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Bad Kreuznach

Direktkandidaten im PORTRÄT Nicole Höchst (AfD): Morddrohungen und Mobbing setzen Familie zu

Gustl Stumpf

Es gab eine Zeit, da hat sie Angela Merkel gewählt, war selbst Mitglied in der CDU. Aber die Entwicklungen rund um den Euro und die Griechenlandprogramme gingen ihr gewaltig gegen den Strich. Dinge, die nicht ins Weltbild von Nicole Höchst passten. Dann erlebte sie in der Düsseldorfer Rheinterrasse Bernd Lucke, den Mitbegründer der AfD. 2013 war's. Zum ersten Mal hatte die Frau aus Speyer Kontakt mit der Alternative für Deutschland. Und sofort sprang der Funke über.

Auf der Ruhebank neben der Saline an der Karlshalle. Nicole Höchst schätzt das Tal, die Region, die Menschen und deren Lebensart. Am 24. September kandidiert sie im Wahlkreis Bad Kreuznach-Birkenfeld für die AfD. Foto:  Gustl Stumpf
Auf der Ruhebank neben der Saline an der Karlshalle. Nicole Höchst schätzt das Tal, die Region, die Menschen und deren Lebensart. Am 24. September kandidiert sie im Wahlkreis Bad Kreuznach-Birkenfeld für die AfD.
Foto: Gustl Stumpf
„Er sprach mir aus der Seele“, erinnert sie sich nun, Jahre später, im Gespräch mit dem „Oeffentlichen“. Längst ist die AfD mehr als nur eine Alternative für Nicole Höchst. Die 46-jährige Regierungsschuldirektorin beim Pädagogischen Landesinstitut in Speyer ist Direktkandidatin der Partei im Wahlkreis Bad Kreuznach-Birkenfeld. Gewinnen wird sie ihn nicht, aber Platz vier auf der Landesliste könnte bei der Bundestagswahl am 24. September dennoch für den Einzug ins Parlament reichen. „Ich erwarte ein gutes Ergebnis, bin vorsichtig euphorisch“, sagt sie. Bundesweit rechnet Nicole Höchst mit 15 Prozent für die AfD.

Ich treffe die vierfache Mutter mit Lebensmittelpunkt Speyer im Bad Kreuznacher Brauwerk. Keine Ahnung, was mich erwartet. Die kurze Terminabstimmung am Telefon lässt kaum Rückschlüsse auf die mir persönlich noch unbekannte Person zu. Nun sitzt sie mir gegenüber, trinkt Cappuccino, lächelt sympathisch. Ob es mir gelingt, hinter die Fassade zu blicken? Wer ist diese Frau? Was treibt sie an, was treibt sie um? Warum bewirbt sie sich im Wahlkreis Bad Kreuznach-Birkenfeld?

Schnell ist das Eis gebrochen. Politisieren wollen wir nur am Rande. Nicole Höchst ist einverstanden. Seit April ist sie alleinerziehend. Zwei Mädchen, zwei Buben, 3, 6, 13 und 15 Jahre jung. Die Kinder: ihr Ein und Alles, wie sie betont. Den Spielplatz am Brauwerk haben die Vier schon kennengelernt. Das Salinental gefällt ihnen besonders. Die 13-Jährige studiert bereits Immobilienanzeigen. Und die vielen Freunde in der Region hätten sicher auch nichts dagegen, wenn die Familie Höchst demnächst an die Nahe ziehen würde.

