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Nastätten

Von Bürgern gewünscht: Ein Nastätten der Generationen

Cordula Sailer

Wie gut kann man in Nastätten wohnen? Und was kann man tun, um Wohnsituation, Versorgungslage und Wohnumfeld noch besser und attraktiver zu machen? Das waren nur einige der Fragen, mit denen sich etwa ein Dutzend Nastätter beim ersten Bürgerworkshop für den Stadtumbau beschäftigt haben. Die Kritikpunkte und Anregungen zur Lebensqualität in der Innenstadt überschneiden sich teils mit denen der Arbeitsgruppe Verkehr (wir berichteten). Doch die Workshop-Teilnehmer brachten auch andere Ideen zu Papier – wie den Wunsch nach mehr Begegnung zwischen den Generationen.

Nastätten bietet schöne Plätze zum Verweilen – das bestätigten auch Teilnehmer des ersten Bürgerworkshops für das Förderprogramm Stadtumbau. Der Vier-Jahreszeiten-Brunnen auf dem Synagogenplatz soll unter anderem Verständnis für jede der unterschiedlichen Lebensphasen von Jung bis Alt wecken. Der Winter wird hier als alter Mann mit Bart dargestellt. Auch er hat seinen Platz im Stadtkern, gemeinsam mit den anderen Jahreszeiten. Das wünschen sich auch die Workshop-Teilnehmer: Dass sich die Generationen in Nastättens Innenstadt begegnen.  Foto: Cordula Sailer
Nastätten bietet schöne Plätze zum Verweilen – das bestätigten auch Teilnehmer des ersten Bürgerworkshops für das Förderprogramm Stadtumbau. Der Vier-Jahreszeiten-Brunnen auf dem Synagogenplatz soll unter anderem Verständnis für jede der unterschiedlichen Lebensphasen von Jung bis Alt wecken. Der Winter wird hier als alter Mann mit Bart dargestellt. Auch er hat seinen Platz im Stadtkern, gemeinsam mit den anderen Jahreszeiten. Das wünschen sich auch die Workshop-Teilnehmer: Dass sich die Generationen in Nastättens Innenstadt begegnen.
Foto: Cordula Sailer

Bis 2026 ist die Blaufärberstadt in das Förderprogramm Stadtumbau aufgenommen. 8,5 Millionen Euro sollen für städtische und private Sanierungsmaßnahmen zur Verfügung stehen, um den Stadtkern weiterzuentwickeln. Wie dieser aus Bürgersicht künftig aussehen soll, werden die Ergebnisse der Workshops unter Moderation des beauftragten Planungsbüros WSW & Partner in den kommenden Wochen zeigen.

Zum Themenfeld „Wohnen, Wohnumfeld, Versorgung“ ermittelten die Workshop-Teilnehmer Stärken und Schwächen der Nastätter Innenstadt. „Der Verkehr hat auch Auswirkungen auf das Wohnumfeld“, erklärt Ingrid Schwarz von WSW & Partner, die den Workshop leitete. So wurden als Manko ein zu großes Verkehrsaufkommen und die Verkehrsführung im Stadtkern genannt. „Hier geht es vor allem um Lärm und Belästigung durch den Fahrverkehr“, sagt Schwarz im Gespräch mit unserer Zeitung.

Workshop-Teilnehmer schlagen Verkehrskonzept vor

Allgemein kam bei den Teilnehmern der Wunsch nach einem Verkehrskonzept auf. Das Parken sei unter anderem im Bereich von Mehrfamilienhäusern kritisch. Um die Parksituation in der Innenstadt zu entspannen, wurde die Einrichtung eines Park-and-Ride- beziehungsweise eines Mitfahrerparkplatzes vorgeschlagen – ein Ergebnis, das auch schon der Verkehrsworkshop zutage gefördert hatte. Denn von Nastätten aus bilden Berufstätige teils Fahrgemeinschaften, und „die Autos blockieren bewirtschaftete Parkplätze und Stellplätze für Anwohner und Geschäfte“, erläutert Ingrid Schwarz.

Neue Parkplätze könnten auch durch den Abriss eines baufälligen Hauses in der Lohbachstraße gewonnen werden, so ein Vorschlag aus der Runde. Eine weitere Anregung waren automatisch hoch fahrende Poller, um den Verkehr in den Abend- und Nachtstunden aus Ober- und Römerstraße herauszuhalten. Auch der Wunsch nach der Einrichtung einer Fußgängerzone wurde geäußert.

