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    Im Wingert Gas geben und bremsen

    Was hat gegen die Fäulnis im Weinjahr 2010 geholfen? Obwohl das "Kind schon in den Brunnen gefallen ist" und viele eine unbefriedigende Ernte einfuhren, interessierte die "Nachlese" gestern bei der Kreuznacher Wintertagung wieder hunderte von Winzern. Motto: Aus der Erfahrung eines geradezu verrückten Jahrgangs lernen. Lernziel ist es, sowohl kurzfristige Stellschrauben zu beherrschen wie auch mit langfristiger Strategie auf Traubengesundheit und späte Erntetermine zu setzen.

    Laubschneider standen bei der Kreuznacher Wintertagung ebenso hoch im Kurs wie Sauggeräte, die die Blätter aus der Traubenzone entfernen. Beide Arbeiten sind wichtig als Stellschrauben für gesundes Lesegut als Basis für Top-Qualitäten.
    Laubschneider standen bei der Kreuznacher Wintertagung ebenso hoch im Kurs wie Sauggeräte, die die Blätter aus der Traubenzone entfernen. Beide Arbeiten sind wichtig als Stellschrauben für gesundes Lesegut als Basis für Top-Qualitäten.
    Foto: Armin Seibert

    Bad Kreuznach. Was hat gegen die Fäulnis im Weinjahr 2010 geholfen? Obwohl das "Kind schon in den Brunnen gefallen ist" und viele eine unbefriedigende Ernte einfuhren, interessierte die "Nachlese" gestern bei der Kreuznacher Wintertagung wieder hunderte von Winzern. Motto: Aus der Erfahrung eines geradezu verrückten Jahrgangs lernen. Lernziel ist es, sowohl kurzfristige Stellschrauben zu beherrschen wie auch mit langfristiger Strategie auf Traubengesundheit und späte Erntetermine zu setzen.

    Weinbau kann extrem kompliziert sein, wenn ein Jahrgang wie 2010 mit Spätfrösten, Blüteproblemen und verregnetem Sommer Fäulnis- und Säureprobleme bringt. Und doch gab es, neben dem unkalkulierbaren Wetterfaktor, etliche Stellschrauben für die Winzer, um reifes Lesegut einzubringen. „Das war vielleicht etwas zu viel für manche“, kommentierte DLR-Leiter Paul Frowein nach den beiden Vorträgen von Dr. Edgar Müller und Dr. Georg Hill.

    Optimal ist nicht maximal
    Müller propagiert optimale, also keineswegs maximale Wuchskraftsteuerung als Grundlage für Top-Qualitäten. Hill sieht im Rückblick auf den Problemjahrgang die Kombination von Kulturmaßnahmen wie früher Entblätterung der Traubenzone und chemischem Pflanzenschutz als richtige Strategie. Beide hinterfragten kritisch den Düngeeinsatz im Weinberg. Hill meint: 2011 könne angesichts stark wüchsiger Reben und guter Wasserversorgung auf Stickstoff verzichtet werden.
    Mit zwei Fotos charakterisierte Edgar Müller den Weinjahrgang: Faule und gleichzeitig unreife Rieslingtrauben aus der Pfalz vom 13. September, hochreife und gesunde Rieslingtrauben aus Bockenau vom 14. November. Müller beschrieb die kurzfristig nutzbaren Gas- und Bremspedale, die dem Winzer als „Steuermann“ der Reife zur Verfügung stehen. Überdüngung und Fäulnis ausgelöst durch dicke Kompostschichten oder Bodenlockerung im August sei sicher ein größeres Problem als Stress durch Schwachwüchsigkeit, meint Müller. Er fragte: „Welche Jahre haben Ihnen denn mehr Probleme bereitet. Trockenstress- oder Fäulnisjahre?“ Früher Laubschnitt stets führe zu dicken Beeren und Fäulnis. Gärstörungen und fehlende Winterhärte als Stressfolgen in kümmerlichen Anlagen würden hingegen oft eher überbetont. Bei Rotweinen seien Stressfaktoren im Weinberg ja sogar erwünscht. „Wohin geht also die Reise,“ fragte Müller ins Auditorium. Für eine seriöse Beratung müsse zunächst einmal die Zielrichtung eines Winzerbetriebs klar sein. Geht’s also eher um Menge oder um Top-Qualitäten? Das sei bei der Nutzung von „Gas- oder Bremspedal“ entscheidend. Und die Entscheidung könne die Beratung dem Winzer nicht abnehmen.

    Bester Schutz war späte Reife
    Während Müller späte Reife und Traubengesundheit grundsätzlich behandelte, ging Hill auf Eigenarten des Jahrgangs 2010 ein, und was man vielleicht draus lernen kann. Als „Stopp and go“ beschrieb er die Wachstumsphasen, die durch seltene Temperatur- und Niederschlagsmuster geprägt waren. Ein Beispiel: Vom 30. Mai bis 10. Juni verdoppelte sich die Blattfläche in den Weinbergen. Ein einzigartiger Vorgang. Die „unsägliche Feuchtigkeit“ mit Regen und Tau im August ließ frühe Sorten faulen. Der beste Schutz war späte Reife („Gnade der späten Geburt, die Letzten werden die Ersten sein“). Aber durch frühes Entblättern der Traubenzone wurden die Trauben abgehärtet und blieben gesund. In Kombination mit Spezialspritzmitteln wurden die besten Ergebnisse erzielt. Wer zu spät dran war, hatte keine Chance.
    Eine Möglichkeit, Trauben lange gesund zu erhalten bietet auch die Minimalschnittmethode, bei der Rebschnitt mit dem Laubschneider und Ertragsreduzierung im Sommer mit dem Vollernter vorgenommen wird. DLR-Weinbauberater Oswald Walg sieht darin eine zukunftsträchtige Methode, die vor allem auch Arbeit und Kosten spart. Die Möglichkeit, maschinell hochreife Trauben von faulen und unreifen zu trennen, stellte Michael Lipps vor. Die Bewährungsprobe hat die Maschine im Jahrgang 2010 bestanden. Armin Seibert


    Heute geht's zum Abschluss der Wintertagung um Landwirtschaft. Erosionsminderung, Internet auf dem Acker und Düngung sind die Themen. Mittags geht's um Weinbau- und Agrarpolitik an der Nahe und perspektivisch auf EU-Ebene. Staatssekretär Dr. Robert Kloos und Weinbaugeneralsekretär Dr. Rudolf Nickenig sprechen.

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