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Bad Kreuznach

AfD nutzt Kreuznacher CDU-Mann für Werbezwecke – gegen dessen Willen

Wer sich in jüngster Zeit den Facebook-Auftritt der rheinland-pfälzischen AfD angesehen hat, dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben. Denn dort findet sich unter anderem ein Porträt von Werner Klopfer – seines Zeichens Fraktionschef der Bad Kreuznacher CDU im Stadtrat. Hat der CDU-Mann, der zuletzt mit einer Forderung nach einem Zuzugsstopp für Asylbewerber und Flüchtlinge nach Bad Kreuznach für Schlagzeilen gesorgt hatte, die Fronten gewechselt? Mitnichten.

Sieht aus wie ein Wahlplakat – wer nicht den Text dazu liest, könnte auf den Gedanken kommen, Werner Klopfer kandidiere nun für die AfD. Was definitiv falsch ist. Foto: AfD Rheinland-Pfalz Facebook-Seite
Sieht aus wie ein Wahlplakat – wer nicht den Text dazu liest, könnte auf den Gedanken kommen, Werner Klopfer kandidiere nun für die AfD. Was definitiv falsch ist.
Foto: AfD Rheinland-Pfalz Facebook-Seite

Klopfers Konterfei wird vom für die AfD typischen Blau umrahmt, daneben befinden sich das Logo der Partei und ein vermeintliches Klopfer-Zitat: „Keine Flüchtlinge mehr nach Kreuznach!“ Dazu gibt es das Schlagwort „Asyl“ und ein selbst gebasteltes Logo zur Kommunalwahl. Zwar führt die Grafik, die bereits im August hochgeladen wurde, Klopfer als CDU-Politiker auf. Wer sie aber erblickt, kommt unweigerlich auf die Idee, der CDU-Mann laufe für die AfD auf.

Diesem Eindruck sind bereits einige Menschen erlegen, wie sich aus den Kommentaren auf der Seite ablesen lässt. Kein Wunder, erinnert das Bild doch stark an ein Wahlplakat – und ist zuerst ohne erklärenden Text zu sehen. Dieser nimmt dann die CDU aufs Korn. Es geht im typischen AfD-Sprech um eine vermeintliche „Massenzuwanderung“. Die CDU in Rheinland-Pfalz mache da brav mit, heißt es. Nur in Bad Kreuznach lehne sich ein Mitglied der Christsozialen auf.

So zumindest wertet die AfD Klopfers Vorstoß. Dieser hatte Parallelen zwischen Bad Kreuznach und Pirmasens, wo es einen Zuzugsstopp gibt, gezogen, eine hohe Ausländerquote in der Stadt bemängelt und eine negative Veränderung des Stadtbildes konstatiert. Als Motivation gab er seinerzeit an, er wolle solche Themen eben nicht nur der AfD überlassen. Für sein Vorgehen erntete Klopfer viel Kritik. Unter anderem von der AfD, die das Vorgehen damals als „scheinheilig“ verurteilte.

Klopfer hat von seinem unfreiwilligen Auftritt im Internet erst gestern erfahren – und zeigt sich überrascht und betroffen. „Das ist natürlich ohne meine Zustimmung erfolgt“, betont er auf Anfrage unserer Zeitung. „Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ich mit denen nichts zu tun haben möchte.“ Was dort passiert, sei eine üble Geschichte, zumal der Auftritt der AfD anonym sei. Es enttäuscht ihn, so etwas sehen zu müssen. „Ich habe aber viel Arbeit um die Ohren und muss versuchen, cool und sachlich zu bleiben.“ Er habe ein reines Gewissen, bekräftigt er im Hinblick auf sein Schreiben. „Es hatte nicht diesen ausländerfeindlichen Touch, sondern ich habe mich auf die Überforderung unserer Stadt bezogen. “ Marian Ristow

Marian Ristow kommentiert: Täter und Opfer nicht verwechseln

Jetzt hat Werner Klopfer den Salat. Unfreiwillig ist er zum Gesicht eines digitalen AfD-Flyers geworden, wie sie im Internet zuhauf kursieren. Die einen werden schadenfroh lachen, die anderen sich eher wundern ob solcher Gepflogenheiten auf Facebook und Co.

Marian Ristow
Marian Ristow
Dass die AfD mit seinem Konterfei und seiner umstrittenen Aussage wirbt, im Begleittext die Christdemokraten und Kanzlerin Merkel verspottet, dazu ein Bild verwendet, dessen Urheberrecht sie nicht besitzt, dürfte Klopfer und der CDU gar nicht gefallen.

Zwar kann man ihm zweifelsohne vorwerfen, sich mit seiner Forderung nach einem Zuzugsstopp für Flüchtlinge unnötig nah an die AfD angeschmiegt zu haben. Deshalb muss er sich nicht wirklich wundern. Er hat sich der aus CDU-Sicht ungeliebten Konkurrenz von rechts außen als anerkannte und akzeptierte Galionsfigur quasi zur Verfügung gestellt – doch sollte man nicht Täter und Opfer verwechseln.

Klopfers Äußerungen waren provokativ und kontrovers, aber zumindest juristisch nicht angreifbar. Dass die AfD ihn ungefragt vor ihren Karren spannt, geht gar nicht. Und ist außerdem verboten. Damit wird sich wohl demnächst ein Gericht beschäftigen müssen.

E-Mail: marian.ristow@rhein-zeitung.net

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