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St. Goarshausen

Volle Ladung 80er: a-ha lässt Loreley träumen

Michaela Cetto

Mensch Morten. Da könnte man meinen, nach mehr als 30 Jahren sollte sich der Hype um den smarten Frontmann der norwegischen Pop-Band a-ha gelegt haben. Immerhin marschiert er mit strammen Schritten auf die 60 zu. Aber die weiblichen Fans im romantischen Halbrund vor der Loreley-Freilichtbühne schmelzen dahin, als Morten Harket in bläulich waberndem Licht erscheint und in „Cry Wolf“ den noch nicht zu sehenden Mond anheult.

Kein großer Entertainer, aber noch immer ein begnadeter Sänger: Morten Harket, Frontmann der norwegischen Popband a-ha, lässt Damenherzen schmelzen und die 1980er-Jahre aufleben. Foto: Karin Kring
Kein großer Entertainer, aber noch immer ein begnadeter Sänger: Morten Harket, Frontmann der norwegischen Popband a-ha, lässt Damenherzen schmelzen und die 1980er-Jahre aufleben.
Foto: Karin Kring

Die fünfte Deutschland-Show im Rahmen der Electric-Summer-Tour 2018 führt das skandinavische Trio also nach St. Goarshausen. Und es gibt wohl kaum einen Spielort, an dem man sich so hervorragend in vergangene Zeiten katapultieren lassen kann, wie auf dem sagenumwobenen Felsen hoch über dem Rhein. Dabei braucht’s keine a-ha-Fanshirts oder norwegische Flaggen, die hier und da in der Menge auftauchen. Die keyboardschwangere Musik der 1980er-Helden reicht aus, um Bilder von diskotanzenden Vokuhilas, Schulterpolstern und Karottenjeans heraufzubeschwören. Und dazu dieses „Forever-young“-Gefühl. Okay, das war Alphaville. Aber das Gefühl ist das gleiche.

Ein bisschen haben Harket und seine Mitstreiter Pål Waaktaar-Savoy (Gitarre) und Magne Furuholmen (Keyboard) an ihren Songs geschraubt. Ein Mitbringsel der erst im Februar zu Ende gegangenen Unplugged-Tour sind zum Beispiel drei Streicher, die mit Violinen und Cello Songs wie „Crying in the Rain“ (1990) oder „Stay on these Roads“ (1988) Intensität und Zerbrechlichkeit zugleich verleihen. Viel Percussion und aufgedrehter Bass machen den Sound in anderen Stücken rockiger. „Train of Thought“ (1985) spielt die Band in einer recht unbekannten Demo-Version und im titelgebenden Hit „Hunting High and Low“ (1985) adelt Morten Harket das Publikum zum Background-Chor. Gänsehaut.

Natürlich liefern a-ha den Fans auch all ihre anderen großen Hits von „Foot of the Mountain“ (2009) über „Lifelines“ (2002), „Living Daylights“ (1987) bis hin zu „The Sun Always Shines on T.V.“ und „Take on Me“ (1984). Während die Backing-Vocals und Musiker auf dem Podest am hinteren Bühnenrand alles geben, ist von Morten Harket nicht viel Action zu sehen. Der Sänger, der zu seinen Glanzzeiten, 1985 („Hunting High and Low“) bis 1993 („Memorial Beach“) zu den größten Vokalisten überhaupt zählte, pilgert hin und wieder zu seinem Soundmann und dreht ansonsten schlurfend Runden um sein eigenes Ich. Doch wenn der introvertierte Morten sein noch immer hübsches Köpfchen zur Seite neigt, um die Töne irgendwo aus dem All zu pflücken, dann liegt ihm die Loreley zu Füßen.

Überraschend lässt er sich schließlich aber doch noch zu einer ungewöhnlichen Aktion hinreißen. Er steigt die Steintreppen hinab, um den Hardcore-Fans am Absperrgitter ein High-Five zu geben. Tausende Handys sind auf ihn gerichtet. Mensch Morten. Darauf haben die Mädels mehr als 30 Jahre gewartet.

Von unserer Redakteurin Michaela Cetto

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