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Kreis Bad Kreuznach

Ja ist denn schon Wahlkampf? 12 Fragen an Landrätin Bettina Dickes

Kreis Bad Kreuznach. Mit ihrer Ankündigung, Bürgergespräche und Stammtische besuchen zu wollen, um „Bürgerbedenken schon im Keim zu zerstreuen“, lässt Landrätin Bettina Dickes aufhorchen. Wir sprachen mit ihr darüber und über ihr erstes Jahr im Amt.

  1. Frau Dickes, als Landrätin fahren Sie, wie Sie sagen, eine 80-Stunden-Woche. Und jetzt bereisen Sie auch noch die Bürgerbasis? Genau das habe ich ja versprochen. Da sein und zuhören. Zwischenmenschlichkeit und gegenseitiger Respekt sind mir insgesamt in meiner Arbeit am wichtigsten.
  2. Gespräche vor Ort, ungefiltert, weder diplomatisch verbrämt noch allzu konsensfreudig angelegt: Ist Ihr Fell dafür dick genug? Ich mache mir da keine großen Gedanken, denn wie man in den Wald hineinruft, so schallt es in der Regel auch hinaus – und ich habe freundlich angefragt. Außerdem bin ich auch nicht aus Zucker.
  3. Wenn einer mal einen heftigen O-Ton oder mehr anschlägt: Wen nehmen Sie als Bodyguard mit? Wenn es sein muss, kann ich auch heftige Töne – aber noch eher die freundlichen. Damit kann man auch deeskalieren, wenn es sein muss. Da braucht keiner aufzupassen.
  4. Freund wie Feind finden: Bettina Dickes macht einen guten Job – sie ist ja auch gerade mal in Amtsjahr zwei angelangt. Erst nach acht Jahren wissen wir, was sie tatsächlich geschafft, bewegt hat. Powern Sie sich momentan nicht aus und schwächeln später auf der Ziellinie? Gegen Schwächeln helfen mir Lachen und Schokolade – alles andere, etwa die Bewertung meiner Arbeit, will ich nicht selbst beurteilen. Aber eines weiß ich: Ich habe eine riesige Freude daran, mit anderen Dinge zu bewegen und Heimat zu gestalten. Vielleicht springt dieser Funke ja über. Denn ich erlebe in der Tat die Zusammenarbeit, auch mit den anderen Fraktionen und auch den Verantwortlichen vor Ort, als richtig gut.
  5. Und weiter: An Wochenenden bei diesem Wandertag, auf jener Weinprobe … Der Verschleiß ist programmiert? Training ist alles, außerdem darf ich so jede Woche die tollsten Orte und Veranstaltungen erleben. Und apropos Training: Das bezieht sich natürlich nur auf die Menge der Termine. Denn da ich selbst fahre, bin ich beim Thema Alkohol mehr als vorsichtig.
  6. Wer ist Ihr wichtigster Berater? Meine Familie!
  7. Welche Rolle spielt die CDU, Ihre Partei, im Amt einer überparteilichen Landrätin? Im Amt weniger, aber bei meinen eigenen Werten natürlich schon. Und die leiten mich in meinen Entscheidungen. Aber grundsätzlich ist das Amt als Landrätin nicht in erster Linie Parteiamt. Daneben genieße ich es aber, in den meisten Fällen gut und harmonisch mit allen klarzukommen. Ich kann streiten, aber so ist es schon schöner.
  8. An welchen Themen verzweifeln Sie? An manchen Mühlen der Bürokratie, gerade wenn ich ganz schnell pragmatisch handeln will. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass genau diese Bürokratie auch der Garant gegen Willkür ist.
  9. Breitbandausbau: Laufen Sie Gefahr, sich beim Thema Glasfaser die erste Klatsche zu holen? Das ist in der Tat ein Thema aus dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier ...“ Ich habe direkt bei Amtsantritt das Thema zur Chefinnensache gemacht und gestehe: Ich wäre gern schon weiter. Aber leider beinhalten Förderanträge auch viele Regularien, die sehr viel Zeit brauchen. Trostpflaster für uns: Durch das letzte Upgrade wird es dort, wo bisher nur sehr langsames Internet verfügbar war, bald Glasfaser bis zum Hausanschluss geben. Wären wir schon weiter, hätten wir das nicht. Jetzt geht es endlich in die heiße Phase, im Winter soll der erste Spatenstich erfolgen.
  10. Der Kreis Birkenfeld will sich offenbar aus der Naheland-Touristik (NT) zurückziehen. Wann wird das NT-Personal auf die Tourist-Infos und auf die Bad Kreuznacher GuT aufgeteilt, was wird dann aus der NT-Chefin, Ute Meinhard? Ich will einen breiten Konsens mit allen Beteiligten, um das Beste für unsere Region zu erreichen. Und ich bin der festen Überzeugung: Wir sind gemeinsam auf einem guten Weg. Aber wie der genau aussieht, darüber wird es in den kommenden Wochen noch viele Gespräche geben (müssen).
  11. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 wird Lücken in die Räte der 117 Städte und Dörfer des Kreises reißen, viele Ortsbürgermeister hören auf. Ist die Selbstverwaltung in Gefahr, müssen wir uns flächendeckend Staatsbeauftragte einstellen? Wir erleben ja jetzt schon, dass es immer weniger Bewerber für ein solches Amt gibt. Denn sowohl die beruflichen Verpflichtungen möglicher Kandidaten wie auch Ansprüche der Bürger und administrative Anforderungen werden immer mehr. Aber ich sehe auch viele Engagierte, die für ihre Heimat, für ihr Dorf brennen. Und daher ist mir nicht ganz so bange. Trotzdem muss der Gesetzgeber zur Kenntnis nehmen, dass gerade in den großen Gemeinden und den Städten das Bürgermeisteramt nicht mal so eben nebenbei geführt werden kann. Hier müssen die Kriterien für die Hauptamtlichkeit oder für eine höhere Aufwandsentschädigung überarbeitet werden. Sie können Städte wie Kirn, Bad Sobernheim oder Stromberg kaum neben einem Vollzeitjob führen.
  12. Wie kann man Ortsbürgermeister und Gemeinderäte entlasten? Weniger Bürokratie, weniger Statistiken und natürlich ausreichend Unterstützung durch die Verwaltungen. Ganz entscheidend: Die finanzielle Ausstattung der Kommunen – vom Dorf bis zum Kreis – muss so sein, dass auch Gestaltungsspielraum vorhanden ist. Nur so bleiben die Menschen motiviert, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Zuhören – das will Landrätin Bettina Dickes bei den Bürgergesprächen und Stammtischen im Kreisgebiet. Die Treffen an der Basis laufen ohne Presse – was ihr Lob und Tadel bescheren dürfte. Lob: „Ihr geht's um die Bürgermeinung, nicht um Publicity.“ Tadel: „Niemand soll mitkriegen, wenn einer sie in die Pfanne haut.“ Archivfoto: Carsten Zillmann
Zuhören – das will Landrätin Bettina Dickes bei den Bürgergesprächen und Stammtischen im Kreisgebiet. Die Treffen an der Basis laufen ohne Presse – was ihr Lob und Tadel bescheren dürfte. Lob: „Ihr geht's um die Bürgermeinung, nicht um Publicity.“ Tadel: „Niemand soll mitkriegen, wenn einer sie in die Pfanne haut.“ Archiv
Foto: Carsten Zillmann

Die Fragen stellte Stefan Munzlinger

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