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Fürfeld

BI Gegenwind sorgt sich um Fürfelder Grundwasser: Experten widersprechen

Silke Bauer

Die Querelen um den Windpark Fürfeld erreichen eine neue Dimension. Nach jahrelangem Streit um die Umweltverträglichkeit der sieben Anlagen, mit deren Bau 2013 begonnen wurde, macht sich Stephan Schlitz, Sprecher der Bürgerinitiative Gegenwind, Sorgen um das Fürfelder Grundwasser. Die Betonfundamente, auf denen die Windräder stehen, geben gesundheitsgefährdende Stoffe ins Grundwasser ab, befürchtet Schlitz.

Der Fürfelder Windpark
Der Fürfelder Windpark
Foto: josef nürnberg

Er bezieht sich dabei auf Wasserproben, die das Landesamt für Umwelt jährlich aus einem Beobachtungsbrunnen in der Nähe des Windparks entnimmt. Der steht teilweise in einem Trinkwasserschutzgebiet. Schlitz dazu: „Nach unauffälligen Werten in früheren Jahren tauchen ab 2013, besonders aber in den Jahren 2014 und 2015 deutlich erhöhte Mengen von Blei und Vanadium im Grundwasser auf. Bei Blei war eine Verdoppelung der Messwerte, bei Vanadium sogar ein Anstieg auf das fünf- bis siebenfache des früheren Wertes festzustellen.“

Der „Oeffentliche“ griff die Vorwürfe auf und stellte fest: Schlitz' Sorge in Bezug auf die Bleibelastung ist unbegründet. Seit dem 1. Dezember 2013 sind laut Trinkwasserverordnung 0,010 mg/l verbindlich einzuhalten, das entspricht 10 Mikrogramm. Davon sind die Fürfelder Werte aber meilenweit entfernt. Laut des rheinland-pfälzischen Umweltamtes lagen die Bleiwerte 2015 in Fürfeld bei 0,15 Mikrogramm pro Liter (µg/l) Grundwasser, die Vanadiumwerte bei 0,52 µg/l (gesetzlicher Grenzwert: 4 Milligramm).

2014 wurden 0,19 µg/l Blei sowie 0,3 µg/l Vanadium gemessen, 2013 – dem Jahr, in dem die Anlage errichtet wurde – lagen sowohl die Blei- als auch die Vanadiumwerte bei 0,1 µg/l. In den Jahren vor dem Bau der Windanlage waren die Blei- und Vanadiumwerte teilweise sogar höher als in den Jahren danach, doch immer noch unbedenklich: So lagen die Blei- und Vanadiumwerte 2010 jeweils bei 2 µg/l. 2004 erreichten die Bleiwerte 3 µg/l.

Die Untere Wasserbehörde des Kreises kommt zu denselben Ergebnissen. „Wir liegen deutlich unter den Grenzwerten“, sagt Pressesprecher Benjamin Hilger. Die Anfrage der BI werde deshalb nicht weiter verfolgt. Schlitz' Sorge, dass Beton ausgelaugt werde und Schwermetalle freisetze, stützt sich auf Untersuchungen der Technischen Hochschule Aachen. Welche das sein sollen, geht aus seiner Pressemitteilung nicht hervor.

Unsere Zeitung hat Prof. Anya Vollpracht von der TH Aachen kontaktiert, die über Umweltverträglichkeit von Baustoffen forscht. Die Expertin entkräftet die Behauptungen und beruhigt: Jeder natürliche Stoff enthalte Begleitsubstanzen, die in unterschiedlichen Mengen an die Umwelt abgegeben werden. Die Auslaugung von Beton dagegen sei unkritisch. „In Deutschland gibt es ein Bewertungskonzept für solche Stoffe. Und neue Baustoffe werden vor der Zulassung gründlich geprüft. Beton wird überall im Grundwasser ausgebaut. Dass die Fundamente das Wasser verseuchen sollen, ist absolut absurd.“ Vollpracht mutmaßt, dass die BI die Wissenschaft in diesem Fall für ihre Zwecke instrumentalisieren will.

Auch was die Gesundheitsgefährdung durch Vanadium betrifft, besteht keine Gefahr, obwohl Schlitz feststellt: „Vanadium wird vom Umweltbundesamt als krebserregend eingestuft.“ Der Toxikologe Rainer Konietzka (Umweltbundesamt), der sich unter anderem mit der Geringfügigkeitsschwelle von Vanadium befasst, erklärt auf unsere Anfrage: „Vanadium wird von der EU nicht als krebserregend eingestuft.“

Aber: Die Kommission Arbeitsschutz und Normung hat ein privates Forscherteam zur Kanzerogenität von Vanadium beauftragt, so Konietzka weiter. Die Forscher ließen Probanden vanadiumhaltige Substanzen inhalieren und stellten toxische Effekte im Milligrammbereich fest. Zudem verabreichten sie Ratten Vanadium, was zu Magengeschwüren führte. Ergebnis: Vanadium kann in hohen Dosen karzinogen sein. Deshalb ging das Umweltbundesamt auf Nummer sicher und senkte die erlaubte Vanadiummenge auf 4 Mikrogramm pro Liter Trinkwasser. Doch auch davon sind die Fürfelder Werte Lichtjahre entfernt.

Nähere Infos unter: http://www.geoportal-wasser.rlp.de/servlet/is/8183/

Von unserer Redakteurin
Silke Bauer

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