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Bad Kreuznach

Bad Kreuznach: Stele mahnt zum Gedenken an die NS-Opfer

Josef Nürnberg

Rund 80 Jahre, nachdem mehr als 200 jüdische Bürger Bad Kreuznachs von den Nationalsozialisten in die Konzen-trationslager verschleppt wurden, wo sie Opfer der perfiden Ideologie wurden, erinnert nun eine Namensstele auf der historischen Nahebrücke an diese Menschen. Selten war eine Einweihungsfeier bewegender als die Enthüllung der Stele. Denn das Auslöschen all der Menschenleben rührte auch nach fast acht Jahrzehnten einige Teilnehmer zu Tränen.

Zur Enthüllung der Namensstele kam auch Heinz Hesdörffer (rechts), der das Konzentrationslager überlebte. Foto: Josef Nürnberg
Zur Enthüllung der Namensstele kam auch Heinz Hesdörffer (rechts), der das Konzentrationslager überlebte.
Foto: Josef Nürnberg

Die Beteiligten machten deutlich, dass das, was die nationalsozialistische Ideologie auslöste und Deutsche zu Tätern an den jüdischen Opfern machte, nicht vergessen werden darf. Viele Teilnehmer lobten auch den Aufstellungsort der Stele auf der Nahebrücke, den Michael Vesper gewissermaßen als symbolischen Ort vorgeschlagen hatte, wodurch die Stele im Herzen der Kurstadt steht. Im Rahmen der Feierstunde wurden die Namen der Opfer von Menschen verlesen, die in irgendeiner Form mit der Gedenkarbeit zu tun haben. Ohne das einzelne Schicksal hinter dem Namen des Opfers zu kennen, war das Verlesen Anklage und Mahnung zugleich.

In ihrer Rede beschrieb Oberbürgermeisterin Heike Kaster-Meurer die 220 Opfer als ganz normale Kreuznacher Bürger: gefeierte Sportler, Weinhändler, Hoteliers, Gastronomen, Essig- und Schokoladenfabrikanten, Metzger, Kaufhausbesitzer, Musiker, Fastnachter, Kommunalpolitiker, Lokalpatrioten und Veteranen des Ersten Weltkrieges. Viele wohnten in der historischen Neustadt rund um den Eiermarkt. „Es waren allesamt Menschen, die fester Bestandteil unserer Stadtgesellschaft waren“, unterstrich die OB. Sie erinnerte an den Planungen und Überlegungen, bis die Entscheidung für die Stele fiel. Die Idee des Gedenkens an die jüdischen Bürger hat ihren Ursprung in der Ausstellung „Integration und Ausgrenzung. 700 Jahre jüdisches Leben in Bad Kreuznach“ aus dem Jahr 2002.

„Das Gedenken braucht ein Mahnmal, damit die Erinnerung greifbar wird“, sagte Valeryan Ryvlin, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Bad Kreuznach. Es sei Aufgabe aller, die Geschichte zu erzählen, damit sich dieser Schrecken nie wiederhole, forderte Ryvlin die Anwesenden auf. Er erinnerte daran, dass es die Geschichte von Menschen ist, die grundlos zu Opfern wurden. Zudem mahnte der Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde, wachsam zu sein, da der Antisemitismus immer noch vorhanden sei. Ein Gebet für die Opfer sprach abschließend Kantor Noam Ostrovsky. Umrahmt wurde die Einweihungsfeier vom Chor der jüdischen Gemeinde Bad Kreuznach und der Gesanggruppe Dreydele.

Von unserem Reporter Josef Nürnberg
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