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Bad Sobernheim

Bad Sobernheimer Brauwerk läuft an: Leichte Biere aus dem Keller der kleinen Kapelle

Stefan Munzlinger

Ein Helles, ein Dunkles, ein Weizenbier und alle drei mit 4,5 bis 5 Volumenprozent und geringem Schluckwiderstand: Seit Mitte April haben die Sobernheimer mit Denkmalz, der fast fertig restaurierten Disibodenberger Kapelle am Fachmarktzentrum, ein Brauhaus in ihrer Stadt.

120 Ganzjahresplätze im Biergarten

Der Biergarten ist bereits seit 1. Mai geöffnet, bietet schon jetzt 120 fast täglich ausgebuchte Plätze unter vier wertigen Schirmen und ist von 11 bis 22 Uhr mit durchgehend warmer Küche an allen sieben Tagen die Woche geöffnet. Das 0,3er kostet 2,50 Euro, das 0,5er 3,90 Euro, die Maß 7,40. Zum Vergleich: Für die Münchner Wiesenmaß wird beim Oktoberfest 2018 zwischen 10,70 und 11,50 Euro verlangt.

Die beiden Ebenen der Kapelle mit 80 Plätzen in Stock eins und 45 Plätzen unter dem historischen Dachstuhl in Stock zwei des über 600 Jahre alten Sakralbaus kommen Ende 2018 hinzu. Das Küchenteam wird zurzeit formiert und in acht Wochen präsentiert. Und alles unter dem Portal-Denkmalz-Logo der Monzinger Diplom-Grafikdesignerin Beate Fritz-Schmell – schon das ein kleines Meisterwerk der Projektvisualisierung.

Eine hochpreisige Sternegastronomie streben die Eigentümer nicht an, wollen bodenständige Kost mit regionalen Zutaten, vor allem als baldiges Mitglied von „SooNahe“ – zu bezahlbaren Preisen.

Auch sonst stehen die Zeichen auf „Kauf lokal“: Die Kaffeebohnen stammen aus Waldböckelheim (Bohnenschmiede), das Malz aus Fürfeld (Stumpf). Das Brauwasser bezieht Denkmalz von den VG-Werken Bad Sobernheims und hat in eine Wasseraufbereitung investiert – der hohen Härtegrade wegen. „Jetzt haben wir ideales Wasser für unsere Biere“, sagt Braumeister Friedrich Wilhelm. Ob Glühbier oder ein starkes Dunkles zur Weihnachtszeit – die Brauerei hat grade erst begonnen, deutet er zwei seiner Zukunftspläne an.

Auch heimische Weine werden in Bad Sobernheims Biergarten wie Brauhaus ausgeschenkt – der Güter Hexamer und Bamberger (Meddersheim), Schneider (Bad Sobernheim) und Michel (Steinhardt).

Von 1,50 Euro (Brezel) bis 12,40 Euro (Hähnchenhaxe mit Krautsalat) reicht die Karte des Biergartens mit Koch Thomas Röhling, einer zweiten Festangestellten und sieben Aushilfen in drei (und bald vier) Containern. Etwas mehr wird eines Tages für die saisonal wechselnden drei Vor- und Nachspeisen und vier Hauptgerichte in der Kapelle verlangt. „Aber auch hier gilt: Maß halten“, sagt Bruno Schneider zum Preisniveau. Außerdem treten hier die Gesetze des bayerischen Biergarten-Universums inkraft: Die nebenan bei Rewe und Netto oder sonst wo gekaufte Verpflegung mitbringen? Ausdrücklich erlaubt, betont das Biergarten-Team, das sich auf einen Ganzjahresbetrieb einstellt – mit Heizstrahlern und Decken.

Zur organisatorischen Konstruktion: Das Eigentümer- und Investorentrio des bereits im Dezember 2012 ersonnenen Kapellenprojekts – Bruno Schneider schwebte damals eine Nahe-Vinothek vor, Friedrich Wilhelm brachte ihn auf die Idee eines Brauhauses, geplant von den Kasseler Baufröschen – besteht aus Bauunternehmer Bruno Scheider (Merxheim, 35 Prozent), Immobilienkaufmann Reinhard Milferstedt (Oberhausen bei Kirn, 35 Prozent) und Investmentbanker Joachim Schmitt (Staudernheim, 30 Prozent). Ihre BBS Brauhaus GmbH wird am Ende rund 4,5 Millionen Euro in das regional einzigartige Unternehmen investiert haben.

Prominente Abnehmer der Biere

Ihr Pächter ist die Denkmalz Disibodenberger Kapellen Brauerei GmbH um den Geschäftsführer, Braumeister, Sommelier und einstigen Marketingmann der Kirner Brauerei, Friedrich Wilhelm (45, Bad Sobernheim). Er steuert den Biergarten und den gesamten Brauprozess, der anfangs auf 2000 Hektoliter im Jahr ausgelegt ist, aber rasch erweitert werden kann, wenn es der Markt verlangt. Und der fragt nach dem leichten, bekömmlichen Gerstensaft aus dem Kapellenkeller. Schon liefern sie an den Nahegarten des Barfußpfades, an BollAnts im Park, den Meisenheimer Hof der nahen Glanstadt und an den Monzinger Campingplatz. In den nächsten Wochen beginnt das Geschäft mit den Laufkunden: Dann kann man das Bier seiner Wahl in 0,75-Liter-Flaschen mit nach Hause nehmen.

Die ersten Wochen des Biergartenbetriebs zeigen: Die Leute lechzen nach einer Möglichkeit, im Freien zu sitzen, sich in lockerer, sommerlicher Atmosphäre zu treffen, betonen Bruno Schneider und Friedrich Wilhelm im Gespräch mit dem „Oeffentlichen“ am Donnerstagabend. Gut, wenn es daneben weitere gastronomische Angebote wie die Kupferkanne Patrick Wahls in Sobernheim gebe. Weil das der Stadt zugutekomme. Genauso ernst ist es ihnen mit dem viel diskutierten Beton-Technik-Anbau links neben der Kapelle. Die Idee einer verglasten Dachterrasse wurde fallen gelassen, stattdessen wird ein kleiner Bürotrakt aufgesetzt; darunter ist die Küche mit Kapellenzugang und darunter die Haustechnik (das Blockheizkraftwerk).

Die Betonfassade des Anbaus bleibt nicht, sie wird verkleidet. Farbe: Anthrazit. Material: möglicherweise Platten aus Holz. Das ist noch nicht entschieden. „Wartet das Ergebnis ab“, appelliert Baufachmann Bruno Schneider an alle, die eine laute Ästhetikdiskussion losgetreten haben – ohne nachzufragen. Der kontrastierende Anbau werde die dominierende Kapelle nicht stören, beruhigt Schneider.

Die Parkplatzfrage ist für ihn geklärt: Am Biergarten gibt es 27, am alten E-Werk sechs und auf dem Fachmarktparkplatz drei Stellflächen. „Wenn bei uns abends der Betrieb pulst, ist das Marktgeschäft ohnehin vorbei“, sieht auch Friedhelm Wilhelm keine Gefahr von Engpässen im Parkraum.

Von unserem Redakteur Stefan Munzlinger
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