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    Orgelrestauration: Instrument wird bei Kassel spielbereit gemacht

    Wer hat schon einmal in das Innere einer Orgel geschaut? Wohl die wenigsten Musikfreunde. Markus Ziegler, der Kantor des Dekanats Nassauer Land, hat fünf von ihnen Gelegenheit dazu gegeben. Sie besichtigten die Nastättener Orgel bei der Werner Bosch Orgelbau GmbH in Niestetal bei Kassel. Dort ist sie nämlich während eines Jahres instand gesetzt, ergänzt und erneuert worden.

    Markus Ziegler, Kantor des Dekanats Nassauer Land, hat fünf Orgelinteressierte mit nach Niestetal bei Kassel genommen: Dort schauten sie sich bei der Werner Bosch Orgelbau GmbH an, wie die Nastättener Kirchenorgel wieder instand gesetzt wird. Foto: Karl-Heinz Wolter
    Markus Ziegler, Kantor des Dekanats Nassauer Land, hat fünf Orgelinteressierte mit nach Niestetal bei Kassel genommen: Dort schauten sie sich bei der Werner Bosch Orgelbau GmbH an, wie die Nastättener Kirchenorgel wieder instand gesetzt wird.
    Foto: Karl-Heinz Wolter

    Es riecht nach Holz in der hellen Werkhalle. Vier Mitarbeiter der Werkstatt und eine Auszubildende arbeiten an der Orgel. Einer von ihnen sitzt oben auf der Windlade, misst nach und passt ein hölzernes Werkstück an. Ein anderer liegt auf dem Bauch im Innern des Instrumentes mit dem Bohrer in der Rechten und ist damit befasst, ein hölzernes Teil passgenau einzusetzen und gangbar zu machen. Und Johanna, die Auszubildende, die seit September zu der Arbeitsgruppe gehört, ist mit einer Feinarbeit beauftragt, bei der sie schleift und ebenfalls ausprobiert, ob alles genau sitzt und sich glatt und ohne Reibung bewegen lässt.

    Eine Vielzahl von Tätigkeiten wird sie in dreieinhalb Jahren erlernen, bis sie alles im Grundsatz kennt und einen Überblick über das hochkomplexe Handwerk des Orgelbauens gewonnen hat. Diese Tätigkeiten umfassen die Bearbeitung von Holz- und Metallwerk- stücken nach vorgegebenen Zeichnungen und Bestimmungsgrößen. Sie lernt das Löten und Schweißen, das Fräsen, Drehen und Schleifen und muss später alle einzelnen Teile zu einem Ganzen zusammensetzen können.

    Das Stimmen und Intonieren der Orgelpfeifen, eine wichtige Sache im Orgelbau, gehört auch dazu. Später wird sie dann in einer Prüfung vor der Handelskammer Stuttgart beweisen, dass sie als Gesellin arbeiten kann. Die Ausbildung eines Orgelbauers erfolgt in Deutschland einerseits in einer Orgelbauwerkstätte wie in der von Bosch und andererseits an der Bundesfachschule für Instrumentenbau in Ludwigsburg. Erst nach der Lehre wird Johanna sich vermutlich spezialisieren.

    „Im Herbst 2016 haben wir die Voigt-Orgel in Nastätten abgebaut und in unsere Werkstatt gebracht“, berichtet Geschäftsführer Martin Bosch, „das Instrument wird aufgrund des guten Materialbestandes auf seine originale Disposition zurückgeführt.“ Fehlende Register werden dabei rekonstruiert. 1970 wurde die Orgel unter teilweiser Verwendung originaler Voigt-Register neu gebaut und dabei stark verändert.

    Ende 2017 wird dieses umfangreiche Restaurierungsprojekt abgeschlossen sein. So erläutert es Martin Bosch seinen aufmerksamen und wissbegierigen Besuchern und beantwortet geduldig deren Fragen. „Unser Betrieb hat Erfahrung mit solchen Arbeiten. Als Orgelbauer beschäftigen wir uns national und international seit nunmehr 70 Jahren mit dem Entwurf, der Konstruktion, der Herstellung und der Klanggestaltung von Orgeln und Harmoniums.“

    „Ich erinnere mich gut“, sagt Heiner Keltsch, einer der Besucher, „sie war ihrer wichtigsten Bestandteile beraubt, als hätte man ihr den Bauch ausgeräumt. Traurig sah sie aus, zerlegt und zerfleddert.“ Bei dieser Besichtigung informieren sich die Besucher über den Fortgang und derzeitigen Stand der Arbeiten. „Jetzt sieht das alles schon wieder sehr gut aus. Noch ist sie nicht ganz vollständig und einiges muss noch getan werden, aber wir sind jetzt gewiss, dass sie Ende des Jahres wieder in unserer evangelischen Kirche zum Gottesdienst gehören wird“, meint Lothar Werner, der erwartet, dass Ulli Klöppel von der katholischen Kirche Nastätten bei der Einweihung dabei sein wird. Klöppel ist einer der sechs Besucher an diesem Nachmittag und sehr interessiert an der Kirchenmusik beider Kirchen. Darüber freut sich der Kantor natürlich und fügt hinzu: „Ganz sicher steht der Termin noch nicht, aber Ende Januar nächsten Jahres wird unsere Orgel in einem Gottesdienst mit viel Musik erklingen. Dazu sind natürlich alle Freunde der Kirchenmusik schon jetzt sehr herzlich eingeladen, gleichgültig welcher Kirche sie angehören.“ Dieter Bewerunge und die anderen Begleiter wissen es natürlich: Er ist vor Erwartung so ungeduldig wie ein Kind vor Weihnachten, dass er wieder am Orgeltisch in Nastätten sitzen kann.

    Von unserem Mitarbeiter Karl-Heinz Wolter

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