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Sankt Katharinen

SERIE Nachwuchs im Wingert: Weine reifen in fast 100 kleinen Eichenfässchen

Die stattliche Anzahl der sandfarbenen Fässer aus amerikanischer Eiche fällt dem Besucher des Weinguts Schild in Sankt Katharinen gleich ins Auge. Johannes Schild (35), Winzer und Diplom-Oenologe, hat während seiner Ausbildung die vielfältigen Möglichkeiten des Barriqueausbaus kennen und schätzen gelernt.

Winzer Johannes Schild nutzt die breite Palette der Ausbaumöglichkeiten im Barrique für Rot- und Weißweinsorten bis hin zum Sekt.  Foto: Christine Jäckel
Winzer Johannes Schild nutzt die breite Palette der Ausbaumöglichkeiten im Barrique für Rot- und Weißweinsorten bis hin zum Sekt.
Foto: Christine Jäckel

Die feinen Aromanuancen, die ein versierter Weinmacher damit seinen Erzeugnissen verleihen kann, finden bei den Kunden des Familienbetriebs guten Anklang. Fast 100 Fässchen hat Johannes Schild für den Ausbau zur Verfügung. Im Schnitt können sie für sechs bis sieben Jahrgänge genutzt werden. Insbesondere für kräftige Rotweine der Rebsorten Spätburgunder, Cabernet Dorsa oder Cabernet Cantor, die bei Schilds komplett im kleinen Holzfass ausgebaut werden.

Bei Cabernet Cantor klingt bereits eine zweite Besonderheit des Weinguts Schild an, denn die 1989 am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg gezüchtete Rotweinsorte zählt zu den PIWI-Rebsorten. PIWI steht für Pilzwiderstandsfähigkeit, und die Rebe Cabernet Cantor wird durchweg gut bewertet in ihrer Festigkeit gegen den Echten und den Falschen Mehltau. „Die pilzresistenten Reben sind, was den Aufwand für den Pflanzenschutz angeht, viel unkomplizierter und sichern den Ertrag“, betont Johannes Schild mit Hinweis auf die hohen Ausfälle etwa im klimatisch extrem heiklen Jahr 2016 durch Pilzkrankheiten wie Peronospora, von denen viele Weinerzeuger betroffen waren.

Vier Generationen packen mit an

Cabernet Cantor ist bekannt für seine würzigen, kraftvollen Noten. Im Barriqueausbau entfalten sich auch die Abstammungskomponenten etwa vom Muscat Ottonel sehr gut. Erfrischend klar und präzise ist die Kernaussage des jungen Winzers zur Weinstilistik des Unternehmens: „Wir machen die Weine so, dass sie uns schmecken.“

Dieses Ziel lässt sich mitunter nicht in einem Schritt erreicht, verhehlt Johannes Schild Herausforderungen der bei Showmastern wie Börsenmaklern sehr beliebten Profession des Weinanbaus nicht. Im Weingut arbeiten derzeit vier Generationen zusammen. Vater Thomas in Vollzeit, Mutter Maria neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit, Großvater Kurt, der es sich auch mit 89 Jahren nicht nehmen lässt, im Weinberg zu arbeiten, und Großmutter Maria (84), die jeden Tag für die ganze Mannschaft kocht.

Kurt Schild hat in den 1960er-Jahren den landwirtschaftlichen Betrieb zu einem reinen Weinbaubetrieb mit Selbstvermarktung umgebaut. 13 Hektar Rebfläche bewirtschaftet die Familie jetzt. Da fällt reichlich Arbeit für alle an. Thomas Schild hat nach Johannes' Entscheidung, die Nachfolge anzutreten, den Betrieb vergrößert. Vorher schaute sich der 35-Jährige, der inzwischen selbst Familienvater ist, auf Anregung seines Vaters auch in anderen Berufen um.
„In der Winzerlehre hat es angefangen, so richtig Spaß zu machen“, blickt Johannes Schild zurück. Während seines Studiums in Geisenheim hatte er Gelegenheit, durch das berufspraktische Semester Auslandserfahrung in Südafrika zu sammeln.

Die Veränderungen durch die Klimaerwärmung haben unter anderem die Entscheidungen bei der Sortenauswahl beeinflusst. Etwa für den Sauvignon blanc oder eben für die pilzresistenten Sorten. „Der Sauvignon blanc passt klimatisch gut, erfordert aber viel Arbeitsaufwand bei der Laubarbeit“, fasst Schild zusammen. Die Entblätterung ist zudem neben dem Anbau der PIWI-Reben und mechanischer Unkrautentfernung ein weiterer Baustein, der zu Einsparung und Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln beiträgt.

Kunden sind offen für neue Sorten

Das Spiel mit den Barriquenoten nutzt Johannes Schild, der Mitglied der Jungwinzergruppe Nahe Sieben ist, auch bei einigen Weißweinsorten. Beim Ausbau von Weiß- und Grauburgunder werden Teilmengen im Holzfass gelagert. Im Sortiment gibt es außerdem einen Sekt, der im ersten Schritt ein Jahr lang im Eichenfass reift. Seine Kunden sind immer neugierig und offen für neue Sorten, so die Erfahrung von Schild. Nach Rotweinboom und Rieslinghype stehen bei den Weinfans und vor allem bei der jungen Generation derzeit die trockenen Weißweine im Blickpunkt sowie Weine mit viel Duft und Aroma.

Von unserer Reporterin Christine Jäckel

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