40.000
Aus unserem Archiv
Kirn

Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein, bitte: Einzelhandel will Internetkokurrenz eigene Plattform entgegensetzen

Armin Seibert

Kirn aktiv! Der Name der Werbegemeinschaft ist gleichzeitig Programm. Die Stadt aktiv vertreten, sie attraktiver für Kunden machen, zukunftsorientiert aufgestellt sein bei allen Herausforderungen. Dazu gehören sinkende Einwohnerzahlen in der Region, wachsender Onlinehandel oder Verkehrsprobleme. Als Gemeinschaft leistungsfähiger Firmen aus den Bereichen Handel, Handwerk und Dienstleistungen versucht das Team um Vorsitzenden Bernd Gerhard und seinen Stellvertreter Gunnar Venter, den Wirtschaftsstandort Kirn zu stärken.

Bernd Gerhard berät Ute Müller aus Becherbach beim Weinkauf. In seiner Genussgalerie bietet der Kirn-aktiv-Vorsitzende neben vielen regionalen Spezialitäten vor allem auch Nahewein an. Auch das ist gelebte Kooperation. Gerhard sagt: Die Menschen achten auf Qualität, wollen Regionalität, gönnen sich etwas. Das Sortiment sei ständig in Bewegung. Das gilt für den ganzen Einzelhandel, der offensiv für den Standort Kirn wirbt.
Bernd Gerhard berät Ute Müller aus Becherbach beim Weinkauf. In seiner Genussgalerie bietet der Kirn-aktiv-Vorsitzende neben vielen regionalen Spezialitäten vor allem auch Nahewein an. Auch das ist gelebte Kooperation. Gerhard sagt: Die Menschen achten auf Qualität, wollen Regionalität, gönnen sich etwas. Das Sortiment sei ständig in Bewegung. Das gilt für den ganzen Einzelhandel, der offensiv für den Standort Kirn wirbt.
Foto: Armin Seibert

Wir sprachen mit Gerhard über das zurückliegende Jahr 2017 und die Pläne für 2018. „Wir wachsen“, freut sich Gerhard über drei neue Mitgliedsbetriebe kurz vor Weihnachten. Ein Indiz, dass Firmen es als zunehmend wichtig empfinden, mit einer starken Gemeinschaft auf dem umkämpften Markt anzutreten, dass sie es einsehen, gemeinsam anpacken zu müssen. Verhaltener Optimismus sei angebracht, insgesamt aber noch etwas mehr Selbstbewusstsein nötig, sagt Gerhard.

Er begründet das so: Im Vergleich mit anderen Städten brauche sich Kirn keineswegs zu verstecken. Auch nicht vor dem Osten des Kreises und der Stadt Bad Kreuznach. Gerhard findet: „Wir überzeugen durch fachliche Kompetenz, kurze Wege und ein beachtliches Preis-Leistungs-Verhältnis in allen angebotenen Branchen. Unsere Events und Veranstaltungen sind überregional bekannt von A wie Autofrühling bis Z wie Ziehung der Gewinner beim Weihnachtsgewinnspiel.“

Andreasmarkt die Ausnahme

Mit Ausnahme des Andreasmarktes (diesmal aus gesetzlichen Gründen zwangsweise samstags) waren alle Veranstaltungen wie etwa Beachparty oder Autofrühling wieder stark besucht, bilanziert Gerhard. Ein Highlight im wahrsten Sinne sei auch die Weihnachtsbeleuchtung gewesen: Die Resonanz der Kundschaft war stark, und Kirn aktiv selbst freute sich natürlich über das wohltuende Sponsoring (wir berichteten).

Natürlich gebe es bei der Umsatzbetrachtung zum Andreasmarkt ganz unterschiedliche Ergebnisse. die Spanne reiche von unterdurchschnittlich bis sehr gut. Das gelte gleichermaßen für’s diesmal recht kurze Weihnachtsgeschäft, weil der vierte Advent auf Heiligabend fiel und somit praktisch eine Woche fehlte. Da machte der Onlinehandel wieder und sogar zunehmend Probleme, weil mit garantierter Lieferung vorm schnell nahenden Fest geworben wurde. Beratung im Geschäft, aber kaufen online beim billigsten Anbieter. Dieses Phänomen mache auch in Kirn Sorgen. Gerhard weiß, dass in einigen Städten als Gegenmaßnahme Benutzungsgebühren erhoben werden, die dann beim Kauf verrechnet werden. Eine Option auch für Kirn? Eher nicht.

Lieber möchte man das Problem ganz offensiv angehen, die Onlinemöglichkeiten nämlich selbst nutzen. Kirn-Aktiv-Mitglied Frank Heilmann brachte eine lokalen Shoppingplattform ins Spiel, bei der lokaler Einzelhandel, Dienstleister und Gewerbebetriebe mitmachen könnten. Der Optiker aus dem Steinweg (wohnt in Hochstädten) sieht dabei eine ganze Stadt als virtuellen Marktplatz.

„Da müssen wir natürlich auch Geld in die Hand nehmen“, weiß Bernd Gerhard, dass erfolgreiche Präsentation durchdacht und für die Kunden unproblematisch leicht nutzbar sein muss. Man brauche aber hier das Rad nicht neu zu erfinden. Erfolg versprechende Beispiele gebe es in Wuppertal, in Mönchengladbach und im Stuttgarter Raum.

