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Dachsenhausen

Reptilien-Großfamilie in Dachsenhausen: Ein Kindergarten für Landschildkröten

Harte Schale, weicher Kern und ein paar Falten: Viele Menschen können den Tieren, die mit lateinischem Namen Testudo hermanni heißen, nur wenig abgewinnen. Aber für Petra Diede und ihre Tochter Emily sind Griechische Landschildkröten einfach das Größte.

Im Garten marschiert die ganze Mannschaft durch die Wiese. Die Schildkröten sind gar nicht so langsam, wie man denkt. Petra Diede und ihre Tochter Emily haben alle ihre Schützlinge im Blick.
Im Garten marschiert die ganze Mannschaft durch die Wiese. Die Schildkröten sind gar nicht so langsam, wie man denkt. Petra Diede und ihre Tochter Emily haben alle ihre Schützlinge im Blick.
Foto: Michaela Cetto

Von Michaela Cetto

Besonders, wenn sie ganz, ganz klein sind. So wie gerade. In der Küche der Diedes steht seit einigen Wochen ein Brutschrank, in dem sich tüchtig was regt. Zwei Körbchen, gefüllt mit Erde, dienen knapp einem Dutzend kleinen Eiern als Polster. Schon drei Mal gab es in Dachsenhausen Schildkrötennachwuchs. "Aber so viele Eier wie in diesem Jahr hatten wir noch nie!" freut sich Petra Diede. Drei Babys sind bereits geschlüpft und – nach fachmännischer Erstversorgung ihrer beiden "Ziehmütter" – in ein großes Terrarium im Wohnzimmer der Familie umgezogen, dem "Schildkröten-Kindergarten" sozusagen.

"Nicht alle Eier sind befruchtet", weiß Petra Diede. Behutsam und ohne es zu drehen nimmt sie eines der Eier aus dem Korb und leuchtet es mit einer Taschenlampe an. "Dieses allerdings ist voll. Da wird bald der Nachwuchs zur Welt kommen." Etwa zwei Tage dauert dieser Vorgang und ist echte Schufterei für die kleinen "Hermännchen". "Nach der Brutzeit von etwa 60 Tagen öffnet die Schildkröte die Schale zunächst mit dem Eizahn", erklärt Petra Diede. "Dabei entseht ein Guckloch. Mit den Vorderbeinen vergrößert sie das Loch. Schließlich bricht sie mit einer Drehung den Rest der Schale, und der erste Schritt ins Leben ist getan."

Sie erklärt auch, auf was man nach dem Schlupf achten sollte oder wie man die Kleinen "badet". Im Laufe der Jahre hat sich Petra Diede eine Menge Wissen über die Reptilien angeeignet. Dabei kam die Tierfreundin zu den Schildkröten wie die Jungfrau zum Kinde. Eigentlich mag sie nämlich vor allem Hunde und Pferde. "Aber leider hat mein Mann eine extreme Tierhaarallergie", erzählt sie. Damit war das Thema Hund als Haustier schnell erledigt. So ganz ohne Vierbeiner sollte es im Zuhause der Diedes aber nicht bleiben: Zum Muttertag vor 21 Jahren schenkte ihr Sohn ihr die erste Griechische Landschildkröte.

In dem großen Freigehege im Garten der Familie blieb Schilly nicht lange allein. Die Diedes kauften Emma, und kurz später bekamen sie zwei weitere Schildkröten geschenkt. Damit waren zwei Pärchen komplett. Vor vier Jahren schließlich legte Emma zum ersten Mal Eier. "Es passierte bis jetzt immer im Mai und immer bei Gewitter." Ein großer Erdhaufen im Gehege bietet einen idealen Ablageplatz. Dort beginnen die Weibchen zu graben, sobald sie für die Eiablage bereit sind. Sehr vorsichtig geht Petra Diede dann auf Eiersuche, um sie in den Brutschrank zu legen. "Wenn da etwas Weißes in der Erde leuchtet, bin ich immer ganz aufgeregt!"

Jede Schildkröte wird übrigens ganz offiziell angemeldet. Dabei werden die Tiere gemessen und fotografiert und bekommen eine sogenannte Cites-Bescheinigung. Das ist eine Art Geburtsurkunde für gefährdete Arten frei lebender Tiere, die belegt, dass die Schildkröte nicht in freier Wildbahn eingefangen wurde, sondern aus privater "Zucht" stammt. Züchten übrigens möchte Petra Diede nicht. Lediglich drei ihrer Schützlinge hat sie an eine gute Freundin abgegeben, die anderen bleiben, wo sie sind. "Sie sind uns einfach ans Herz gewachsen."

Mit ganz viel Herz geht auch die elfjährige Emily an die Schildkrötenpflege. "Das ist total spannend und faszinierend, diesen ganzen Ablauf mitzuerleben", schwärmt sie. Und auch wenn sich die Aufregung rund ums Schlüpfen gelegt hat, werden dem Mädchen die Tiere nicht langweilig. Dann liegt Emily gern auf der Wiese, füttert die Schildkröten mit Salat oder Butterblumen oder drückt Zera, Sweetie und Co. auch mal einen dicken Schmatzer auf den Panzer. Gut, dass sich Kind und Tiere so gut verstehen: Wahrscheinlich werden sie ein Leben lang zusammenbleiben. Schließlich können die "Hermännchen" 100 Jahre alt werden.

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