Generell gebe es „zu wenig bezahlbaren Wohnraum für Rentner und junge Familien“, liest Ingrid Schwarz von einem der roten Pappkärtchen ab, auf denen die Gruppe die Schwächen in Sachen Wohnen zusammengetragen hat. Zur Freizeitgestaltung wurde der Bau einer Multifunktionshalle angeregt. „Ein Indoorspielplatz, wo Kinder spielen können, die Halle aber auch für Messen und Events genutzt werden kann“, erklärt Ingrid Schwarz die Idee. Um junge Leute in der Stadt zu halten, wurde auch die Schaffung von Arbeitsplätzen als Zukunftsaufgabe genannt.

Jung und Alt sollen sich im Stadtkern begegnen

„Ein ganz wichtiges Thema war die Begegnung der Generationen“, betont Schwarz. Von Teilnehmern wurde hier der Wunsch nach einem Mehrgenerationentreff geäußert, wo Ältere sich wohlfühlen und mit Jüngeren in Kontakt kommen können. Außerdem bestehe Bedarf an seniorengerechtem und gegebenenfalls betreutem Wohnen. „Da war die Meinung, das gehört in den Stadtkern“, erläutert Schwarz. Doch wenn alle Generationen gemeinsam in der Innenstadt leben sollen, müsse auch noch etwas in Sachen Barrierefreiheit getan werden. „Hier wurde gesagt, dass es noch Stellen gibt, wo so etwas fehlt“, so die Stadtplanerin. Dass auch fehlende Seniorenwohnungen im Stadtkern bemängelt werden, hänge auch mit der Versorgung zusammen. Zwar sei die Einschätzung der Bürger, „dass sie insgesamt eine gute Versorgungslage haben“, so Schwarz.

Doch gerade für ältere Menschen, die eher am Stadtrand wohnen und nicht mehr so mobil sind, sei es aus Sicht von Workshop-Teilnehmern schwierig, Einzelhandelsgeschäfte zu erreichen. Ein Leitgedanke, den die Workshop-Gruppe erarbeitet hat, lautet: Die Natur mehr nutzen. „Nastätten liegt am Rande des Welterbes, aber eigentlich mittendrin“, sagt Ingrid Schwarz. Die Blaufärberstadt sei schön in der Natur gelegen und biete kurze Wege zu kulturellen Sehenswürdigkeiten des Welterbes Oberes Mittelrheintal. Daher sei in der Gruppe die Idee geboren worden, ein Hotel mit etwa 50 Betten, eine Pension oder Jugendherberge anzusiedeln.

Die Liste der Schwächen und der Optimierungsideen in puncto Wohnen ist am Schluss des Workshops deutlich länger als die der genannten Stärken. Doch: „Das ist immer so“, beruhigt Ingrid Schwarz, „es stauen sich zuerst die Schwächen und die Kritik an.“ Nach dem Positiven gefragt, antwortete ein Teilnehmer: „Es ist einfach schön, hier zu leben.“ Die Vorzüge sahen die Bürger im örtlichen Krankenhaus, einer guten Ausstattung mit Schulen und Einkaufsmöglichkeiten sowie in „schönen Plätzen mit toller Aufenthaltsqualität“, sagt Stadtplanerin Schwarz.

Die in den Bürgerworkshops gesammelten Ideen sollen in ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) einfließen. Dieses Konzept enthält am Schluss Empfehlungen, was in der Blaufärberstadt mithilfe des Stadtumbauprogramms umgesetzt werden soll. Es muss mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) abgestimmt werden und ist eine Voraussetzung dafür, dass überhaupt Fördergelder fließen können.

Ergänzt wird die Bürgerbeteiligung am ISEK nach den Sommerferien mit einem Workshop für Kinder und Jugendliche sowie für Gewerbetreibende. In einer Abschlussveranstaltung sollen die Ergebnisse aller Arbeitsgruppen schließlich vorgestellt und von den Bürgern nochmals bewertet und priorisiert werden können.

Final über die Inhalte des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts abstimmen wird der Stadtrat. „Die Bürger sollen bei der Gelegenheit auch mitbekommen, welche Ideen reinkommen, welche nicht und warum nicht“, sagt Schwarz. Vorschläge, die nicht berücksichtigt werden können, sollen dennoch in einem Ideenpool gesammelt werden. Auf sie könne zurückgegriffen werden, falls sich Projekte aus dem Entwicklungskonzept doch nicht umsetzen lassen.

Von unserer Redakteurin Cordula Sailer

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