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Kreis Bad Kreuznach

Den Hildegard-Pilgerweg auch für Behinderte erlebbar machen

Kreis Bad Kreuznach. Helfen und heilen – ein Leben lang. Das war die Botschaft ihres Tuns. Was aber hätte die Heilige Hildegard (1098 bis 1179) gesagt, wenn gerade die Kranken, die Bedürftigen nicht zu ihr gelangen können? Der Kreisbeirat für Menschen mit Behinderungen diskutierte am Montag, wie man den nach Hildegard benannten und am 9. September eröffneten rund 140 Kilometer langen Pilgerweg zwischen Idar-Oberstein und Bingen in kleinen Teilen auch für Behinderte – körper-, geistig- oder sehbehindert – erlebbar machen kann.

Foto: Timo Volz

Der Weg bietet zehn Tagestouren. Neben den Stationen Niederhosenbach, dem vermuteten Geburtstort Hildegards, und Bingen (Kloster Eibingen) ist für die Zweite Kreisbeigeordnete Gerlinde Huppert-Pilarski (Grüne) der Disibodenberg zwischen Staudernheim und Odernheim „Dreh- und Angelpunkt aller Touren und aller Diskussionen über eine Barrierefreiheit“. Ihn müsse man besser begehbar machen. Ein Thema, das sie in erster Linie auf der politischen Ebene angesiedelt sieht. Es sei mit Familie von Racknitz, der der Disibodenberg gehört, zu verhandeln und am Ende auch die Investitionsfrage zu klären: Helfen Gelder der Europäischen Union?

In ihrer Priorität wurde sie von Wege-Initiatorin Dr. Annette Esser und Angelika Fromm vom Mainzer Scivias-Institut unterstützt. Die Scivias-Vertreterin, selbst seit 20 Jahren stark gehbehindert, beschrieb den steilen, mühsamen Weg hinauf zur Klosterruine mit ihren Stöcken: „Am Ende hätten sie mich am Boden abkratzen können.“ Zudem sei das Gelände überwuchert. Den Weg zur weißen Disibodenbergkapelle will sie ebenfalls für Behinderte gangbar gemacht sehen.

Anregungen für den gesamten Pilgerweg gab Martina Hassel von der Lebenshilfe Bad Kreuznach: Sie forderte eine einfache Sprache in Broschüren und in einem Beiblatt des fertigen Pilgerpasses, die auch Geistigbehinderte verstehen; und sie schlug vor, kleine Stücke des Wegs abzugehen und sie auf Behindertentauglichkeit zu prüfen. Peter Wilhelm Dröscher (SPD) fragte nach QR-Codes auf den Infotafeln: „Das ist heute Stand der Technik.“ Jürgen Ruß vom Verein zur Förderung behinderter Menschen betonte die Notwendigkeit behindertengerechter Toiletten. Von Nichtbehinderten meist kaum bedacht, sei das ein zentraler Punkt, so Ruß. Es sei schon schwer genug, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Ausflugspunkten in der Region zu gelangen. Er fragte nach der Homepage www.hildegardweg.eu und ob man sich deren Inhalt via Handy vorlesen lassen könne. Eine Idee, die Dr. Annette Esser gerne aufgriff: An den Meditationsstationen könne man heute schon Musikstücke Hildegards herunterladen und anhören.

Auch für Marco Rohr, Geschäftsführer des Naturparks Soonwald, ist die teilweise Barrierefreiheit des Hildegardwegs kein Luxus. Im Gegenteil: Es gehe darum, Menschen mit beeinträchtigtem Bewegungsvermögen das Erlebnis in der Natur zu ermöglichen, sie daran teilhaben zu lassen. Während der Laie in erster Linie an Behinderte im Rollstuhl denkt, sei auch an Mütter mit Kinderwagen, Übergewichtige, Blinde ... zu denken, erweiterte Rohr den Kreis der Betroffenen. Bei einem zweitägigen Seminar des Bundesamtes für Naturschutz habe er erfahren, wie stark die Thematik weltweit diskutiert und forciert werde, „etwa in amerikanischen Nationalparks, die bei der Barrierefreiheit schon viele Jahre weiter sind als wir“. Ganz untätig war die Naheregion aber nicht: Vor Jahren schon habe man beispielsweise die Toiletten und den Weg auf der Opelwiese im Soonwald barrierefrei ausgebaut.

Für den Hildegardweg habe man weder ein Patentrezept noch Referenzwegestücke, die sich für die Barrierefreiheit eigneten. Gerne greife man auf Erfahrungen im Nationalpark Eifel zurück. Dort gibt es mit dem „Wilden Kermeter“ einen mit über fünf Kilometern barriere-, aber nicht steigungsfreien Wegen durchzogenen Naturerlebnisraum mit jeweils drei Sinnesliegen und Wetterschutzdächern und jeweils zwei Rastplätzen und Aussichtspunkten. Die Vereinten Nationen zeichneten den Wilden Kermeter im November 2016 als „Dekadeprojekt Biologische Vielfalt“ aus.

16. November, Kreisverwaltung: Erste Ideenbörse rund um das Hildegard-Pilgerweg-Projekt

Wie kann man das Hildegard-Pilgerweg-Projekt ergänzen, bereichern, verbessern? Zur ersten Ideenbörse sind alle Bürger für Donnerstag, 16. November, 17.30 Uhr, in den großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung eingeladen. Die ersten Pilger und Wanderer waren im Spätsommer und Herbst zwischen Idar-Oberstein und Bingen unterwegs. Nun richtet sich der Blick des Projektteams auf die Pilgersaison 2018 mit dem Höhepunkt der Hildegard-Wallfahrt zwischen Mai und Oktober. „Alle Interessierten können sich in das Projekt einbringen“, skizziert Landrätin Bettina Dickes als eine der beiden Projektinitiatorinnen das Ziel der ersten Ideenbörse. „Unser Weg lebt von den Ideen der Menschen, die auf ihm unterwegs sind und sich für ihn engagieren.“ Das Projektteam wird über den aktuellen Arbeitsstand informieren.

Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger

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