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Bad Kreuznach

10 echte Sorgenkinder: Kreuznacher Brücken bröseln

Die Bad Kreuznacher Brücken bröckeln und bröseln an allen Ecken und Enden: Viele der insgesamt 76 Bauwerke im Stadtgebiet in Trägerschaft der Stadt sind im kritischen Alter und in keinem guten Zustand. Allein zehn weisen gravierende Schäden auf. Deshalb wurden und werden sie jetzt genauer unter die Lupe genommen.

Schon in der Dezembersitzung des städtischen Ausschusses für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr informierte Klaus Gnam von der Abteilung Tiefbau und Grünflächen die Mitglieder kurz über den Zustand der Brücken sowie den aktuellen Stand der Brückenprüfungen. Jetzt ist man einen Schritt weiter, der Sanierungsbedarf beziehungsweise Neubaubedarf wurde ermittelt.

Seit August prüft Gnam im Auftrag der Stadt die Brücken, testet die Bauwerke auf Herz und Nieren. So werden Stahlseile auf mögliche Risse und Korrosionsschäden sowie Betonteile oder Geländer untersucht. Die halbe Stelle wurde eigens dafür geschaffen. Darüber hinaus arbeitet Gnam noch als selbstständiger Bauwerksprüfer.

Zum Hintergrund: Schon im Sommer 2016 stellt sich heraus, dass viele Brücken in schlechtem Zustand sind. Das ist auch durch die Bauweise bedingt. Allein durch die Chloride in den Stahlkonstruktionen wird die Lebensdauer verkürzt. Neun Brücken hielten damals einem Stresstest nicht stand. Es wurde klar, dass die Stadt in den kommenden Jahren einige Mittel in die Hand nehmen muss, um dem fortschreitenden Verfall der Infrastruktur entgegenzuwirken. Die Verwaltung erstellte ein Erhaltungsmanagement für die Brücken, für deren Unterhaltung die Stadt zuständig ist, um sich einen Überblick zu verschaffen. Schon damals befürchtete Corinna Peerdeman, Leiterin der Abteilung Tiefbau, dass ein großer Nachholbedarf besteht und „einiges auf uns zukommt“.

Das hat sich bestätigt. Im Dezember 2017 betonte Bauamtsleiter Klaus Christ: „Wir müssen etwas tun.“ Auch er ist sich sicher: „Da kommt ein Riesenpaket auf uns zu.“ In seiner aktuellen Bestandsanalyse hat Gnam für die drei Jahre 2018 bis 2020 insgesamt 190.000 Euro allein an Prüfkosten veranschlagt, davon mit 60.000 Euro etwa ein Drittel für dieses Jahr. Der Sanierungsbedarf beträgt 1,6 Millionen Euro, die ermittelten Kosten für Neubauten liegen bei 10 Millionen Euro. Dazu wird eine Bedarfsanalyse für die nächsten 15 Jahre bis 2032 aufgestellt. Gnam gibt in der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr am 15. März einen Überblick über den Stand bei der Prüfung der Brückenbauwerke und deren Zustand.

Derzeit ist da nur etwa die Hälfte der Brücken im grünen Bereich. Zum Glück sind es nicht die großen, von viel Verkehr belasteten Brücken, sondern oft vor allem kleinere Brücken, die Sorgen bereiten. Ein paar Beispiele: So musste bei der Zehntbrücke, die im Stadtteil Planig über den Appelbach führt, schon vor Jahren die Belastbarkeit von 15 auf 1,5 Tonnen reduziert werden, weil ihre Tragfähigkeit eingeschränkt ist. Andere Sorgenkinder sind die wenig bekannten Gutleuthofbrücke und Hermannsbrücke über den Gräfenbach. Letztere ist vor allem deshalb bedeutsam, weil sie Teil der wichtigen Radwegeverbindung aus dem westlichen Umland (Hargesheim, Rüdesheim ...) in die Kreuznacher Innenstadt ist. Die Alternative dazu wäre die Rüdesheimer Straße.

Aber auch die 1954 erbaute Quellenhofbrücke, die in Höhe des Oranienparks von der Kaiser-Wilhelm-Straße auf die andere Naheseite zum Nachtigallenweg führt, ist ein Problemfall. Wie es mit der in die Jahre gekommenen Hängebrücke allein schon wegen ihrer Konstruktion weiter geht, ist völlig offen. Auch über einen möglichen Neubau muss man nachdenken. Dasselbe gilt für den viel benutzen, 1905 erbauten Löwensteg über die Bahngleise – eine wichtige Verbindung für Fußgänger und Radfahrer von der oberen Mannheimer Straße in die mittlere Mannheimer Straße und damit vom Süden in die Innenstadt. Hier steht in diesem Jahr eine Sonderprüfung an. Je nachdem, wie das Ergebnis ausfällt, ist es auch möglich, dass der Löwensteg gesperrt werden muss. Immerhin: Mit der Ochsenbrücke ist eine Alternative in unmittelbarer Nähe.