Natürlich hat der Vorstand für 2018 eine längere Wunschliste, obwohl man weiß: Handel in Kirn ist nicht immer ein Wunschkonzert. Weniger Baustellen als 2017 wünscht man sich beispielsweise. Natürlich ist jeder froh, wenn gebaut und saniert wird, aber die zahlreichen Straßenbaustellen seien – so Gerhard zurückhaltend – 2017 sicherlich nicht Umsatz fördernd gewesen. Und in Anbetracht der wachsenden Konkurrenz in Idar-Oberstein, wo ein Modemarkt eröffnet wird, sei in allen Bereichen ein starker Auftritt nötig.

Auf Neuansiedlungen gespannt

Die Events für 2018 stehen fest, man hofft auf erfolgreiche Neuansiedlung von Geschäften auch in der Innenstadt und auf eine entspanntere Parksituation. Gerhard weiß: Der Kirner Einzelhandel lebt sehr stark von der Kundschaft aus den umliegenden Dörfern. Das ist das Ergebnis einer Marktanalyse. Kirn aktiv will nun auch die Urkirner künftig noch etwas mehr in die Geschäfte locken. Gerhard setzt darüber hinaus auf konstruktive Zusammenarbeit mit der neu formierten Gik (Gewerbeinitiative Kirn-Land) um Vorsitzende Claudia Wehner-Dhonau und Stellvertreter Nico Barth.

Die Vorstandsarbeit bei Kirn aktiv macht Spaß, sei aber vom Zeitaufwand schon mal grenzwertig, sagt der Vorsitzende. Er will gern weitermachen und Kirn noch besser vernetzen. Dazu gehört etwa die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Meisenheimer Blickpunkt und künftig mit SoAktuell um Stefan Klußmeier, der in Kirn wohnt und in der Kirner Feuerwehr aktiv ist.

Von unserem Redakteur Armin Seibert

Armin Seibert kommentiert: Der Handel zeigt, wie Kooperation funktioniert

Einkaufen im oft zitierten und Kaufhaus Kirn mittels einer Internet-Shoppingplattform? Das klingt gut und ist zukunftsweisend. Den Stier bei den Hörnern packen, die Konkurrenz im Netz mit eigenen Waffen schlagen.

Kirn aktiv hat sich zumindest mit einer solchen Marketingstrategie einmal befasst. Das ist nicht leicht, will gut durchdacht sein und kostet ein bisschen Geld.

Kooperation heißt das Zauberwort. Da müssten, da sollten alle mitmachen, denen am Wirtschaftsstandort und einer guten Zukunft liegt. Da ist nicht nur Kooperation der 90 Kirn-Aktiv-Firmen gemeint, da könnte die neu aufgestellte Gewerbeinitiative Kirn mit ins Spiel kommen. Die Nachbarn Meisenheim und Sobernheim sind ebenfalls angesprochen.

Armin Seibert kommentiert
Armin Seibert kommentiert

Schließlich ist im Landesentwicklungsprogramm der Planungsgemeinschaft Rheinhessen Nahe, das den Lebens- und Wirtschaftsraum definiert, großspurig von einem „Zentrenverbund“ Bad Sobernheim, Kirn, Meisenheim die Rede. Weder Land noch Kreis oder Kommunen sind derzeit willens oder in der Lage, hier Pflöcke einzuschlagen.

Die Werbegemeinschaften Kirn aktiv, SoAktuell und Blickpunkt Meisenheim pflegen oder planen zumindest intensiven Kontakt. Dazu gehört, sich nicht gegenseitig die Butter vom Brot zu nehmen. Man muss nicht alles gemeinsam machen, aber was problemlos in ein Paket zu schnüren ist, sollte man hineinpacken. Vor allem guten Willen.

In Anbetracht wachsender Konkurrenz im Internet und an den „Rändern“ des Zentrenverbunds gilt es eigene Stärke aufzubauen. Die Region Kirn-Sobernheim-Meisenheim liegt zwischen Frankfurt und Saabrücken genau in der Mitte, könnte demgemäß im wahrsten Sinne ein Mittelzentrum sein.

Man darf gespannt sein, was sich 2018 tut. Im Zuge freiwilliger Kooperation oder zwangsweise. Die seit fünf Jahren durch die Region geisternde Zwangsfusion betrifft Unternehmen in Kirn und Umgebung zwar auch, und 70 haben sich für Verbandsfreiheit ausgesprochen.

Der Handel weiß aber genau: Die Menschen aus den umliegenden Gemeinden sind Kirns beste Kunden. Da ist Kooperation und Zusammenarbeit gelebte Realität. Bestes Beispiel ist der Vorsitzende von Kirn aktiv selbst: Bernd Gerhard stammt aus Heimweiler, wohnt in Meckenbach und hat sein Geschäft in Kirn. Geht doch. Noch Fragen?

E-Mail: armin.seibert@ rhein-zeitung.net

Kirn
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional

Bettina TollkampBettina Tollkamp
Chefin v. Dienst
E-Mail

News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
UMFRAGE (beendet)
Markt am Samstag?

Das Mainzer Markt-Frühstück ist ein Kult-Event. Wäre das auch etwas für Bad Kreuznach?

Ja, unbedingt!
69%
Nein, eher nicht.
31%
Stimmen gesamt: 109
Anzeige
Regionalwetter
Freitag

18°C - 32°C
Samstag

18°C - 28°C
Sonntag

17°C - 29°C
Montag

17°C - 29°C
epaper-startseite