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Bad Kreuznach

Einfach magisch: Eine starke Show der Weisse Fräck am Hochstroßeck

Harald Gebhardt

Jede Menge närrischer Magie versprühten die Weisse-Fräck-Fastnachter bei ihrer ersten Prunksitzung am Hochstroßeck. Sie hielt, was das Motto versprach: „Magisch und auch närrisch keck – verzaubern euch die Weisse Fräck.“ Die ganz besonderen magischen Momente des stimmungsvollen, gut fünf Stunden dauernden Programms präsentierten die zahlreichen erstklassigen Show- und Tanzeinlagen sowie die Gesangsdarbietungen – eindeutig die großen Stärken der Weisse Fräck.

Die Tänzerinnen WF-Thunder, die Showtanzgruppe Las Chicas, die großartige Bühnenshow der Hofsänger der Weisse Fräck, die WF-Girls, die Butterflies und Own Risk, die mit ihren atemberaubenden, halsbrecherischen artistischen Hip-Hop-Tänzen die Bühne zum Beben brachten, gehören sicher zum Besten, was die Kreuznacher Fastnacht zu bieten hat: großartige Leistungen, fabelhafte Choreografien. Der Spaßfaktor Fastnacht stieg in der Narrhalla Jahnhalle spürbar an. Die Hip-Hopper von Own Risk sind nicht nur in der Kreuznacher Fastnacht spitze, sondern europaweit Extraklasse.

Auftakt: Protokoller Olaf Budde gab erst die Insignien als Sitzungspräsident an Mike Pfaff weiter und karikierte danach treffsicher die kleine und große Politik des vergangenen Jahres. Dabei nahm er kein Blatt vor den Mund – immer humorvoll pointiert, wenn auch selten so richtig scharfzüngig oder sarkastisch. Von Erdogan, „dem Spinner vom Bosporus, von dem man täglich Blödsinn hören muss“, über Merkel, G 20-Krawalle, AfD bis zu Behinderungen von Rettungskräften spannte er gekonnt den Bogen. „Weil man dann mehr Klicks auf Facebook hott, ihr liebe Leit, die sinn doch krank“, wetterte er. Doch selbst Donald Trump, „bester Präsi aller Zeiten“, konnte den Tollheiten aus dem Kreuznacher Stadtrat und dem Stadthaus als Stoff für den Protokoller nicht Paroli bieten oder gar den Rang ablaufen. Die Kommunalpolitik blieb nicht ungeschoren. „Denn auch in der Stadt ist vieles ungeklärt: Es gibt nicht nur ein Müllproblem. Die GroKo hat keine Chance, Andreas Henschel will Udo Bausch als Beigeordneten beerben, und Werner Klopfer hat ein Problem: Wo kriegt er jetzt nen Kandidaten her? „Ich glaub, jetzt wär er froh, hätt er noch den Delaveaux.“ Des Protokollers Tipp ans närrische Auditorium: „Macht’s wie die Sonnenuhr, genießt die schönen Stunden nur!“

Zu den Höhepunkten zählte der bemerkenswerte Auftritt des erst neun Jahr alten Leon Wiedenhöft als Jockelche. Er begeisterte das Publikum mit seinen Problemen als Fastnachtsmaskottchen: „Jeder denkt: Ach Gott, was e' goldisch Kind! Doch ich denk nur: Verschwind und troll dich!“ Vom Küssen hat er noch keine Ahnung, doch bei manch anderem weiß er schon jetzt: „Das will ich nicht weiter ausbreite, die Fassenacht muss sauber bleibe.“ Ein ganz starker Auftritt. Da geriet auch der „Neue“ ins Schwärmen: „Auf solchen Nachwuchs können wir stolz sein. Wir werden von dir bestimmt noch viel hören“, lobte Sitzungspräsident Mike Pfaff, der seine eigene Premiere bravourös meisterte.

Einen weiteren optischen wie komödiantischen Glanzpunkt setzten die „Hexe vun de Noh“ (Annette Henschel, Andrea Orzschig, Susanne Bilse, Lea Jodeleit, Patricia Parlow und Rosi Lewisch). Sie brauten sich ein „Eleksiersche für ewige Juchend un Schönheit“. Das hatte Folgen, die Zauberei machte Probleme. „My hope is dope“ lief als Running Gag durch die urkomische, famose Nummer. Was die skurrile Truppe in ihren schrillen Outfits da zusammenbraute, ent- und verzückte die Zuschauer. „Hast du Kräuter in der Tüt, dir ewig gute Laune blüht. Und mit dem Salz von der Saline wird jede Hex‘ zur flotten Biene.“ Bleibt nur noch die Frage, was ein Planiger macht, der mit dem Messer am Mühlenteich steht? Ist doch klar: „Er will in See stechen.“

Die Stadtpolitik ins Visier nahmen die Junioren der Weisse Fräck, die mit Mary Lotter, der Gender-Mainstream-Version von Harry Potter, in die Stadt des Schreckens entführten und die üblichen Verdächtigen wie Heinrich, Klopfer, Delaveaux oder die OB auf die Schippe nahmen. Um die Merkwürdigkeiten und Missstände in seiner Heimatstadt kümmerte sich auch VfL-Ehrenpräsident Edwin Beißmann als Lampenmann. Er ärgerte sich über die Buddelei auf dem Kornmarkt und darüber, dass die Straßen dicht sind. Da hilft kein Gutachten mehr.

Mit einer mitreißenden Showtanznummer der Butterflies (Leitung: Lisa Gampper und Nicola Metzroth) und einer Version des „Zauberlehrlings“, die das Duo Frank und Gitte Herzig zu alten und neuen Hits perfekt arrangiert hatte, wurde das Finale eingeläutet. Wer weiterfeiern wollte, konnte das danach an der längsten Sekt- und Cocktailbar der Stadt ausgiebig tun.

Von unserem Redakteur Harald Gebhardt

Die weiteren Programmpunkte im Überblick

Die Tänzerinnen der WF-Thunder (Leitung: Jessica Trautmann und Lilia Leonhard-Trautmann) präsentierten einen schwungvollen Gardetanz. Die WF-Jockelcher (Leitung: Sabine Ehry und Rosi Lewisch) begeisterten das Publikum mit dem Klassiker „Der Zauberlehrling“. Die Las Chicas (Leitung: Ina Wachner) zeigten eine gefühlvolle Choreografie zum Thema Mut.

Daniela Hermes machte einen Abstecher in die Welt der Wahrsagerei und traf dabei unter anderem auf Boris Becker („Ob der sich mich überhaupt leisten kann“), Brad Pitt und Helene Fischer. Auch wieder dabei waren Peter Lewisch als kalauernder Frisör und seine zwei Kunden Phil Kirkland und Pablo Niebergall. Unterstützt wurde er von der neuen Aushilfe Patricia Parlow. Beispiele? „Was mach ich mit deinem Pony?“ – „Das will ich behalten.“ – „Dann pack ich's ein.“ Oder: „Alkohol löst keine Probleme.“ – „Das tut Milch auch nicht.“ Stimmgewaltig: Alex Pereira sang unter anderem „I'm so Excited“. Die Hofsänger boten Stimmungshits auf hohem Niveau. „Sie sind das Rückgrat der Weisse Fräck“, weiß Pfaff. Seit 68 Jahren ist die Gruppe aktiv. Dafür gab es den Presseorden des „Oeffentlichen“. Die WF-Girls (Leitung: Tina Kiese) boten einen schmissigen Gardetanz. Zuletzt: WF-Musiker Alexander Mohnfeld brachte mit seinen Stimmungsrunden die Gäste in Schwung. hg

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