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Bad Kreuznach

Auf einen Kaffee mit Prinz Frédéric: Nahe-Promi kehrt für einen Tag an alte Wirkungsstätte zurück

Christoph Erbelding

Der Prinz trägt einen Trainingsanzug des FC Bayern. Sein Markenzeichen. Und ansonsten Gucci. Nur Gucci. Am ganzen Körper. In einem Audi A 5 ist er in die Rüdesheimer Straße in Bad Kreuznach eingebogen. Das Fahrzeug hat er sich am Morgen geliehen. In München. „Sie wollten mir auch einen Fahrer stellen“, sagt Hans-Robert Lichtenberg. „Aber das habe ich abgelehnt. Ich will mich doch frei bewegen können.“ Er ist selbst gefahren.

Gefragter Promi: Dieses Plakat druckte dieser Tage die Münchner TZ ab. Sie war mit Prinz Frédéric über die Wiesn geschlendert. Fotos: Christoph Erbelding
Gefragter Promi: Dieses Plakat druckte dieser Tage die Münchner TZ ab. Sie war mit Prinz Frédéric über die Wiesn geschlendert. Fotos: Christoph Erbelding
Foto: Christoph Erbeld

Hans-Robert Lichtenberg ist der bürgerliche Name dieses Adeligen. Doch die Öffentlichkeit kennt ihn nur als Frédéric Prinz von Anhalt. Der Mann von Hollywoodstar Zsa Zsa Gabor. Der ehemalige Inhaber mehrerer Sauna-Betriebe. Der Millionär, der mit US-Präsident Ronald Reagan dinierte. Der seinen Adelstitel als Adoptivsohn von Marie Auguste Prinzessin von Anhalt erhalten hat. Und der weiß, wo seine Wurzeln liegen.

Nun ist er für wenige Stunden dorthin zurückgekehrt, wo für ihn beruflich alles begann. Vor 60 Jahren. Als Lehrling in der Bäckerei Schneider in der Rüdesheimer Straße 45. Der Prinz will die Räumlichkeiten sehen. Dieter Schneider, der später Bäckermeister wurde, damals mit Hans-Robert Lichtenberg die Lehre machte und noch heute im Haus in der Rüdesheimer Straße wohnt, zeigt sie ihm. Er betritt einen Raum, der mit einer Bäckerei ungefähr noch so viel zu tun hat wie Brötchen im Automaten eines Discounters mit frisch zubereiteten Teigwaren. Die letzte Filiale der Bäckerei Schneider, geführt in drei Generationen, hat vor 15 Jahren geschlossen. Doch der Raum, in dem sich früher die Backstube befand, ist geblieben. Frédéric Prinz von Anhalt weiß noch genau, wo alles stand. „Hier der Ofen, dort der Tisch“, sagt der 75-Jährige. Er strahlt. Die Augen funkeln. Es ist ihm anzumerken, wie wichtig ihm dieser Besuch in der Heimat ist. Mitten in einem regelrechten Terminmarathon, den er aktuell absolviert. Gestern noch München, davor Berlin. Nächste Woche dann Köln und Wien. Dazwischen vielleicht noch mal Berlin. Und mittendrin Bad Kreuznach.

„Mit 15 bin ich zu Hause aus Wallhausen raus“, sagt der Prinz. „Wir waren vier Kinder. Es war die Nachkriegszeit. Da hat mein Vater entschieden: Einer muss Metzger werden, der andere Bäcker. Falls es wieder losgeht, ist die Verpflegung gesichert.“ Er tat wie ihm geheißen. Und hatte mitunter Spaß an der Tätigkeit, die nach der Ausbildung noch zwei Jahre sein Beruf blieb. Als Geselle.

Lockerer Plausch: Mit seinen Anekdoten unterhielt Frédéric Prinz von Anhalt (Mitte) seine Bad Kreuznacher Freunde Isolde (links) und Dieter Schneider.
Lockerer Plausch: Mit seinen Anekdoten unterhielt Frédéric Prinz von Anhalt (Mitte) seine Bad Kreuznacher Freunde Isolde (links) und Dieter Schneider.
Foto: Christoph Erbeld

„Ich durfte die Brötchen ins Kurhaus fahren“, erinnert er sich: „Da habe ich die Leute mit Krawatte gesehen, und manchmal sogar im Smoking. Ich war mir sicher, dass ich so etwas nie anhaben werde.“ Heute checkt er im Kurhaus ein, wenn er nach Bad Kreuznach kommt. Danach fährt er raus ins Salinental. Denn auch daran hat er beste Erinnerungen. „Das war immer das Schönste, wenn ich eine Lieferung dorthin gebracht habe. Ich habe mein Fahrrad dann weiter vorne abgestellt und bin noch ein bisschen spazieren gegangen und habe die Umgebung genossen.“

Und dennoch: Eine Berufung war der Beruf des Bäckers für ihn nicht. „Immer um 3 Uhr aufstehen. Dafür muss man geboren sein.“ Er blickt rüber zu Dieter Schneider, dann zu dessen Frau Isolde, die Kaffee gekocht hat. Auch Berliner bietet sie an. Doch Frédéric lehnt ab: „Ich zähle Kalorien.“ Der Kontakt zur Bäckersfamilie ist nie abgerissen. „Wir telefonieren regelmäßig“, sagt Isolde Schneider. Nun sitzen alle drei als Freunde am Tisch. Dass der Lehrling von damals irgendwann einen anderen Weg einschlug, hat daran nichts geändert. „Ich wollte in die Städte, ich musste die Welt sehen“, sagt der Prinz zu seinem Werdegang. „Das hast du gut hinbekommen“, entgegnet Isolde Schneider.

Dann spricht Frédéric von Anhalt über seine berühmte Frau. „Zsa Zsa hat mir die Türen geöffnet. Jetzt kann ich durchgehen“, sagt er. Über Jahre pflegte er die schwer kranke frühere Hollywood-Diva, die 2017 im Alter von 99 Jahren starb. Medienberichten zufolge erbte er danach circa 20 Millionen Euro. Er blieb auch nach Zsa Zsa Gabors Tod in den USA. Nach Los Angeles war er 1984 gezogen. Nun sagt er: „Ich will zurück nach Deutschland. In meinem Alter geht es mir hier besser.“ Spätestens nach den Oscars im kommenden Jahr soll der Umzug erfolgen. Nicht nach Bad Kreuznach. Nicht in seine Heimatgemeinde Wallhausen. Sondern wahrscheinlich nach München. Wo er sich dort ein Auto für einen Ausflug in die Rüdesheimer Straße mieten kann, weiß er aber jetzt ja.

Von unserem Redakteur Christoph Erbelding
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