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Soonwald

Klare Ansage: Kernzone ist zu erweitern – Gemündener Höhe stärker schützen

Volker Boch

Der Rhein-Hunsrück-Kreis wirbt beim Land dringend dafür, die Kernzone im Soonwald zu erweitern. Ein entsprechender gemeinsamer Antrag aller im Kreistag vertretenen Fraktionen wurde in der jüngsten Sitzung des Rates verabschiedet. Ziel ist eine Novellierung der Rechtsverordnung, die den Bereich „Gemündener Höhe“ im Jahr 2014 nicht als Teil der Kernzone im Naturpark Soonwald-Nahe ausgewiesen hat.

Die Gemündener Höhe hat aus Sicht des Kreises eine besonders hohe Berechtigung, stärker geschützt zu werden.  Foto: Werner Dupuis
Die Gemündener Höhe hat aus Sicht des Kreises eine besonders hohe Berechtigung, stärker geschützt zu werden.
Foto: Werner Dupuis

So viel Einmütigkeit ist im Kreistag selten gewesen in den vergangenen Monaten. Fraktionsübergreifend passte kein Blatt Herbstlaub zwischen die Parlamentarier, als es um die Frage ging, ob der Landschafts- und Naturraum Gemündener Höhe künftig stärker vor Eingriffen zu schützen sei, als dies bislang möglich ist. Im Frühjahr 2014 war seitens des Landes im Rahmen einer Rechtsverordnung eine – für Naturparks vorgesehene – Kernzone festgelegt worden, die einen besonderen Schutz dieses Teilbereichs bedingt.

Obwohl damals weithin bekannt war, dass es sich bei der Gemündener Höhe um ein reiches und weitgehend unberührtes natürliches Reservoir innerhalb der Soonwaldlandschaft handelt und insbesondere aufgrund solch seltener Rückzugsgebiete für Flora und Fauna lange über einen Nationalpark im Soonwald diskutiert worden war, sprach sich das Umweltministerium 2014 für eine zweigeteilte Kernzone aus. In der Fläche zwischen diesen beiden „Großer Soon“ und „Lützelsoon“ genannten Schutzbereichen wären sowohl damals diskutierte Windparks bei Tiefenbach und Mengerschied als auch ein Steinbruch an der Gemündener Höhe theoretisch möglich. In der Folge gab es viele Proteste und Vorstöße wegen dieses Zuschnittes, aus dem zunächst lokalen Aufschrei ist eine breitere Bewegung geworden, die nicht nur starke Wellen in die Regionale Planungsgemeinschaft hinein getragen hat, sondern auch im Ministerium sehr wohl angekommen ist. Im Kern geht es bei den Argumentationen darum, wichtige Schutzfunktionen für Quellen und natürliche Ressourcen zu schaffen.

Bereits vor einigen Wochen haben sich die Kreistagsfraktionen bei einem Ortstermin mit der Gruppierung „Bürger für Gemünden“ dafür ausgesprochen, eine Resolution zur Kernzonenerweiterung zu tragen. Dieses Bekenntnis wurde im Kreistag nun offiziell untermauert. CDU, SPD, Freie Wähler, FDP, Grüne und Linke sprachen sich sehr deutlich dafür aus, dass mit dem Land über eine Veränderung der Rechtsverordnung zum Naturpark verhandelt werden soll und der – einst ausgesparte – Bereich der Gemündener Höhe nachträglich inkludiert wird. Lediglich eine Enthaltung gab es, die damit begründet wurde, dass der Kreistag diesen Weg beschritten habe, ohne zuvor die Meinung der Ortsgemeinde Gemünden zu hören.

Die von einem möglichen Aus des seit vielen Jahren für die Gemündener Höhe angedachten Steinbruchprojekts betroffene Kommune hat erst vor wenigen Jahren einen neuerlichen Pachtvertrag mit der Projektfirma unterzeichnet. Auch in der Aussprache des Kreistags wurde auf die Hoheits- und Eigentumsrechte der Gemeinde sowie eines tangierten Privatwaldbesitzers verwiesen.

Trotz solcher Bedenken ist die Linie des Kreistages klar: Der Landschafts- und Ressourcenschutz ist aus Sicht des Kreises hier höher einzustufen als vornehmlich wirtschaftliche Interessen. Fraktionsübergreifend wurden klare Signale in Richtung des Umweltministeriums ausgesendet, in Einvernehmen mit der Region klare Fakten zu schaffen, die Kernzone im Soonwald zu erweitern und den Steinbruchplänen ein Nein entgegen zu setzen. Steinbrüche, so ein Tenor, gebe es durch den extrem gewachsenen Abbaubereich in Argenthal, Henau sowie zwischen Rheinböllen und Stromberg genügend. Zudem sei der Soonwald das große Naherholungsgebiet, das es gerade angesichts der Windkraftentwicklung der vergangenen Jahre zu schützen gelte. Die Bedeutung der Quellensituation im Soonwald allein für die Trinkwassergewinnung der Verbandsgemeinde Kirchberg ist ohnehin lange bekannt und unbestritten.

Landrat Marlon Bröhr skizzierte einen „alten Zielkonflikt“ zwischen Naturschutz und Rohstoffgewinnung sowie Wirtschaftsinteressen wie bei der Windenergie. Er sprach sich vor diesem Hintergrund mit dafür aus, beim Land dafür zu werben, den Landschafts- und Naturschutz in diesem Fall als übergeordnetes Ziel zu fixieren. Für ihn und den Kreistag steht fest, dass das Land in dieser Frage jetzt am Zug ist und wirbt für die Erweiterung der Kernzone.

Von unserem Chefreporter Volker Boch

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