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Lahnstein

Neue (Wald)Perspektiven für Lahnstein

Die heimischen Wälder sind ein riesiger Schatz – bei dieser Einschätzung gibt es eigentlich keine zwei Meinungen. In Verwaltung und Politik hat sich auch längst die Erkenntnis durchgesetzt, dass Lahnsteins 1860 Hektar Wald neben einem nicht unerheblichen wirtschaftlichen Wert auch einen hohen Freizeit- und Erholungsfaktor für die Bevölkerung mit sich bringen.

Der Stadtwald entspannt: Innenminister Roger Lewentz, Oberbürgermeister Peter Labonte und Forstamtsleiter Hans-Leo Cremer lassen die Methusalem-Eichen rund um den Waldort Birkelstein auf sich wirken.  Foto: Stadtverwaltung
Der Stadtwald entspannt: Innenminister Roger Lewentz, Oberbürgermeister Peter Labonte und Forstamtsleiter Hans-Leo Cremer lassen die Methusalem-Eichen rund um den Waldort Birkelstein auf sich wirken.
Foto: Stadtverwaltung

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen stellen sogar einen großen Einfluss der Waldluft auf die Gesundheit der Menschen fest. Bei einem gemeinsamen Besuch der Lahnsteiner Wälder von Oberbürgermeister Peter Labonte, Innenminister Roger Lewentz und Forstamtsleiter Hans-Leo Cremer kamen viele Ideen zur Sprache, wie man die Wälder noch besser und effektiver ins Leben der Menschen einbeziehen könnte.

Oberbürgermeister Labonte erinnerte bei dem gemeinsamen Waldspaziergang an ein Zitat von Hans Carl von Carlowitz aus dem Jahr 1713, welches die Bedeutung der Wälder umschreibt. "Die Wälder sind die Krone der Berge, sie sind der Schatz des Landes, in ihnen ist der Nutzen mit der Sinneslust vermengt", zitierte der Stadtchef und ergänzte: "Schöner kann man auch heute nicht auf diese wundersame Wirkung der Wälder verweisen." Mit diesem Gedanken werde sich die Stadtverwaltung in den kommenden Monaten vermehrt dem Stadtwald Lahnstein widmen, versprach das Stadtoberhaupt. Tatsächlich hat die Stadt einiges vor im Wald – und nicht nur sie. Auf der Höhe macht sich auch die Dr.-Max-Otto-Bruker-Stiftung Gedanken darüber, wie man den Wald noch besser nutzen könnte.

"Als großer Waldfreund unterstütze ich diese Initiative gern, denn mir selbst geht es wie vielen Menschen, die im Wald unmittelbar spüren, dass er körperlich und seelisch entlastet und entspannend wirkt", findet Innenminister Roger Lewentz. "Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse stützen, was viele Menschen fühlen", betonte der Leiter des Forstamtes Lahnstein, Hans-Leo Cremer. Dass ein Waldspaziergang die Glieder kräftigt, Herz und Seele stärkt und außerdem beim "Abschalten vom Alltag hilft", sei jedem Waldspaziergänger hinreichend bekannt. Was aber hat die wissenschaftliche Studie an neuen Erkenntnissen gebracht? Wie sind die gesundheitlichen Wohlfahrtswirkungen des Stadtwaldes für die Bürger der Stadt Lahnstein und den vielen Erholung und in naher Zukunft Gesundheit suchenden Urlaubsgäste zu bewerten? Um diese Fragen an Ort und Stelle zu besprechen, waren Lewentz und Cremer der Einladung in den Stadtwald gefolgt.

Wälder gegen Krebs

Der Innenminister sprach die Forschungsergebnisse eines japanischen Institutes für Wald und Waldprodukte an. Danach wurden bereits im Jahr 2004 die wohltuenden Auswirkungen des Waldbadens in einem medizinischen Experiment untersucht und nun auch wissenschaftlich konkretisiert und bewiesen.

Gemeinschaftlich hatte die japanische Behörde für Forstwirtschaft, das Forschungsinstitut für Wald und Waldprodukte und das Zentrum für Medizin in Nippon eine Studie in die Wege geleitet, mit der die physiologischen Effekte des Waldbadens (Shinrin yoku) näher erforscht werden sollen. Zusammenfassend kam man zu dem Ergebnis sagen: Spazierengehen im Wald fördere sowohl die Entstehung von verschiedenen Anti-Krebs-Proteinen als auch die Bildung ungewöhnlich hoher Mengen natürlicher Killerzellen (NK-Zellen), die dafür bekannt sind, Krebszellen aufzuspüren und diese zu attackieren.

