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    Kiedrich

    Dringender Sanierungsbedarf: Spätgotisches Prunkstück in Kiedrich erhält neues Dach

    Die „FAZ“ nennt sie ein „Prunkstück spätgotischer Kirchenbaukunst“, dem berühmten Dehio gilt sie als das „architektonisch reichste und künstlerisch edelste Beispiel dieser Baugattung im heutigen Bundesland Hessen“, während die beiden Kiedricher Josef Staab und Bruno Kriesel sie sogar als den „aufwendigsten spätgotischen Bau seiner Art in Deutschland – die Ste. Chapelle des Rheingaus“ bezeichnen. Die Rede ist von der spätgotischen Michaelskapelle an der Südseite des mauerumwehrten Kirchhofes der Kiedricher St.-Valentin-Basilika.

    Ein Bild, das Besucher des Weindorfs Kiedrich noch längere Zeit vor Augen haben, ist die eingerüstete St. Michaelskapelle. Restauriert wird, wie die Gelder fließen.
    Ein Bild, das Besucher des Weindorfs Kiedrich noch längere Zeit vor Augen haben, ist die eingerüstete St. Michaelskapelle. Restauriert wird, wie die Gelder fließen.
    Foto: Architekturbüro Hermann Alt

    Doch der Bau ist in die Jahre gekommen und muss dringend restauriert werden. Zurzeit laufen die Dachdeckerarbeiten. Wie bei allen Renovierungen der St.-Valentinskirche in den vergangenen Jahren ist auch für die Renovierung der Michaelskapelle mit Architekt Hermann Alt aus Hallgarten (Rheingau) wieder der ausgewiesene Kenner des Kiedricher Kirchenensembles am Werk.

    Wer einen Arbeitsplatz hoch über dem Rheingau haben will, muss schwindelfrei sein. Zurzeit laufen noch die Dachdeckerarbeiten, die aber im Oktober beendet sein sollen, ehe dann im kommenden Jahr die Fassade dran ist. Foto:
    Wer einen Arbeitsplatz hoch über dem Rheingau haben will, muss schwindelfrei sein. Zurzeit laufen noch die Dachdeckerarbeiten, die aber im Oktober beendet sein sollen, ehe dann im kommenden Jahr die Fassade dran ist.
    Foto:

    Nägel verrosteten

    Zu diesem Ensemble gehören neben der Kirche, die in den vergangenen Jahren komplett saniert wurde, die Kapelle und die Umfassungsmauer samt Kreuzwegstation. Das Dach der Michaelskapelle war einfach nicht mehr zu retten, informierte Alt. Der Grund waren nicht die Schieferplatten selbst, sondern die Nagelung des Schiefers.

    Denn feuerverzinkte Nägel gab es bei der letzten Dachdeckung noch nicht. Verrostete ein Nagel, löste sich der Schiefer, durch den dann Wasser ins Holz und damit in den Dachstuhl eindrang. Denn bei der letzten Deckung wurde noch keine Dachhaut auf die Schalung aufgebracht. Wie immer bietet eine solche Renovierung auch die Möglichkeit, mehr über den Bau als solchen zu erfahren. So bestätigte sich, dass die Daten zum Bau tatsächlich zutreffen. Denn die dendrochronologische Untersuchung datierte die Balken auf die Erbauerzeit zwischen 1434 und 1444 zurück.

    Alt hofft, Ende Oktober mit den Dacharbeiten fertig zu sein. Insgesamt hat die Gesamtrestaurierung der Kapelle eine Größenordnung von 1,3 Millionen Euro. Nach dem Dach soll im kommenden Jahr die Außenhaut, also Fassade und Fenster, restauriert werden, ehe es dann ins Innere geht. Das in der Kunstgeschichte so gerühmte schlanke Türmchen mit seinem fein durchbrochenen Maßwerkhelm ist laut Alt übrigens noch in einem guten Zustand. Gearbeitet wird auch im eigentlichen Beinhaus im Untergeschoss der Michaelskapelle, wobei die Ruhestätte selbst so wenig wie möglich angetastet wird. Denn als Beinhaus (Karner) wurde die Kapelle schließlich während der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet. Die Renovierung geht aber nur weiter, wenn die Finanzierung steht. Sicher ist künftig nicht, ob sich der Bund neben dem Land, dem Bistum Limburg und der Kirchengemeinde auch weiter an der Renovierung beteiligt. „Bisher hat der Bund die Restaurierung finanziell unterstützt, weil es sich beim Kiedricher Kirchenbezirk um ein Denkmal von nationaler Bedeutung handelt“, sagt Alt. Möglicherweise öffnet der Bund ja doch noch einen Fördertopf, hofft man in der Reingaugemeinde. An der Renovierung des Kleinodes sind neben dem Architekten viele andere Fachleute unter anderem von der Landes- und kirchlichen Denkmalpflege beteiligt.

    Im Kreis der Fachleute wurde auch festgelegt, in welchen Zustand man das Gebäude versetzen möchte. Klar ist, dass man nicht in die Erbauerzeit zurückgeht, auch wenn die Kapelle natürlich im Kern ein spätgotisches Gotteshaus ist.

    Spuren der Jahrhunderte

    Alt sagt: „Aber die Jahrhunderte haben ihre Spuren hinterlassen, sodass wir die Kapelle im Zustand einer Restaurierung um 1900 bringen wollen. Ebenso wichtig ist auch die Frage der Nutzung der Kapelle. So soll sie als Kinderkirche, aber auch für Andachten genutzt werden. Die Außenkanzel selbst ist bis heute in Gebrauch. Von hier aus segnete der Priester an Palmsonntag die Palmzweige, ehe es in einer Palmprozession in die Kirche zum Hochamt geht.

    Von unserem Reporter Josef Nürnberg

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