren, wie es in der Nahe-stadt dann ausschauen würde.

    „Es wäre unfair, wenn nur die Neustadt betroffen wäre“, findet auch Udo Braun, der mit Andreas Röth das Bistro Körnchen und die Fritz-Schirmbar betreibt. „Wir zahlen in der Innenstadt viel höhere Mieten als außerhalb.“ Außerdem wüsste man als Anwohner doch, dass man in ein Mischgebiet zieht.

    Anders sieht das Quartiermanager Rainer Schmitt, der seit einem Jahr im historischen Viertel Dienst schiebt. „Das Gleichgewicht zwischen Wohnen, Leben und Arbeiten ist gestört“, sagt er. Mehrere Anwohner seien weggezogen, weil sie nachts nicht mehr schlafen können. Schichtarbeiter beschweren sich bei ihm, und auch für die Vermieter von Ferienwohnungen sei die Situation schwierig. „Welcher Gast kommt denn noch einmal wieder, wenn er keine Ruhe findet“, fragt Schmitt rhetorisch. Wenn die Neustadt aufgewertet werden soll, dann muss die Balance zwischen Gastronomie und Wohnen dringend wieder hergestellt werden, sagt er. „Eine Sperrstunde um drei Uhr ist doch sehr moderat“, findet der Quartiermanager, der auch betont: „Hier will ja niemand, dass es so ruhig wird wie auf einem Aussiedlerhof. Die Mischung macht's.“

    Stadtrechtsdirektorin Hannelore Häußermann, die die Verordnung maßgeblich mit auf den Weg gebracht hat, argumentiert ähnlich. Der Stadtrat muss noch gehört werden, ehe die Regelung in Kraft treten kann, erläutert sie. Die Hotel- und Gaststättenverordnung sehe eine Sperrzeit im Grunde nicht vor, gestatte diese aber, wenn ein öffentliches Bedürfnis oder besondere örtliche Verhältnisse gegeben seien. „Aus meiner Sicht trifft beides zu“, sagt Häußermann. Die Nachtruhe sei ein elementares Bedürfnis der Anwohner und müsse geschützt werden. „Mit der Verordnung wird es weniger Störungen geben“, ist sie sich sicher.

    Aber nur, wenn das Ordnungsamt künftig besser kontrolliert. Das hält Stephanie Otto für absolut notwendig. Sie wohnt schon lange in der Neustadt und prangert seit Jahren Missstände an, hat nun auch einen Brief an den Stadtvorstand geschrieben. In einer Infoveranstaltung der Stadtverwaltung zur Sperrzeitverlängerung am Dienstag, 2. Mai, um 18 Uhr im Bonhoeffer-Haus können alle Beteiligten zu Wort kommen, Gastronomen ebenso wie Anwohner. Für Stephanie Otto ist das eine Scheinveranstaltung: „Wir Anwohner müssen uns doch nicht beteiligen, damit die Stadt handeln kann. Dafür braucht sie uns nicht.“

    Über die Lärm- und Verkehrsproblematik in der Neustadt werden wir in einer unserer kommenden Ausgaben weiter berichten.

    Von unserer Redakteurin
    Cordula Kabasch

    Kneipiers solidarisieren sich mit KollegenAnwalt der Moritz-Bar im Interview: Die Sperrstunde löst Probleme nichtKommentar zur Sperrstunde: Der Groll der Feiernden wird größer werdenDas Gold bekommt Gäste auf dem Silbertablett serviert: Diskothek mit ramponiertem Ruf hat weiterhin geöffnetEndlich Ruhe in der Neustadt? Wie die Beteilgten den ersten Abend mit der neuen Sperrzeitregelung erlebtenweitere Links
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