Pflanzen können bestimmte Stoffe – sogenannte Phytonzide – herstellen, mit deren Hilfe sie sich vor Bakterien und Insekten schützen. Diese Phytonzide werden an die Luft abgegeben und bei Waldspaziergängen eingeatmet. Dies wiederum führt zu einer deutlichen Vermehrung der Bildung von Killerzellen im menschlichen Körper. Dies wurde in einer Studie belegt. Inzwischen gibt es in Japan – und vereinzelt in den USA – bereits 50 Waldtherapie-Zentren mit Waldtherapeuten und besonderen Waldwegen, die man mit zertifizierten Führern begehen kann. In Südkorea wurde das Projekt "Erholungswälder" bereits in den 80er-Jahren ins Leben gerufen. Heute gibt es mehr als 130 Erholungs- und Therapiewälder, die mit Besucherzentren, Waldheilpfaden und einfach umsetzbaren Sportangeboten ausgestattet sind.

Aber auch in Deutschland sind die Pläne für die Ausweisung der ersten Kur- und Heilwälder bereits weit fortgeschritten. "Fünf Kurorte haben Interesse an der Umsetzung dieser Idee gezeigt", erklärte Oberbürgermeister Labonte. Der Kurort Heringsdorf auf der Ostseeinsel Usedom wird nach dem bisherigen Planungsstand wohl als erste Kommune die Heilkraft der Wälder konzeptionell umsetzen und nutzen. Was für die Wälder Mecklenburg-Vorpommerns gilt, sollte auch für den Lahnsteiner Stadtwald möglich sein, findet der Oberbürgermeister und weiß aus eigener Erfahrung als Waldbesucher aber auch als Sportler, wie wichtig Waldbesuche für das körperliche und seelische Wohlergehen sind. "Der Wald verbessert nicht nur unsere Kondition als Sportler, er stärkt auch unsere natürlichen Abwehrkräfte", so Labonte.

In einer Studie mit 280 Teilnehmern schickte man die Hälfte für einige Stunden in den Wald, die andere Hälfte in die Stadt. In der anschließenden Untersuchung stellte man fest, dass die "Waldmenschen" sich im Gegensatz zu den "Stadtmenschen" eines auffallend niedrigeren Blutdruckes, eines niedrigeren Stresshormonspiegels und eines niedrigeren Pulses erfreuen durften. Sobald man den Wald betritt und in das satte Grün der Bäume und Waldwiesen eintaucht, und den nach Blumen, Kräutern und feuchten Waldboden duftenden Wald einatmet, beginnt sich der menschliche Organismus positiv zu verändern. Die ganze natürliche Geräuschkulisse angefangen vom Rauschen der Blätter bis zum Gesang der Vögel in den Baumkronen, hat seine positive Wirkung. Allein das Licht- und Schattenspiel der durch die Baumkronen huschenden Sonnenstrahlen hat eine beruhigende Wirkung. "Um dies alles erfahrbar zu machen, brauchen wir übersichtliche und gepflegte Wälder, die aber natürlich wirken", ergänzte Forstamtsleiter Cremer. Voraussetzungen, die der Lahnsteiner Stadtwald bereits heute schon weitestgehend erfülle.

Wälder als Therapiezentren

Waldspaziergänge müsste es eigentlich auf Rezept geben. Jedenfalls, wenn es nach den neuesten Forschungsergebnissen japanischer Wissenschaftler geht. In Fernost gibt es bereits ernsthafte Überlegungen, Wälder in Therapiezentren umzuwandeln, um dort nach einer der üblichen ärztlichen Untersuchungen, in einer sogenannten Outdoor-Klinik, im Wald ein "Bad" zu nehmen. Damit ist natürlich kein Wasserbad gemeint, sondern das Eintauchen in das Ökosystem Wald. Wichtig für die Wissenschaftler ist dafür ein natürlicher Waldaufbau mit vielen alten Bäumen.

