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    Bermersheim/Bingen/Eibingen

    Kam Hildegard in Niederhosenbach zur Welt? Die Frage ihres Geburtsortes bleibt ein Mysterium

    Heute, Samstag, 9. September, wird auf dem Disibodenberg über Odernheim der Hildegardwanderweg eröffnet. So gut die Vita auch überliefert ist, immer noch bleibt der Geburtsort der großen Heiligen ein Geheimnis. Wobei sich in den vergangenen Jahren Niederhosenbach immer mehr als der wahrscheinliche Geburtsort heraus kristallisiert.

    Dr. Matthias Schmandt – Leiter des Museums am Strom in Bingen und Hildegardexperte – zeigt das Disibodenberg-Klostermodell.
    Dr. Matthias Schmandt – Leiter des Museums am Strom in Bingen und Hildegardexperte – zeigt das Disibodenberg-Klostermodell.

    Der älteste Chronist nennt lediglich die Namen der Eltern, Hildebert und Mechtild, und lokalisiert den Geburtsort links des Rheins. Danach wird es präziser, so spricht ein Chronist um 1200 von ihrer Geburt im „mainzischen Gebiet“, Abt Trithemius lokalisiert um 1500 ihren Geburtsort als Schloss Böckelheim, während sie später – nachdem Schloss Böckelheim in Vergessenheit geriet – auf Burg Sponheim geboren sein soll. 1911 glaubte Pfarrer Johannes May aus Ober-Olm, dass die Heilige vom Stein-Kallenfels stammt. 1941 bringt Marianna Schrader, Benediktinerin und Archivarin der Abtei St. Hildegard in Eibingen, erstmals das rheinhessische Bermersheim bei Alzey ins Spiel, während der Genealoge Josef Heinzelmann 1997 Niederhosenbach für den eigentlichen Geburtsort hält.

    Küsterin Ursula Wolf geht nach wie vor davon aus, dass die Wiege der Heiligen Hildegard in Bermersheim stand und dass sie in der dortigen Dorfkirche getauft wurde.  Fotos: Josef Nürnberg
    Küsterin Ursula Wolf geht nach wie vor davon aus, dass die Wiege der Heiligen Hildegard in Bermersheim stand und dass sie in der dortigen Dorfkirche getauft wurde. Fotos: Josef Nürnberg

    Insgesamt werden vier Orte genannt, denen allen gemeinsam ist, dass sie im diesseitigen Gebiet des Rheins und zurzeit Hildegards auch im Sprengel des Erzbistums Mainz lagen. Doch welcher Ort ist richtig? Ein Anruf in der Benediktinerinnenabtei Eibingen, wo die Nonnen sich auf Hildegard als Klostergründerin berufen, bleibt erfolglos. „Wir haben uns an der Diskussion, wo Hildegard geboren ist, nicht beteiligt“, sagt Schwester Philippa. Ihre Erklärung schiebt sie gleich hinterher: „Für uns ist der Tag wichtig, an dem ein Mensch stirbt, weil er dann zu Gott gelangt.“ Hildegard von Bingen starb am 17. September 1179.

    Schnell wird klar, was Schwester Philippa sagen will. Denn die katholische Kirche feiert in der Regel keinen Geburtstag von Heiligen. Ausnahmen sind lediglich die Gottesmutter und Johannes der Täufer aufgrund ihrer Bedeutung. „Es war nicht wichtig, wann einer Geburtstag hat, da rief keiner an wie bei uns, um zu gratulieren“, sagt der Leiter des Binger Museums am Strom, Dr. Matthias Schmandt. Er zeigt aber Verständnis, dass sich die möglichen Geburtsorte gern mit dem Prädikat schmücken, dass bei ihnen Hildegards Wiege stand. Als Historiker will er die große Frau des Nahelandes aber entmystifizieren, um ihr gerecht zu werden: „Darum müssen wir mit der historisch-kritischen Methode der Frage nach ihrem Geburtsort nachgehen.“

    Aus seiner Sicht, und so wird es im Museum am Strom auch nachvollziehbar dargestellt, hat Niederhosenbach zurzeit die besten Karten. Denn Josef Heinzelmann stieß in einer Urkunde für das Kloster Disibodenberg aus dem Jahre 1112 – also dem Jahr des Klostereintritts Hildegards – auf Hildebert von Niederhosenbach. Dieser war wohl identisch mit dem schon bekannten Hildebert von Bermersheim. Der Adlige hätte sich dann nach zwei Orten zugleich benannt, die wohl beide zu seinem Besitz zählten. Allerdings sind nur aus Bermersheim Stiftungen an das Hildegard-Kloster Rupertsberg bekannt. Möglicherweise ein Hinweis darauf, dass die Familie das Bermersheimer Gut als Nebenbesitz betrachtete. Dann wäre aber Niederhosenbach der wahrscheinlichere Geburtsort Hildegards. Dafür spricht auch, dass topografische Indizien für ein mittelalterliches Herrenhaus in der Nähe der heutigen Dorfkirche vorliegen.

    Ursula Wolf, Küsterin in Bermersheim, hält das für unwahrscheinlich und führt gerade die Bermersheimer Besitzungen des Klosters Rupertsberg als Indiz für Bermersheim als Geburtsort ins Feld. Sie bezieht sich auf Schwester Marianna Schrader, die 1941 eine Urkunde von 1126/27 entdeckt hatte, in der ein Hildebert von Bermersheim und sein Sohn Drutwin als Zeugen genannt werden. Da auch Hildegards Vater Hildebert und einer ihrer Brüder Drutwin hießen – und weil aus Bermersheim auffällig viele Stiftungen an das Kloster Rupertsberg gingen – glaubte die Nonne von Eibingen wie auch Ursula Wolf, dass Bermersheim der Geburtsort ist.

    Von unserem Reporter Josef Nürnberg

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