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    Rhein-LahnTierfreunde kämpfen gegen Katzenflut: Muss ein Gesetz her?

    Eine Rechtsverordnung könnte die Kastration von Katzen verpflichtend machen.

    Allein die Tierfreunde im Nassauer Land fangen jährlich bis zu 150 Katzen ein und lassen sie kastrieren.
    Allein die Tierfreunde im Nassauer Land fangen jährlich bis zu 150 Katzen ein und lassen sie kastrieren.
    Foto: Renate Pammer

    Lilli, Luna, Charly, Chico. Renate und Helmut Pammer haben schon Hunderten Katzen Namen gegeben. Seit mehr als 30 Jahren kümmert sich das Bad Emser Paar liebevoll um herrenlose Katzenkinder, allein 2016 päppelten sie 32 Kätzchen auf und vermittelten sie in gute Hände. Und obwohl ihr Herz an jedem ihrer Schützlinge hängt, ist die Situation alles andereals romantisch. „Diese Flut an herrenlosen Katzen ist enorm und wird immer schlimmer“, sagt Renate Pammer. „Da muss unbedingt etwas geschehen.“

    Die Lösung heißt: verpflichtende Kastration für alle Freigänger-Katzen. Pammers sind beim Tierschutzverein Tierfreunde im Nassauer Land aktiv, der, wieandere Tierschutzorganisationen im Rhein-Lahn-Kreis, seit vielen Jahren wilde Katzen einfängt und auf Vereinskosten kastrieren lässt – eine enormefinanzielle Belastung, die kaum mehr zu stemmen ist.

    Auch Amtstierarzt Gerwin Dietze engagiert sich in demTierschutzverein und ist auch dienstlich im Sinne des Tierschutzes aktiv. Er weiß:„Das Leid der wilden Katzen ist groß. Die Hälfte der Tiere ist krank.“ Neben Parasiten und diversen bakteriellen Infektionen drohen Katzenseuche,Katzen-Aids, ansteckende Bauchfellentzündungen und andere Katzenkrankheiten,die ebenfalls tierärztlich behandelt werden müssen.

    Dabei ist der Tierhalter im Sinne des Tierschutzes in derPflicht, sich um das Wohlergehen der Tiere zu kümmern. „Wer ein Tier hält oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend ernähren, pflegen und versorgen“, erklärt Dietze. Das heißt auch vor Krankheiten schützen, soweit möglich. Auch, wer freilebenden Katzen regelmäßig Futter hinstellt, gilt rechtlich als Halter und geht diese Verpflichtung ein.

    Bei gänzlich wildlebenden Katzen kommt die Gesellschaft ins Spiel. „Im Sinne des Tierschutzes als Staatsziel hat der Mensch beziehungsweise die Staatsgemeinschaft, die Gesellschaft und die Verwaltung aus Verantwortungfür das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen“,erklärt Gerwin Dietze. Die Tierschutzvereine haben sich quasi in Vertretung diesem Problem angenommen und bleiben auf einem Großteil der Kosten sitzen.

    Pro Jahr sammeln allein die Tierfreunde im Nassauer Land 100bis 150 Katzen ein. „Alle aktiven Organisationen haben im Rhein-Lahn-Kreiszwischen 2011 und 2016 nahezu 1000 wild lebende Katzen eingefangen und kastrieren lassen“, berichtet der Amtstierarzt. Eine Kastration kostet im Schnitt 100 Euro.

    Das Problem ist: Katzenfreunde gehen davon aus, dass jede Katze einmal geworfen haben sollte, bevor sie kastriert wird. „Völliger Unsinn“,sagt Gerwin Dietze. Noch gravierender ist das Problem mit den Katzen, die mehroder weniger frei auf Höfen im ländlichen Raum leben. Die vermehren sich unkontrolliert, und eine Katze kann schon im Alter von sechs Monaten trächtigwerden.  

     „Das Problem muss in die Köpfe der Katzenhalter“, findet Renate Pammer. „Die Leute müssen sich darüber im Klaren werden, was sie den Tieren antun, wenn sie sie sich selbst überlassen.“ Abhilfe schaffen könnte eine rechtliche Verordnung, die die Kastration von Freigänger-Katzen verpflichtend macht. Vereinzelt haben Kommunen in Deutschland schon entsprechende Katzenverordnungen beschlossen. In der Verbandsgemeinde Brohltal im Landkreis Ahrweiler zum Beispiel trat eine solche Katzenverordnung 2016 in Kraft. Wird dort eine unkastrierte Katze „erwischt“, wird sie nach Ablauf von 48 Stunden auf Kosten des Halters kastriert. Außerdem blüht dem Katzenfreund eine Geldbuße.

    Auch in der Verbandsgemeinde Katzenelnbogen ist eine Katzenverordnung in der Diskussion, die speziell das Problem in der Gemeinde Dörsdorf lösen soll. In dem kleinen Dorf sind nach Schätzung des Amtstierarztesan die 60 Katzen unterwegs. Einzelhalter sollen bis zu 25 Tiere in ihrer Obhuthaben oder gehabt haben. Beschwerden von Nachbarn gab es zuhauf, und auch dieTierfreunde waren dort bereits im Einsatz. Verbandsgemeinde-BürgermeisterHarald Gemmer steht einer entsprechenden Verordnung grundsätzlich positiv gegenüber. „Katzenhalter müssen unbedingt in die Pflicht genommen werden.“  Und wenn dies mit gesundem Menschenverstand nicht gelingt, muss man das Problem gesetzlich lösen. Darin sind sich zumindest die Tierfreunde einig.

    Vermehrung der Katzen

    Bei einer Trächtigkeit von 52 bis 65 Tagen kann eine Katze drei Mal im Jahr Junge bekommen: also durchschnittlich 12 Babys. Im zweiten Jahr könnten sich diese bereits zu 144 vermehrt haben. Im Jahr darauf wären es dann schon 1726 und im vierten Jahr 20 736.

    Bad Ems Lahnstein
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