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Bad Sobernheim

Besuch bei Ingrid Gräff, Patin der Post in Haus Rapperath: Historie im Sobernheimer Freilichtmuseum erleben

Fast 1000 Ehrenamtliche, davon rund 200 tatkräftige Helfer bei Großveranstaltungen, verbindet mit dem Freilichtmuseum im Sobernheimer Igelsbachtal eine lange Freundschaft.

In der Anlage mit vier Baugruppen und 40 Häusern haben sie ihre zweite Heimat gefunden. Ingrid Gräff, seit 20 Jahren in Meddersheim lebende heutige Patin von Haus Rapperath, gehört dazu.

Besuch im Hunsrück-Nahe-Dorf des Rheinland-Pfälzischen Freilichtmuseums. Die Haustür steht offen, Birgit Pfeffer, den Sobernheimern durch ihre jahrzehntelange Mitarbeit im Freundeskreis Partnerschaft Sobernheim-Louvres bekannt, häckelt gerade im Gärtchen vor dem Gebäude aus Rapperath, einem 450-Einwohner-Dorf bei Morbach im Hunsrück. Und sie plauscht dabei mit Hauspatin Ingrid Gräff, der 53-jährigen gebürtige Backnangerin und gelernten Hotelfachfrau, die seit 1969 in Sobernheim lebte und seit 1994 mit ihrem Mann in Meddersheim wohnt.

Ingrid Gräff hat ein Faible für die Heimat, für alles Historische. So gern hätte sie Archäologie studiert, nennt sie ihren Herzenswunsch. Aber das Leben wollte es anders, und so hat sie sich ihre Passion im Ehrenamt bewahrt, lebt lokale Geschichte und studiert deren Zeugnisse. Und sie liebt die Region und ihre idyllischen Fleckchen seit jeher, etwa Sobernheims Gottesbrünnlein oder die Engelswiese nahe dem Freilichtmuseum.

Begonnen hat die intensivere Mitarbeit im Museum vor wenigen Jahren, als sie noch den kleinen Garten an Haus Ürzig (ersterbaut im Jahre 1607) unten im Mosel-Dorf pflegte. Damals machte sie sich über Bauerngärten schlau, erfuhr viel über schweren Zeiten, als ein solcher Grünfleck direkt am Haus nicht der bloßen Zier wie heute diente, sondern unverzichtbar war fürs tägliche Überleben.

Und sie lernte: Nicht etwa am modernen ästhetischen Empfinden orientierte Hochglanzoberflächen bestimmen den Wert des Gezeigten in einer Einrichtung wie dem Freilichtmuseum, sondern Akkuratesse in der Authentizität. Nicht umsonst haben die Verantwortlichen des mit guten Landesgeldern unterstützten Museums den nachdrücklichen Slogan „Erleben, wie es wirklich war" gewählt.

So viele Jahre, die Ingrid Gräff, immer unterstützt von ihrem Mann Thomas, schon vor ihrem Bauerngarten-Einsatz im Freundeskreis des Museums mitmachte, bei Festen oder Veranstaltungen, etwa an der Gulaschkanone. Warum? Weil sie dem Alten, dem Traditionellen, dem Leben von einst hier so nah („näher geht's nicht") sein kann. „Ohne diese Vergangenheit gäbe es unsere Gegenwart und unsere Zukunft nicht", sagt sie und schaut sich um. Wir befinden uns in der ehemaligen Poststelle von Haus Rapperath; die Einrichtung soll das Leben um 1900 widerspiegeln. Da die Briefwaage, dort der Fernsprecher, da ein Spiegel, dort ein altes Sofa, da ein paar liebevoll gerahmte Fotos aus längst vergangenen Zeiten ... Zu beinahe jedem Detail könnte sie etwas sagen, beschreibt die Geschichte des rund 340 Jahre alten Gebäudes.

