40.000
Aus unserem Archiv
Lahnstein

Würdigung für Heinrich Kanz: Mutige Briefe, die noch heute Mahnung sind

Der Partnerschaftskreis Lahstein-Vence lud ein zu einer Lesung aus Werken von Prof. Dr. Heinrich Kanz, der sich mit der Widerstandsgeruppe "Die Weiße Rose" beschäftigt hat.

Prof. Dr. Heinrich Kanz (2. von rechts) freute sich gemeinsam mit seiner Frau Jurita (rechts) über die Lesung, die seine Tochter Regine Schauren und Hildegard Dexelmann (Mitte) gestaltet hatten. Oberbürgermeister Peter Labonte und Wolfgang Blüm, Präsident der Partnerschaft (von links) würdigten das Werk des Lahnsteiners ebenso wie Günter Groß, Direktor der Volksban Rhein-Lahn-Limburg, der die Gäste in deren Räumen begrüßte. Foto: Karin Kring
Prof. Dr. Heinrich Kanz (2. von rechts) freute sich gemeinsam mit seiner Frau Jurita (rechts) über die Lesung, die seine Tochter Regine Schauren und Hildegard Dexelmann (Mitte) gestaltet hatten. Oberbürgermeister Peter Labonte und Wolfgang Blüm, Präsident der Partnerschaft (von links) würdigten das Werk des Lahnsteiners ebenso wie Günter Groß, Direktor der Volksban Rhein-Lahn-Limburg, der die Gäste in deren Räumen begrüßte.
Foto: Karin Kring

Von unserer Rdakteurin Karin Kring

Zum Kreis der „Weißen Rose“, jener Gruppe junger Studenten, die während des Nationalsozialismus so mutig Widerstand leistete, hat die Familie Kanz eine besondere Verbindung.

Josef Gieles, der der Gruppe sehr nahe stand und unter anderem mit Sophie Scholl im selben Haus in München lebte, war der Schwager von Prof. Dr. Heinrich Kanz und der Onkel von Regine Schauren, Kanz' Tochter. „Schade, ich hätte ihn sehr gern kennengelernt“, sagt sie.

Der junge Gieles starb mit nur 26 Jahren Jahren an der Front. So blieb ihr nur aus seinen Briefen zu lesen, die Heinrich Kanz, ebenso wie Briefe von Sophie Scholl, gesammelt und 2013 beziehungsweise 2011 als Buch herausgegeben hat.

Es war eine Lesung an einem Abend im November, jenem dunklen Monat des Erinnerns und Gedenkens. Auch an die dunkle Zeit des Nationalsozialismus, die Geschichte, die Mahnung und Lehre sein muss. „Es ist wichtig, dass wir achtsam sind, denn Antisemitismus und Fremdenhass sind heute wieder aktuell“, sagte auch Oberbürgermeister Peter Labonte in seiner Laudatio. Eingeladen zu diesem Abend hatte der Partnerschaftskreis Lahnstein-Vence-Ouahiguya, dem Heinrich Kanz angehört. Und ein besonderes Anliegen war es dessen Präsident Wolfgang Blüm, nicht nur an jene mutigen Menschen der Weißen Rose zu erinnern, die im Partnerland Frankreich leider weitgehend unbekannt seien, sondern auch das Lebenswerk Heinrich Kanz' zu würdigen. Er lebt seit 1963 in Lahnstein, hat an der Fachhochschule Koblenz und später an der Universität Bonn Pädagogik gelehrt und mehr als 25 Publikationen geschrieben.

Als Kanz emeritierte, widmete er sich seiner großen Leidenschaft, dem Wandern, bereiste und beschritt Jakobswege in ganz Europa und entdeckte das Wandern als einen Weg der Begegnung und Versöhnung zwischen den Völkern. „Europäische Geschichte wird beim Wandern durch die europäischen Landschaften aufgearbeitet“, sagte er selbst einführend zur Lesung aus seinem Buch „Wandern heute“, erschienen 2013. Hildegard Dexelmann las aus der Sammlung Heiteres aber auch Lehrreiches vor.

Ganz anders das zweite Thema des Abends, die Briefe der Widerstandskämpfer, die betroffen stimmten angesichts des Weitblicks, mit dem Sophie und Hans Scholl und ihre Freunde nicht nur 1942 bereits erkannten, was auf die Welt zukommt, sondern dies auch mutig äußerten. „Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique ,regieren' zu lassen“ heißt es in deren erstem Flugblatt. In Briefen an ihre Familie und an ihren Freund, den Soldaten Fritz Hartnagel, aus denen Hildegard Dexelman las, erkennt Sophie Scholl, dass der Nationalsozialismus sämtlich Werte umkehrt und millionenfaches Unrecht geschieht. Wahrheiten, für die sie und ihre Freunde, die Gruppe „Weiße Rose“, 1943 vom Nazi-Regime hingerichtet wurden.

Auch Josef Gieles bezahlte seinen Mut mit dem Leben: Er war als Arzt an der Kriegsfront in Russland, wo er 1945 starb. In einem Brief an seine Familie, den Regine Schauren las, schrieb er, wie erschreckend es sei, die Ansichten seiner Arztkollegen über Leben und Tod zu hören – und meinte damit Menschenverachtung, Euthanasie und systematisches Morden. Er schrieb auch, Gott möge verhüten, dass Deutschland diesen Krieg gewinne. Briefe, die Einblick geben, in das studentische, christlich geprägte Leben in jener Zeit in München, aber auch in die Entwicklung, die zum Widerstand führte, und die für immer verloren gewesen wären, hätte nicht Regine Schaurens Mutter Agnes, Josef Gieles Schwester, sie im Garten vergraben und versteckt. Professor Kanz und seiner Familie ist es zu verdanken, dass diese Zeugnisse erhalten blieben und noch heute nach mehr als 70 Jahren Mahnung sind.

Bad Ems Lahnstein
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
Anzeige
Regionalwetter
Dienstag

7°C - 16°C
Mittwoch

5°C - 12°C
Donnerstag

4°C - 10°C
Freitag

3°C - 10°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
epaper-startseite