40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » Oeffentlicher Anzeiger
  • » Die alte Mauer: Zeugin der frühen Stadtplanung
  • Aus unserem Archiv
    Bad Kreuznach

    Die alte Mauer: Zeugin der frühen Stadtplanung

    Irgendwo an der Pforte zum Panoramaweg, unten am Naheufer, liegen die letzten Überreste des Klappertorturmes. Überwuchert, zugewachsen, vergessen. Der Klapperturm schloss die Stadt im Mittelalter in Richtung Westen ab. Durch den Turm, er hatte einen Durchmesser von rund sechs Metern, führte die Ebernburger Straße. Wer in die Stadt wollte, musste beim bewaffneten Pförtner Einlass begehren.

    Julius Reisek, Leiter der Heimatwissenschaftlichen Zentralbibliothek (HWZB) im Wolfgangschor, steht am Ende der Klappergasse in der Neustadt und zeigt in Richtung buschiges Grün. „Im Winter sieht man das alles besser“, sagt er. Mit „alles“ meint er die seltenen historischen Fragmente der alten Stadtmauer, die sich in der Neustadt, aber auch in Teilen des als Altstadt bekannten Areals südlich der Nahe mit etwas Mühe finden lassen können. Vieles schlummert in Hinterhöfen, ist überbaut oder verschwunden hinter Gebüsch. Nur in Begleitung eines Kundigen ist es möglich, den Verlauf der Stadtbefestigung nachzuvollziehen. Und selbst dann wird es mitunter schwierig.

    Julius Reisek ist seit 1992 Leiter der HWZB, die mit 16 000 Titeln zu den wichtigsten Anlaufpunkten für Stadthistoriker und interessierte Bürger zählt. Der gebürtige Eisenacher mag es nicht, Heimatforscher genannt zu werden. „Experten sind andere, ich will nur Anstöße und Hilfestellungen geben“, übt sich der Mann, der zuvor im Eisenacher Lutherhaus tätig war, in Bescheidenheit. Trotz aller Zurückhaltung hat er selbst schon zahlreiche Aufsätze und Abhandlungen über die ältere Bad Kreuznacher Stadtgeschichte geschrieben. Und diese sei überaus kompliziert, erklärt der 62-Jährige. Zwar gebe es ausreichend Quellen und historisches Material, das inzwischen auch schon ausgewertet worden sei, aber Bad Kreuznach, auf sumpfigem Gebiet errichtet und aus mehreren Siedlungen schließlich erwachsen, habe sich ständig verändert.

    Als Leitfaden und Index für das wachsende mittelalterliche Bad Kreuznach kann man den Verlauf der Stadtmauer heranziehen. Oder besser gesagt, der Stadtmauern. Denn es gab drei unterschiedliche Rechtsbezirke (Neustadt, Altstadt und den Burgfried), die alle ihren eigenen Schutz hatten. Sie bildeten drei abgeschlossene Mauersysteme mit vorgelagerten Wassergräben. Später lösten sich diese Grenzen auf. Auch aus Kalkül. „Die Stadt ist entlang damals bedeutender Bauwerke wie den Kirchen St. Martin oder St. Peter geplant worden“, erklärt Reisek. Der Mauerbau sei ein maßgebendes Element gewesen.

    Die erste Stadtbefestigung stamme aus dem 13. Jahrhundert, und auch sie habe dem steten Wandel unterlegen, erklärt er. Es sei sehr wahrscheinlich, dass es als Vorläufer einer Steinmauer einen Palisadenzaun, Gräben und Gebück gegeben habe. Außerdem gab es zahlreiche Türme, von denen nur noch wenig übrig ist. Bekannt ist das Butterfass, verschollen der Klapperturm, gänzlich unbekannt der Rabennistturm am Fuße des Kauzenberg. Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) zerstörte nicht nur große Teile der Stadt, sondern auch der Wehrbefestigung.

    Prominente Fragmente der historischen Stadtmauer gibt es nur noch wenige. Städte wie Meisenheim seien da besser dran, sagt er. Das längste noch erhaltende Stück der Befestigung umgibt den Schulhof des Gymnasiums an der Stadtmauer, ein anderes Stück ist im Casinogarten neben dem Jahnhallenparkplatz zu sehen. Oder am Eingang zum Schlosspark, vom Zwingel kommend. Ebenso in der Klappergasse: An deren Ende liegt ein besonderer Schatz, wenn auch aktuell völlig zugewuchert. Ein Stück einer Schenkelmauer aus dem 13. Jahrhundert, die die Befestigung von Kauzenburg und umgebenden Burgfrieden mit der Stadtmauer miteinander verband, liegt dort versteckt. Julius Reisek regt an, dieses Kleinod besser touristisch zu vermarkten. Dazu gehöre, es vom Wildwuchs zu befreien und eventuell zu beschildern. „Was man hat, muss man nicht verstecken.“

    Von unserem Reporter Marian Ristow

    Bad Kreuznach
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Online regional

    Bettina TollkampBettina Tollkamp
    Chefin v. Dienst
    E-Mail

    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    Bundestagswahl 2017 im Wahlkreis 201

    Die Kandidaten im Wahlkreis 201: Porträts, Interviews und Aktionen

    epaper-startseite
    Regionalwetter
    Sonntag

    8°C - 13°C
    Montag

    9°C - 14°C
    Dienstag

    10°C - 15°C
    Mittwoch

    9°C - 17°C
    Nahe am Ball
    Sebo-Startseite-Regiosport-Nahe-am-Ball
    Jahresrückblick 2016