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    Bad Sobernheim

    Das Fach Kultur soll Schule machen im Land

    Ein neues Schulfach ist entstanden, und eine Lehrerin aus dem Emanuel-Felke-Gymnasium war an der Entwicklung maßgeblich beteiligt. Mathe- und Musiklehrerin Stefanie Ludes war ein Mitglied der Lehrplankommission, die seit Mai 2013 regelmäßig tagte, um den Lehrplan des Wahlpflichtfachs Kultur (WPFK) zu entwickeln. Dieser Lehrplan liegt nun verschiedenen Instanzen zur Prüfung vor.

    Wozu ein Overhead-Projektor doch so alles nütze ist: Beim Schattentheater zum Thema Wassergott Neptun lassen Johanna, Charlotte, Laura und Lena ihrer Kreativität freien Lauf.  Fotos: Martin Köhler
    Wozu ein Overhead-Projektor doch so alles nütze ist: Beim Schattentheater zum Thema Wassergott Neptun lassen Johanna, Charlotte, Laura und Lena ihrer Kreativität freien Lauf. Fotos: Martin Köhler
    Foto: Martin Köhler

     

    Am EFG Bad Sobernheim werden die Ideen und Konzepte bereits seit einigen Jahren auf ihre Praxistauglichkeit getestet. Indes gibt es dieses neue Fach nur an G8-Gymnasien in Rheinland-Pfalz. Das WPFK soll künftig eine vierte Wahlmöglichkeit für Schüler neben der dritten Fremdsprache, Naturwissenschaften und Informatik sein. „Die konzeptionelle Grundlage des WPF Kultur ist eine Vernetzung von Themen und Inhalten der Fächer Bildende Kunst, Musik und Darstellendes Spiel in Form von kreativ-gestalterischen Projektarbeiten“, heißt es auf dem Bildungsserver des Landes. Keineswegs sollen diese etablierten Fächer wie Bildende Kunst oder Musik ersetzt werden, heißt es weiter. Für EFG-Lehrerin Stefanie Ludes hat sich die jahrelange Mühe gelohnt. „In der Kommission zu arbeiten, hat mir riesigen Spaß gemacht. Das Konzipieren von Unterricht war schon immer mein Steckenpferd!“ Ein Markenzeichen des neuen Fachs ist das Teamteaching: Am EFG arbeitet Stefanie Ludes mit Alexander Esters (Bildende Kunst) zusammen. Doch wie sieht das künftige, neue „Baby“ im Lehrplan in der Realität aus? Der Oeffentliche Anzeiger durfte sich im Kulturunterricht des EFG mal umsehen.

    Im Mittelpunkt des letzten Halbjahres stand ein Projekt, in dem die siebensätzige Orchestersuite des Engländers Gustav Holst (1874–1934), „Die Planeten“, als ein Mittelpunkt verwendet wurde. Die 22 Neuntklässler arbeiteten in sieben Gruppen mit dem Auftrag, die unterschiedlichen Sätze in den jeweils vorherrschenden Stimmungen zu analysieren: mal laut und aggressiv, mal leise und langatmig, mal angenehm fließend, mal witzig und spritzig. Gleichzeitig mussten sie sich – unterstützend – mit der römischen und griechischen Mythologie auseinandersetzen. Denn bekanntlich steht der Mars für Krieg, Venus für Liebe und Frieden, und Saturn für Arbeit und Mühsal.

    Mit all diesen Informationen galt es nun, ein Schattentheater, passend zum Gehörten und Erlernten, zu kreieren. Dabei ist erlaubt, was gefällt und irgendwie passt oder erklärt werden kann: Manche Gruppen legen Alltagsobjekte auf Overhead-Projektor, um Schatten zu erzeugen. Filine, Evelin, Lisa und Mareike wählten den Weg der Stop-Motion-Filmtechnik, bei der Dutzende an Modellen geschossene Fotos mittels Computer zum Film zusammengesetzt werden.

    Auf zwei Stockwerken in drei Klassensälen findet die Gruppenarbeit statt. Das bedeutet viel Laufarbeit für einen Lehrer. Sie sollten auch ständig einen Rat parat haben für den Fall, dass die die Heranwachsenden einmal an ihre kreativen oder technischen Grenzen stoßen. Für Ludes ist das Wahlpflichtfach trotzdem ideal. Sie schätzt diese enormen Gestaltungsmöglichkeiten des WPFK-Lehrplans im Unterschied zum starren Korsett des regulären Pflichtfach-Lehrplans. Sie erklärt ferner aus jahrelanger Erfahrung: „Für Schüler ist Projektarbeit schwierig.“ Sich in einer Gruppe Gehör zu verschaffen, Ideen einzubringen und dann gegen Kritik zu verteidigen, Zuhören zu können und letztlich den Ausgleich zu finden zwischen dem gruppenfähigen Kompromiss und der eigenen Durchsetzungsfähigkeit sei eine Kunst, die beim WPFK automatisch geschult werde.

    Welche Eindrücke haben die Jugendlichen selbst zum WPFK? Vier haben sich geäußert. Lena (14) lobte: „Hier kann man sehr viel selbst experimentieren.“ Außerdem lobte sie die Analyse der Musik. „Endlich gibt der Lehrer mal nicht alles vor“, sagte Laura (15). Charlotte (14) bestätigte: „Damit wird man selbstständig!“ Und die 15-jährige Johanna freute sich, auch mal mit klassischer Musik von Gustav Holst in Berührung gekommen zu sein.

    In den Vorjahren nahmen andere WPFK-Klassen eine Rap-CD auf, inszenierten ein Musical oder erweckten Buchsta-Bilder zum Leben. Sobald der neue Lehrplan offiziell genehmigt ist, wird er an allen G 8-Gymnasien in Rheinland-Pfalz eingeführt. Das EFG Bad Sobernheim war diesmal landesweit Vorreiter.

    Von unserem Reporter Martin Köhler

     

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