40.000
Aus unserem Archiv
VG Loreley

Unmut in der VG Loreley wächst: Noch immer sind Unwetter-Löcher zu stopfen

Andreas Jöckel

Einige Löcher sind in der Verbandsgemeinde Loreley immer noch zu stopfen, nachdem Starkregen Ende Mai und Anfang Juni 2016 für zum Teil verheerende Schäden gesorgt hatte. Der Unmut in der Bevölkerung darüber, dass die Beseitigung der Schäden so lange dauert, wächst. Doch das Bauamt der VG beteuert, kontinuierlich an Lösungen zu arbeiten. Denn die Rechtslage war und bleibe kompliziert.

Ein großes Loch klafft nach mehr als zwei Jahren noch immer in der Burgenstraße in Kamp-Bornhofen. Doch laut Verbandsgemeinde sollen bald alle rechtlichen Fragen geklärt sein, sodass die Schadstelle beseitigt werden kann. Foto: Andreas Jöckel
Ein großes Loch klafft nach mehr als zwei Jahren noch immer in der Burgenstraße in Kamp-Bornhofen. Doch laut Verbandsgemeinde sollen bald alle rechtlichen Fragen geklärt sein, sodass die Schadstelle beseitigt werden kann.
Foto: Andreas Jöckel

Bei den immer häufiger auftretenden Starkregenereignissen scheint die Zuständigkeit, wer für die Schäden aufkommen muss, eine schwierige Rechtsfrage zu sein, die von Behörden bei Land, Kreis und VG geklärt werden muss. Grundsätzlich stufen Behörden alle Gewässer ein: Zur ersten Ordnung gehören Bundeswasserstraßen wie der Rhein. Landesbehörden legen darüber hinaus fest, welche Gewässer zur zweiten Ordnung gehören (etwa die Aar). Alle weiteren Bäche sind Gewässer dritter Ordnung, für die zwar die Verbandsgemeinden zuständig sind. Aber diese Regelung gilt nur für offen fließende Gewässer. Sobald ein Bach überbaut wurde und unterirdisch durch Rohre und Kanäle läuft, liegt die Verantwortung beim jeweiligen Nutznießer – etwa beim Kreis (Kreisstraße), bei der Ortsgemeinde (Gemeindestraße) oder Privatpersonen (Grundbesitz).

Insbesondere im Hinblick auf die 2016 besonders stark betroffenen Städten und Gemeinden hat der SPD-Fraktionschef im VG-Rat, Mike Weiland, den Sachstand bei der Beseitigung der Unwetterschäden erfragt. In ihrer Antwort weist die VG darauf hin, dass sämtliche Gewässer dritter Ordnung in Ortsnähe und innerhalb der Ortslagen auf den Zustand des Bachbettes und des ordnungsgemäßen Wasserabflusses hin untersucht worden seien. Wo Sofortmaßnahmen nötig waren, um den Abfluss zu gewährleisten, sei dies geschehen und vom Land mit 50 Prozent bezuschusst worden.

In Kamp-Bornhofen, wo seit 2016 ein großes Loch über dem kanalisierten Bornhofener Bach in der Burgenstraße (K 103) neben einem Hotel klafft, kritisiert SPD-Ortsvorsitzender Peter Wendling in einem Schreiben an unsere Zeitung heftig die VG-Verwaltung: Nach mehr als zwei Jahren seien weder ein konkreter Zeitplan noch konkrete Zahlen für die Schadensbeseitigung vorgelegt worden. SPD-Ratsmitglied Nelly Schneider ergänzt: „Bei allem Verständnis für die notwendige Verwaltungsarbeit, aber zwei Jahre ohne sichtbares Ergebnis sind zu viel.“

Tatsächlich sind aber aus Sicht der VG-Verwaltung gerade die Beseitigung des Loches und die Sanierung der Verrohrung des Baches in Kamp-Bornhofen am weitesten entwickelt. Und das, obwohl dort mit unterschiedlicher Technik sowie zehn verschiedenen Eigentümern mit unterschiedlichen angrenzenden Längen und Kostenbeteiligungen die schwierigste Konstellation vorliege. Die technischen Planunterlagen lägen der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) zur Prüfung vor. Die Aufteilung der Kosten sei ebenfalls klar. Von der Kreisverwaltung werde noch geprüft, bis zu welchem Anteil das Projekt wasserwirtschaftliche Bedeutung hat, was vom Land bezuschusst werden kann. Denn Privateigentümer erhalten keinen Zuschuss.

Synergieeffekte und damit Kosteneinsparungen erhofft man sich in Kamp-Bornhofen außerdem durch die Erneuerung eines Kanals, die von den VG-Werken unterhalb der Bachverrohrung geplant ist. Einziger Wermutstropfen: Für die dreimonatige Bauzeit müsste die Burgenstraße im Winter komplett gesperrt werden. Lediglich bei Rhein-Hochwasser könnte die Oberfläche zwischendurch kostenaufwendig befahrbar gemacht werden, damit der Ort bergseits über die K 103 erreichbar bleibt.