Andere Beispiele: Die Fußgänger- und Radfahrerbrücke im Salinental ins Freibad musste aus Sicherheitsgründen im November 2017 für mehrere Wochen gesperrt werden, weil das Geländer marode und zu stark verrostet war. Der städtische Bauhof sorgte für Abhilfe, das Geländer wurde saniert. Im November kontrollierte Gnam die Brücke Kaiserau, die Friedrichbrücke am Mühlenteich, die Geesebrick, die Quellenhofbrücke und die Jahrmarktsbrücke. Die 40 Meter hohe Pouilly-Brücke über die Nahe im Stadtteil Bad Münster-Ebernburg „bekletterten“ drei Männer einer Fachfirma aus Mannheim im Oktober im Auftrag des Bauamtes und untersuchten das Brückenbauwerk auf mögliche Schäden. Insgesamt hat Gnam in einem halben Jahr rund ein Dutzend Brücken überprüft und bewertet.

Von unserem Redakteur Harald Gebhardt

Viele Stadtbrücken sind Sanierungsfälle

Bad Kreuznach. Insgesamt 76 Brücken in Trägerschaft der Stadt gibt es in Kreuznach. Nahezu die Hälfte davon ist allerdings in keinem guten Zustand. Auch in diesem Bereich wird die Stadt in den nächsten Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag für die Sanierung oder Neubauten in die Hand nehmen müssen. Das Thema wird erneut den Ausschuss für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr in seiner Sitzung am Donnerstag, 15. März, 17. 30 Uhr, im Else-Liebler-Haus beschäftigen.

Älter als 100 Jahre, und steht doch wie eine Eins: die Zwingelbrücke über den Ellerbach am Eingang zum Schlosspark. Hier sind nur optische Schäden festzustellen. An der Konstruktion selbst gibt es nichts zu mäkeln.
Älter als 100 Jahre, und steht doch wie eine Eins: die Zwingelbrücke über den Ellerbach am Eingang zum Schlosspark. Hier sind nur optische Schäden festzustellen. An der Konstruktion selbst gibt es nichts zu mäkeln.
Foto: Stadtverwaltung

Im Vorfeld informierten Oberbürgermeisterin Heike Kaster-Meurer, Stadtbauamtsleiter Klaus Christ, Corinna Peerdeman, Leiterin der Abteilung Tiefbau, und Ingenieur Klaus Gnam über den aktuellen Stand der Prüfungen und den Zustand der Brückenbauwerke. Der ist nicht erfreulich: Jahrelang hat man die Überprüfung schleifen lassen oder zumindest nicht konsequent genug verfolgt. Das rächt sich. „Das fällt uns jetzt auf die Füße“, räumt die OB ein.

Der Alarm schrillte erstmals laut vernehmbar im Sommer 2016. Damals stellte sich heraus, dass viele Brücken in schlechtem Zustand sind – allein schon durch ihre Bauweise bedingt: So verkürzen Chloride in den Stahlkonstruktionen ihre Lebensdauer erheblich.

Die Verwaltung reagierte: Seit August 2017 hat Gnam ein Auge auf die Brücken. An Kosten allein für die Brückenprüfungen hat er für 2018 bis 2020 einen Bedarf von 190.000 Euro ermittelt. Den Sanierungsbedarf beziffert der Experte auf 1,6 Millionen Euro, den für Neubauten in der nächsten 10 bis 20 Jahren schätzt er auf 10 Millionen Euro. Rechnet man eine neue Ost-West-Verbindung dazu, wären es, basierend auf der alten Planung des Büros Boxleitner, die zurzeit überarbeitet wird, 75 Millionen Euro.

Auch die erst 49 Jahre alte Landfuhrbrücke ist in keinem guten Zustand. Sie weist schon gravierende Schäden auf.  Fotos: Stadtbauamt
Auch die erst 49 Jahre alte Landfuhrbrücke ist in keinem guten Zustand. Sie weist schon gravierende Schäden auf. Fotos: Stadtbauamt
Foto: Stadtverwaltung

„Bei Brücken kommt es auf die Bauweise an“, betont Gnam. Besonders anfällig für Schäden sind Spannbetonbrücken, wie sie in den 50er-Jahren gebaut wurden. Und aus der Zeit von 1954 bis 1979 stammt das Gros der Kreuznacher Brücken (45 Prozent). 10 Prozent wurden 1996 bis 2012 gebaut (vor allem die Nord-Süd-Verbindung), 5 Prozent 1980 bis 1987 (hauptsächlich Bad Münster-Ebernburg), der Rest vor 1945 beziehungsweise 1900. Die Regelstandzeit liegt laut Gnam bei 70 Jahren.

Turnusgemäß werden die Brücken dreimal jährlich in Augenschein genommen, alle sechs Jahre gibt es eine Hauptprüfung. Wegen seines schlechten Zustands wurde dieser Turnus beim Löwensteg in der Mannheimer Straße, der wichtigen innerstädtischen Fuß- und Radverbindung über die Bahngleise auf jährlich verkürzt. Der stark frequentierte Übergang ist eines der großen Sorgenkindern. Die Brücke weist gravierende Schäden auf und „brennt mir unter den Nägeln“, wie Gnam bekennt. Zwei weitere Pro-blemfälle sind die Hängebrücke zum Quellenhof und nach wie vor die Fußgängerbrücke im Salinental zum Schwimmbad. Bei allen drei Bauwerken muss man wohl auch über einen Neubau nachdenken.

Von unserem Redakteur Harald Gebhardt

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