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    Odernheim

    Hildegardweg eröffnet: Interesse von außerhalb schon jetzt groß

    O quam mirabilis – wie wunderbar: Mit diesen Worten von Hildegard von Bingen traf Bettina Dickes, Landrätin des Kreises Bad Kreuznach, am Samstag die Gefühlslage fast aller 150 Gäste beim Festakt zur Eröffnung des nach der Heiligen benannten Pilger- und Wanderweges.

    Kaum einer aber, der nicht bedauerte, dass die Veranstaltung wegen des erwarteten Regens kurzfristig vom mystischen Disibodenberg in die vergleichsweise nüchterne Halle des TV Odernheim verlegt worden war. Alle Beteiligten machten das Beste daraus. Dass es schließlich doch trocken blieb, konnte vorher keiner ahnen.

    Einige der Gäste haben einen besonderen Bezug zu Hildegard. Dazu gehört neben Bettina Dickes und Annette Esser, den beiden Initiatorinnen des Weges, auch Ehrengard von Racknitz, die von der Landrätin als Einzige namentlich begrüßt wurde. Der Freifrau, die das Gelände auf dem Disibodenberg 1953 erbte, ist es zu verdanken, dass die langjährige Wirkungsstätte von Hildegard im heutigen Zustand ist. Die Seniorin, die am nächsten Sonntag, dem Todestag der Heiligen, ihren 85. Geburtstag feiert, war sichtlich gerührt von der Ehre, die ihr zu Recht zuteil wurde. Schließlich ist der Disibodenberg das Herzstück des 137 Kilometer langen Weges, der von Idar-Oberstein nach Bingen führt. Ihre Tochter Luise Racknitz, die heutige Hausherrin auf dem Berg und Vorsitzende der Scivias-Stiftung, verwies darauf, wie sehr sich ihre Mutter über Jahrzehnte für die Klosterruine eingesetzt hat. Sie erhofft sich durch den Weg neue Impulse für den Disibodenberg.

    „Am Anfang haben viele freundlich genickt und gesagt: Ja, ja, macht mal“, beschrieb Dickes die Reaktionen auf die gemeinsam mit ihrer Kreistagskollegin Annette Esser vor drei Jahren am Küchentisch der heutigen Landrätin konkretisierte Idee. Auch bei den weiteren Schritten vertrauten sie ganz auf den Rat von Hildegard: „Man sollte alle Dinge in seinem Herzen bewegen, bevor man sie ausführt.“ Ähnlich wie einst Ehrengard von Racknitz verfolgten auch Bettina Dickes und Annette Esser zäh und unbeirrt ihr Ziel – und stießen Schritt für Schritt auf immer mehr Zustimmung oder sogar Begeisterung. Neben den beiden Initiatorinnen gehörten Marco Rohr von der Kreisverwaltung Bad Kreuznach und Ute Meinhard von der Naheland-Touristik dem Projektteam an.

    Matthias Schneider, Landrat im Kreis Birkenfeld, begegnete Hildegard erstmals in seinem Forstwirtschaftsstudium: Ein Professor empfahl sie den Studenten als besonderes Vorbild. Schneider, der nicht vergaß, auf Niederhosenbach als wahrscheinlichen Geburtsort der Heiligen hinzuweisen, nannte den Hildegardweg ein mehrdimensionales Projekt. Für Schwester Christophora Jansen, Suppriorin der Abtei St. Hildegard, die die erkrankte Äbtissin vertrat, ist er „ein großes Geschenk“. Sie wünscht den Wanderern und Pilgern unterwegs „die eine oder andere Erfahrung mit sich selbst und Gott“. Auch sie selbst hat vor, im nächsten Frühjahr mit ihrem Hund von Idar-Oberstein bis Bingen zu pilgern.

    Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Schmitt überreichte Anne Hammes von der Naheland-Touristik, die Trägerin des Projekts ist, einen Förderbescheid über 84.000 Euro. Für die Zuhörer hatte sie eine Erkenntnis der englischen Schriftstellerin Elizabeth von Arnim mitgebracht: „Wandern ist die vollkommenste Art der Fortbewegung, wenn man das wahre Leben entdecken will. Es ist der Weg in die Freiheit.“ Einblicke in die facettenreiche Welt der Hildegard ermöglichten die Schwestern Philippa Rath und Hiltrud Gutjahr von der Abtei St. Hildegard in Bingen, Annette Esser und Landrat a. D. Franz-Josef Diel mit Textbeiträgen sowie Jutta Hoppe und Susanne Förster mit Musik und Gesang. Nach der von Pfarrer Ralf Anacker aus Staudernheim moderierten Feier gab's Kostproben von SooNahe-Produkten mit Hildegard-Bezug, unter anderem Wein, Wurst und Brötchen.

    Die Schilder stehen, die Meditations- und Infotafeln werden in den nächsten Wochen und Monaten aufgestellt: Die Feier war der Startschuss und das Signal, sich auf den Weg zu machen. Die ersten Anfragen von außerhalb liegen bereits vor: „Das Interesse ist groß“, berichtet Caroline Laura Hahn von der Naheland-Touristik. Für Ehrengard von Racknitz aber war die Eröffnung des Hildegardweges „ein Höhepunkt in meinem Leben“. Sie wünscht sich für diesen viele Besucher – natürlich auch für ihren Disibodenberg, der aber „ein heiliger Ort der Stille bleiben muss und kein Rummelplatz werden darf“.

    Von Kurt Knaudt

     

     

    Pilger können unterwegs Musik von Hildegard hören

    Kreis Bad Kreuznach/Kreis Birkenfeld. Wer will, kann ab sofort auf den Spuren von Hildegard von Bingen pilgern oder wandern – und unterwegs einiges über ihr Leben und Wirken erfahren. Eine wichtige Station ist Niederhosenbach, der Familiensitz und wahrscheinliche Geburtsort von Hildegard. Dort verbrachte sie vermutlich ihre ersten acht Lebensjahre, ehe sie Jutta von Sponheim anvertraut wurde, mit der sie als 14-Jährige auf den Disibodenberg ging.

    Dort verbrachte sie fast 40 Jahre, ehe sie 1150 das Kloster Rupertsberg in Bingen gründete, in dem sie noch 29 Jahre lebte. Letzte Stationen des Hildegardwegs sind der Schrein in der Wallfahrtskirche St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen und die Abtei St. Hildegard, wo es auch den letzten Stempel für den Pilgerpass gibt.

    Auf der 137 Kilometer langen Route von Idar-Oberstein bis dorthin geben Informationstafeln Einblicke in das Werk der Heiligen und das Leben im Mittelalter. Auf ihre spirituelle Seite können sich die Wanderer mithilfe von Meditationstafeln mit visionären Bildern aus ihrem Hauptwerk Scivias (Wisse die Wege) einlassen. Die Texte dazu sind in deutsch und englisch verfasst. Die Tafeln werden in den nächsten Wochen aufgestellt. Die erste mit dem Titel „Die Seherin“ erwartet die Wanderer an der Felsenkirche in Idar-Oberstein. Über eine App kann man sich dann auch Musik von Hildegard aufs Smartphone holen. Das alles soll dazu dienen, Hildegard erlebbar zu machen. Das Paket wurde vom Landwirtschaftsministerium aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) mit rund 84.000 Euro gefördert.

    Zehn Gastronomiebetriebe bieten unterwegs ab sofort eine Hildegard-Vesper an. Sie besteht aus einem einfachen Essen und einem Getränk und kostet 10 Euro. Ab dem Frühjahr servieren ausgewählte Restaurants entlang der Strecke darüber hinaus ein Hildegard-Menü. kuk

    Bad Kreuznach
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