Wenn sie erzählt, spürt man ihre begeisterte Verbundenheit mit jedem Stück, jedem Eck – sie füllt ihre Aufgabe als Patin des Hauses mit Leben und könnte nun bald auch in der passenden Kleidung als Küchenfrau in die Historie abtauchen. Schon jetzt huschen Besucher hin und wieder entschuldigend vorbei: „Wir wollten Sie in Ihrem Haus nicht stören." Die Patin als musealer Bestandteil, als lebendes Inventar. Solche Reaktionen freuen Ingrid Gräff, denn sie bestätigen sie. Sie will nicht herausragen – „Hier geht es um die Häuser und um deren Geschichte und nicht um mich" – und will als normale Museumsfreundin wahrgenommen werden. Sie appelliert an Interessierte, Patenschaften für Häuser zu übernehmen; auch Nichtmitglieder sind willkommen. Der „Lohn" ihres Engagements ist die Aufmerksamkeit der Gäste, die sich gar nicht sattsehen können an all den großen und kleinen Details. Geschichte hat Hochkonjunktur, salopp gesagt: Da geht die Post ab. So wie in Haus Rapperath.

Für Museumsdirektorin Sabrina Mehler und ihren Stellvertreter Dr. Ullrich Brand-Schwarz sind engagierte Museumsmitstreiter und Idealisten wie Ingrid Gräff unbezahlbar. „Ohne die vielen Ehrenamtlichen wäre der Museumsalltag nicht denkbar: Ob sie an der Kasse, im Laden oder in der Museumspädagogik Ansprechpartner für die Besucher sind, bei Veranstaltungen anpacken, bei der Öffentlichkeitsarbeit oder Inventarisierung helfen oder Patenschaften für Häuser und Gärten übernehmen", schreiben sie: „Unsere Ehrenamtlichen machen unser Museum attraktiver und lebendiger. Schön zu erleben, wie viele Menschen sich teilweise schon seit Jahrzehnten uneigennützig und ehrenamtlich für das Museum einsetzen." Stefan Munzlinger

Vorn das Gärtchen, hinten der „Grauwacke-Streckhof": Haus Rapperath mit der Poststelle

Erhabene Lage, das Gärtchen mit Holzzaun, der gelbe Briefkasten, die Postkutsche in der Scheune: Ein kleines Idyll empfängt alle Besucher, die ins Hunsrück-Nahe-Dorf des Freilichtmuseums kommen, auch an Haus Rapperath.

Links davon steht der Winterburger Tanzsaal, rechts ein Ackerbau- und Erntegeräteschuppen und die Scheune Pferdsfeld, davor ist die große Wiese. Rapperather freuen sich, wenn sie sehen, wo ihre um 1675 aus schiefrigen Grauwacken errichtete und 1977 abgebaute Post im Museum „gelandet" ist: auf dem Präsentierteller, einer angedeuteten Hunsrück-Höhe.

Links im Haus ist das Wohnzimmer, das von 1930 bis 1965 als Poststelle diente, und hintendran die fensterlose, unterkellerte Küche, die Viehküche und der Backofen. Sehenswert ist auch die abgefangene Firstkonstruktion im Scheunendachstuhl des „quer erschlossenen Streckhofs", wie Experten sagen.

Nach dem Pflanzen- und Gartentag mit fast 4000 Besuchern (Rekord!) am 13. April folgen weitere Veranstaltungen im Freilichtmuseum: Dienstag, 22. April: Bau eines Fledermaushauses; Sonntag, 27. April: Wissenswertes über Schmetterlinge; Sonntag, 4. Mai: Vom Spinnen und Märchenerzählen; Sonntag, 11. Mai: In der historischen Druckerei; Sonntag, 18. Mai: Internationaler Museums- und Backtag; Sonntag, 25. Mai: Kindheit und Spiel früher. Weitere Infos zum Programm im Museum: Tel. 06751/855 880; im Internet: www.freilichtmuseum-rlp.de

Kirn
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