Grund genug, auch für Lahnstein über eine vergleichbare Möglichkeit nachzudenken, denn das Thema Nachhaltigkeit wird im Lahnsteiner Forst- und Waldbereich schon seit mehr als 300 Jahren praktiziert, die Jagd- und Forstwirtschaft hatte schon immer eine besondere Bedeutung für die Stadt am Rhein-Lahn-Eck; und hat es heute noch. Denn Lahnstein besitzt eine Waldfläche von 1860 Hektar und ist eine der größten waldbesitzenden Kommunen, um genauer zu sein, der viertgrößte Waldbesitzer in Rheinland-Pfalz.

Der Lahnsteiner Wald macht auch knapp 50 Prozent der Gesamtfläche der Stadt aus und bevorratet rund 400 000 Festmeter Holz. Mit einem jährlichen Zuwachs von 13 830 Festmeter, das sind pro Tag 37,9 Festmeter, pro Stunde 1,57, und einer jährlichen Holzernte von rund 11 100 Festmetern. Das bedeutet, dass gemessen am Zuwachs jährlich rund 80 Prozent genutzt werden. Auch ist der Wald in Lahnstein ein wichtiger Wirtschaftsfaktor mit einem Bilanzwert von rund 11 Millionen. Euro. Der Stadtwald hat zudem auch eine große Erholungsfunktion, zum Beispiel durch seine Wanderwege (unter anderem Rheinsteig, Ruppertsklamm, Lahnwanderweg), Schutzhütten und den Trimmdichtpfad. Auch für die Energiegewinnung ist der Wald von Bedeutung: 530 Festmeter selbst produzierte und selbst genutzte Holzhackschnitzel pro Jahr und 1190 Festmeter Brennholz in Selbstwerbung pro Jahr.

Das alles sind Zahlen und Fakten, die die Bedeutung des Waldes in Lahnstein eindeutig belegen und – da waren sich Lewentz, Cremer und Labonte einig – eine gute Zukunftsperspektive, insbesondere auch für den Stadtteil "Lahnstein auf der Höhe" bieten können. Neben den dort bereits vorhandenen Einrichtungen, unter anderem Hotel, Ferienpark, Kurpark, Gastronomie und Klinik Lahnhöhe, gibt es dort mittlerweile seit Februar 2016 auch einen kommunalen Waldkindergarten. Diese sozial- und naturpädagogische Einrichtung lebt nach dem Motto "Leben drückt sich in der Natur sowie im Menschen selbst aus". Die Einrichtung befindet sich in Trägerschaft der Stadt Lahnstein und wird in Kooperation mit der Dr.-Max-Otto-Bruker-Stiftung betrieben. Eine Verbindung mit der Waldschule in Friedrichssegen wird angestrebt.

Die Dr.-Bruker-Stiftung hat zudem auch den ersten ganzheitlichen therapeutischen Bruker-Garten Deutschlands, erarbeitet nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen, dass Bewegung in der Natur, Freude an der Arbeit im Garten und somit Entspannung ein wahrhaftiges Therapeutikum ist, entwickelt.

Bruker-Haus soll erweitert werden

Im Bruker-Haus, dem "Zentrum für Gesundheit und ganzheitliche Lebensweise", werden seit Jahrzehnten erfolgreich Prophylaxe-Seminare durchgeführt. Ebenfalls ist ärztliche und psychotherapeutische Betreuung gewährleistet. Als Zukunftsperspektive ist hier künftig auch eine Erweiterung der gesamten Anlage (Wohnungen/Wohngemeinschaften mit sozialer Anbindung, Koch- und Backseminare, ökologischer Landbau, vorwiegend Tee- und Küchenkräuter, Waldgesundheit) angedacht. Auch die Möglichkeit, in einer natürlichen Umgebung beigesetzt zu werden (Waldbestattung, Ruhewald), ist künftig auch im Lahnsteiner Wald ein Thema. Demnach soll an einem noch zu bestimmenden Waldgebiet die Möglichkeit von Urnenbeisetzungen unter Bäumen geschaffen werden.

Auch das Thema Sport hat nach wie vor eine hohe Gewichtung im Wald, denn Sport im Wald gewinnt in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Sport im Wald ist gesund und bewegt die Menschen. Sport im Wald fördert aber auch den heimischen Tourismus. Und so gibt es nicht nur bald ein neues und zwischen Forstamt und der Touristinformation der Stadt abgestimmtes Wanderwegekonzept, sondern es werden neue Freizeitangebote angestrebt. Geht es nach den Vorschlägen Labontes, dann soll hier auch bald die einzige Disc-Golf-Anlage in Rheinland-Pfalz entstehen.

tl

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