Problematischer stellt sich laut Verwaltung die Situation in Kaub dar. Der Blücherbach wird durch verschiedene Bebauungen eingeengt und ist zum Teil daneben oder darunter verrohrt. Der Zustand der Verrohrung sei mittels Kamerabefahrung dokumentiert. Sobald die Rechtslage in Bezug auf die Sanierungsmaßnahmen in Kamp-Bornhofen geklärt sei, könnten auch die Sanierungsmaßnahmen am Blücherbach auf den Weg gebracht werden.

Der Volkenbach in Kaub wird von einem Ingenieurbüro neu geplant. Dort ist der Bachlauf im Bereich des Tennisplatzes von der ehemaligen Schutthalde auf circa 200 Meter Länge und 20 Meter hoch überschüttet. Bei Hochwasser ergießt sich der Bach oberhalb eines Wohnhauses in der Adolfstraße über den asphaltierten Hochwassernotweg nach Weisel in Richtung Stadt, zerstört die Bankette immer wieder und verursacht bei jedem Starkregen Schäden in fünfstelliger Höhe. Da eine Rückführung in das ursprüngliche Bachbett nicht möglich sei und das Umweltministerium eine Verrohrung ablehnt, weil sie bei Extremregen ohnehin nicht ausreichen würde, bleibe nur eine Ableitung des Wassers über den befestigten Weg. Dieser müsste dazu als Wanne neu ausgebaut werden, wofür eine Förderung von 60 Prozent in Aussicht gestellt wird. Die Kostenträgerschaft könne auch hier analog zu Kamp-Bornhofen geklärt werden.

In Sauerthal steht die Neuverrohrung eines namenlosen Gewässers an, das in den Tiefenbach mündet. Hinzu kommen ein vorgeschalteter Murgangzaun sowie die Erneuerung der Straßenoberfläche. Trotz Beteiligung aller Wasserbehörden musste die Planung laut VG vier Mal abgeändert werden. Mittlerweile sei der vorzeitige Maßnahmenbeginn genehmigt.

An Lösungen noch gearbeitet wird gemeinsam mit Fachbehörden und Ingenieuren in St. Goarshausen, wo der Wellmicher Bach am Tennisplatz ein riesiges Loch gerissen hat. Der Stadtrat geht davon aus, dass der Bereich wieder verschlossen und verrohrt werden muss.

Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

SPD Dahlheim: Gefahr nicht beseitigt

Dahlheim. Untätigkeit wirft der SPD-Ortsverein Dahlheim/Prath der VG-Verwaltung vor: „Entgegen den Bekundungen der Verwaltungsspitze ist bis heute nicht festzustellen, dass gerade im Bereich Dahlheim Sofortmaßnahmen erfolgt sind oder Gefahren beseitigt wurden, um das Risiko zukünftiger Schäden zu reduzieren“, heißt es in einem Schreiben der Sozialdemokraten.

Zwei Jahre nach den Ereignissen, die zur Überflutung der Grundschule und des Sportplatzes in Dahlheim geführt hatten, stellten die Bürger fest, dass sich außer der Aufstellung eines Bauzaunes nichts an der Gefahrenstelle verändert habe: „Ist die Verwaltung nicht in der Lage, ein fachgerechtes Einlaufbauwerk zu errichten und die Gefahr zu beseitigen, die von dem zwischenzeitlich wieder verschlammten Einlaufrohr ausgeht?“, fragt Marco Jost (SPD), Mitglied im Orts- und Verbandsgemeinderat.

Ein weiterer Kritikpunkt sei die Verstopfung der Bachverrohrung im Bereich der Straße Im Issel. Seit dem Tag nach dem Unwetter 2016 sei die Bauverwaltung über die Verstopfung der Bachverrohrung informiert, wo sich Baumstämme und Gehölz auf einer Länge von circa acht Metern in der Bachverrohrung verkeilt hätten. Die von der damaligen Überflutung betroffenen Anlieger können laut SPD bis heute die beschädigten Räume in den unteren Geschossen nicht benutzen. Zudem hätten die jüngsten Gewitterregen zu erneuten Überflutungen einiger Häuser Im Issel geführt.

Auch die Kreisverwaltung habe die Verbandsgemeinde im Januar dieses Jahres zur unverzüglichen Beseitigung der Verstopfung aufgefordert. Geschehen sei bis heute leider nichts. Laut einem Schreiben der Unteren Wasserbehörde seien für den derzeitigen Zustand in diesem Bereich sowohl die Ortsgemeinde Dahlheim als auch die Verbandsgemeinde Loreley verantwortlich.

Bad Ems Lahnstein
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
Anzeige
Regionalwetter
Mittwoch

17°C - 28°C
Donnerstag

18°C - 32°C
Freitag

15°C - 28°C
Samstag

16°C - 28°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
epaper-startseite