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    Bad Kreuznach

    Anfangs hat das Geld kaum gereicht: Interview mit Gernot Meyer-Grönhof zu den ganz normalen Alltagsproblemen im Kunstbetrieb

    Viele Künstler öffnen an den nächsten zwei kommenden Wochenenden wieder ihr Ateliers, zeigen ihre Werke und kommen mit Leuten ins Gespräch, die sonst vielleicht nicht den Weg dorthin gefunden hätten. Wir waren schon vorher neugierig und wollten wissen: Wie lebt man heute als Künstler? Kann man überhaupt davon leben?

    Gernot Meyer-Grönhoff hat sein Studium der Bildenden Kunst sehr geholfen. Obwohl längst etabliert weiß er doch noch gut um die Schwierigkeiten, wenn ein Künstler von seiner Arbeit leben will.  Foto: Josef Nürnberg
    Gernot Meyer-Grönhoff hat sein Studium der Bildenden Kunst sehr geholfen. Obwohl längst etabliert weiß er doch noch gut um die Schwierigkeiten, wenn ein Künstler von seiner Arbeit leben will.
    Foto: Josef Nürnberg

    Gernot Meyer-Grönhof, lange Jahre erster Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Rheinland-Pfalz, hat 1992 gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Otto Lohrengel das Konzept für die „Offenen Ateliers“ entwickelt. „Damals war es dringend nötig, den Kollegen eine Marktöffnung auf diesem Wege anzubieten. Heute sind die Offenen Ateliers ein fester Bestandteil der rheinland-pfälzischen Kulturpolitik und bei rund 220 Teilnehmern auch immer noch von Interesse für Künstler und Besucher“, sagt er im Interview mit dem „Oeffentlichen“.

    Können Künstler heute noch von ihrem Kunstschaffen leben?

    Das Berufsfeld „Bildender Künstler“ bietet Beispiele für beruflichen Erfolg genau so wie für grandioses Scheitern. Problematisch für Künstler in Rheinland-Pfalz ist die schwache Vermarktungsinfrastruktur. Es gibt kaum Galerien und übers Land hinweg wenig Kaufkraft und wenige Sammler. Auch wegen der hohen Galerienprovisionen, die bei 50 Prozent liegen, habe ich mich von Anfang an entschieden, die Vermarktung meiner Kunst selbst in die Hand zu nehmen.

    Was müssen Menschen mitbringen, um ausschließlich von den Einnahmen aus Kunstverkäufen leben zu können?

    Flexibilität und gute Kommunikation mit den interessierten Menschen, eine gute Nase und wie immer auch eine Prise Glück

    Wird Kunst weiterhin nachgefragt, und wer entscheidet, was Kunst letztlich ist?

    Die Achse Künstler – Werk – Käufer ist zentral und beruht auf Vertrauen. Es geht dabei Freude und Begeisterungsfähigkeit der Kunden, die letztendlich selbst entscheiden was für sie Kunst ist und was nicht. Künstler und Kunde sind frei indem was sie tun und das ist sehr gut so.

    Denn hiervon hängt es doch sicher ab, ob Künstler ihre Werke zu angemessenen Preisen veräußern können?

    Hier sind Realismus und Geduld gefragt. Jeder muss seinen Weg finden. Ohne „Namen“ gibt es auch keine guten Preise.

    Reicht es da, Autodidakt zu sein, oder ist ein Studium der Bildenden Kunst, wie sie eins haben, ein Muss?

    Mir hat mein Studium sehr geholfen. Ich habe die wesentlichen künstlerischen Techniken kennen und anzuwenden gelernt. Was für mich entscheidend war ist, dass ich mein bildhauerisches Talent erst im Studium entdeckt habe. Mein Einkommen in der Kunst kam dann überwiegend aus der Stahlplastik.

    Wie viel Theorie und wie viel Praxis bietet dieser Studiengang?

    Der Studiengang ist überwiegend praktisch ausgerichtet.

    Können Studenten mit dem Abschluss Bildende Kunst als Lehrer an Schulen arbeiten?

    Da gibt es in den letzten Jahren ständigen Bedarf an den Schulen. Quereinsteiger sind gefragt, es werden schon seit langem zu wenige Kunstlehrer examiniert. Vielleicht ist das ein Sparmodell!

    Das Bild des armen Künstlers hat in der Vorstellung der Gesellschaft etwas Rührendes. Gibt es Künstler die in dieses Bild passen?

    Wer im künstlerischen Umfeld keinen Erfolg hat, muss sich eine andere Aufgabe suchen. Das ist bittere Notwendigkeit. Oft gelingt das sehr gut, das sind ja in der Regel auch schlaue und engagierte Menschen.

    Wie schlimm ist es eigentlich für das Selbstverständnis der Künstler, wenn ihnen Auftragsarbeiten angedient werden?

    Für mich war das nie ein Problem, lieber mit einer künstlerischen Arbeit sein Brot verdienen, als mit etwas völlig anderem.

    Glauben Sie, dass bei Aufträgen der öffentlichen Hand im Rahmen „Kunst am Bau“ auch weniger bekannte Künstler zum Zuge kommen?

    90 Prozent der Kunst am Bau Aufträge werden über Wettbewerbe vergeben. Die Bewerberverfahren hierfür sind offen. Dann jedoch entscheidet eine Jury nicht nach alt oder jung, sondern gemeinsam mit dem Auslober, welches Werk die Anforderungen des Wettbewerbs am besten erfüllt.

    Herr Meyer-Grönhof, Sie sind als Künstler anerkannt. Würden Sie auch als Künstler arbeiten, wenn ihre Einnahmen gerade mal ausreichten, um mehr oder weniger durchs Leben zu kommen?

    Das war am Anfang so, da hat es kaum gereicht. Zum Glück hatte ich viel Zuspruch, gerade in Bad Kreuznach, und konnte dann auch landesweit viele Wettbewerbe gewinnen. Nach und nach wurde es dann besser. Trotzdem bleibt es spannend. Zwei meiner Söhne studieren, da müssen wir uns alle anstrengen, um das zu schaffen.

    Die Fragen stellte Josef Nürnberg

    Am Wochenende sind diese Ateliers geöffnet

    An diesem Wochenende, 16. und 17. September, sowie am 23. und 24. September öffnen Kunstschaffende bei der landesweiten Aktion „Offene Ateliers“ ihre Türen.

    Von 14 bis 19 Uhr kann man sieben Künstlern aus Bad Kreuznach und Bärweiler  über die Schultern schauen. 

    • Boris Reiner Hammerschmidt, Rheingrafenstraße 904, Malerei und Grafik. Er hat am ersten Aktionswochenende geöffnet
    • Gernot Meyer-Grönhof Malerei, Rheingrafenstraße 904 Rheingrafenstraße 904: Grafik, Plastiken und Objekt, ebenfalls am ersten Aktionswochenende
    • Frank Leske, Hüffelsheimer Straße 5, Plastiken und Objekte, erstes Aktionswochenende
    • Ursula Reindell, Salinenstraße 76, Malerei, Grafik, Plastiken und Objekte, erstes Aktionswochenende
    • Rainer Storck, Manteuffelstraße 1, Malerei und Grafik, geöffnet am zweiten Aktionswochenende
    • Rinaldo Greco aus Bärweiler (Hauptstraße 1, geöffnet an beiden Wochenenden)

    Bad Kreuznach
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