„Das ist nicht der Plan, aber möglich“, lässt Nicole Höchst durchblicken. Motto: Family first! „Sie ist mein Antrieb.“ Wenn sie wieder mal unterwegs ist, beruflich fürs Institut oder politisch für die AfD, kümmern sich zu Hause Angestellte um die Kinder und den Hund. Ein Beauceron, ein französischer Hirten- und Hütehund. 56 Kilo schwer. Er zählt zur Familie, seit es diese Morddrohungen gibt – auch gegen die Kinder. „Das macht mich sehr traurig“, sagt Nicole Höchst. „Der Staatsschutz ermittelt.“ In der Schule werden die beiden Ältesten wegen der politischen Ausrichtung ihrer Mutter auch mal gemobbt. „Aber gemeinsam halten wir das aus“, erklärt die 46-Jährige und macht keinen Hehl daraus, dass die Kinder selber denken statt blind einer Ideologie folgen sollen, selbst wenn die von der Mama geprägt wird. Dumpfe Parolen, rechte Hetze – nein, das ist nicht ihr Ding. Auch nicht das der AfD, will Nicole Höchst glauben machen.

Alle Parteien müssten mit ihren Rändern leben, argumentiert sie energisch. Dabei biete die allgemein als rechtspopulistisch abgestempelte AfD ein weitaus breiteres Spektrum, und zwar ein demokratisches, betont Höchst. „Bei uns ist Demokratie lebendig, wir streiten, ja, man muss auch mal Klartext reden“, unterstreicht sie – „und kriegen doch ein Programm auf die Reihe.“ Nicole Höchst kann überzeugen. Deshalb zählt sie zur Bundesprogrammkommission der AfD. Im Bundesfachausschuss Bildung hat sie den Vorsitz, bringt alles ein, was sie über Bildung weiß, und das ist nicht wenig. Nach dem Abitur hat sie in Bielefeld BWL studiert, danach in Saarbrücken und Düsseldorf auf Lehramt. Zwischendurch ging's zum Sprachenstudium nach Montpellier und Brüssel. Als Gymnasiallehrerin dürfte sie ebenfalls arbeiten, entschied sich dann aber für das Pädagogische Landesinstitut mit Zweigstellen in Trier, Koblenz und Bad Kreuznach.

Sie kommt viel rum, betreut Schulen, leitet Fortbildungen, berät Lehrkräfte fachdidaktisch und, und, und. Trotzdem wird auch am Institut die Luft immer dünner für sie. „Ich trage den Edeka-Stern“, sagt sie in diesem Zusammenhang mit ironischem Unterton in der Stimme und erklärt: „Edeka steht für Ende der Karriere.“ Doch das spornt sie nur an. Sie ist eine Kämpfernatur. Mit Kickboxen und Karate hält sie sich fit. Auch für den Wahlkampf, in dem sie beherzt und entschlossen auftritt, wie gerade erst in Planig, wo sie gute Gespräche mit Bürgern geführt habe, versichert sie. „Ich erlebe Veränderungen bei den Menschen. Wir sind nicht mehr die Pfuipartei.“

Nicole Höchst bestellt noch einen Cappuccino. Danach geht's mit ihrem T 5 nach Frankenthal. Ins Karate-Leistungszentrum. Die Kinder abholen. Ebenfalls schon Kämpfernaturen. Ganz die Mutter.

Von unserem Redaktionsleiter
Gustl Stumpf

Nicole Höchst mag Klassik, liest viel und kocht gern

Ihren Urlaub verbringt Nicole Höchst am liebsten in Frankreich – ganz im Süden oder in der Bretagne. Aber auch in Deutschland urlaubt sie gern. Ihr Musikgeschmack ist vielseitig.

Opern von Verdi oder Mozart stehen hoch im Kurs, doch sie mag auch moderne Unterhaltungsmusik. „Früher war ich mal eine Tanz- und Partymaus“, gesteht Nicole Höchst. Gelesen hat sie schon immer viel und gern.

Historische Romane aus dem Mittelalter haben es ihr besonders angetan – und französische Filme, natürlich in französischer Sprache. Das sowie die Vorliebe fürs Kochen, guten Wein und die herzliche Lebensart hat mit ihrer Herkunft zu tun. Die Großeltern stammen aus dem deutsch-französischen Grenzgebiet. Sie selbst wurde in Homburg/Saar geboren. gst

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