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Nassau

Netzwerk präsentiert sich: Sozialkompass wirbt für Angebote

Ulrike Bletzer

„Hier kann man jedes Mal noch was dazulernen.“ Eines wird schnell klar, wenn man sich unter den Besuchern des Sozialkompass-Infotags umhört: Nicht wenige von ihnen sind „Wiederholungstäter“. Will heißen: Sie sind auch schon in den drei Jahren zuvor zu dieser Veranstaltung gekommen, die seit 2014 in jedem Herbst vor allem, aber bei Weitem nicht nur ältere Menschen auf soziale Angebote in Nassau und Umgebung aufmerksam machen soll.

Aufmerksam verfolgen die interessierten Gäste im Kulturkeller einen Vortrag im Rahmen des Infotages vom Sozialkompass.  Foto: Ulrike Bletzer
Aufmerksam verfolgen die interessierten Gäste im Kulturkeller einen Vortrag im Rahmen des Infotages vom Sozialkompass.
Foto: Ulrike Bletzer

Zu denen, die bis dato keine Runde ausgelassen haben, gehören beispielsweise die beiden Nachbarinnen und Freundinnen Eugenie Boll und Marianne Steckmann, die sich zum einen ganz allgemein für besagte Hilfsangebote interessieren, zum anderen aber auch, wie in Marianne Steckmanns Fall, ein sehr konkretes Anliegen haben: „Ich möchte bei mir zu Hause eine barrierefreie Badewanne einbauen lassen und will mich hier erkundigen, welche Möglichkeiten es da gibt“, erzählt die 82-Jährige.

Barrierefreie Badewanne – das ist ganz klar ein Fall für Kathi Kunkler von der Landesberatungsstelle „barrierefrei bauen & wohnen“, die zum ersten Mal mit einem Stand beim Nassauer Infotag vertreten ist. „Der Schwerpunkt unserer Tätigkeit liegt darauf, Menschen zu beraten, die so lange wie möglich ohne fremde Hilfe in den eigenen vier Wänden wohnen möchten“, steigt die Architektin in ihren Vortrag ein und fügt hinzu: „Wir schauen uns die Gegebenheiten vor Ort an und machen Vorschläge, wie man einen Umbau so gestalten kann, dass es sowohl im Sinn der Barrierefreiheit als auch hinsichtlich der Pflege sinnvoll ist.“ Die beste Vorgehensweise sei es, sich vom zuständigen Handwerker anhand der von der Landesberatungsstelle erstellten Zeichnung einen Kostenvoranschlag machen zu lassen, um diesen anschließend bei der Pflegeversicherung einzureichen, betont Kathi Kunkler. Und: „Das auf drei Stunden begrenzte Beratungsangebot ist kostenlos und unverbindlich.“

Umzug in den Kulturkeller

Eine auch für die „alten Hasen“ neue Information also. Neu ist indes auch der Ort des Geschehens: Der Infotag ist in diesem Jahr erstmals von der Stadthalle ins Günter-Leifheit-Kulturhaus umgezogen. Was mit der familiäreren Atmosphäre des Kulturkellers, aber auch mit dem überschaubaren Charakter der Veranstaltung zusammenhängen könnte. Zusätzlich hätten kurzfristig einige Aussteller wegen Erkrankung oder personeller Engpässe abgesagt, bedauert Gottfried Kühnau, der Erste Vorsitzende des Vereins Sozialkompass Nassau. So gibt es diesmal nur neun Infostände, die es dank ihrer Bandbreite aber dennoch schaffen, eine Art Querschnitt durch den Sozialkompass abzubilden. Neben der Landesberatungsstelle als Gast aus Mainz sind als Sozialkompass-Mitglieder der VdK-Ortsverband Nassauer Land, die Pura Vita GmbH & Co. KG, das Caritas-Altenzentrum St. Josef, der Pflegestützpunkt Bad Ems-Nassau, die Stiftung Diakoniewerk Friedenswarte mit ihrem Altenpflegeheim Haus Hohe Lay, die Stiftung Scheuern mit ihrer Orthopädie-Schuhtechnik, der Verein der Freunde und Förderer von Bildung und Weiterbildung (VBW) im Nassauer Land und die Initiative 55 plus-minus vor Ort. Klar, die Möglichkeit, für das eigene Angebot zu werben, ist einer der Gründe, weshalb es sich lohnt, hier mitzumachen. Die Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen und Kontakte zu pflegen, ein anderer, ebenso wichtiger. „Sehen und gesehen werden“, sagt Karl Hans Born vom VBW im Nassauer Land dazu, während Roman Storch, Einrichtungsleiter von Haus Hohe Lay, von „Netzwerken“ spricht. Stefan Hauser vom Pflegestützpunkt Bad Ems-Nassau wiederum betont: „Heute habe ich hier mir bisher unbekannte Leute kennengelernt, die im sozialen Bereich tätig sind. Das kann sehr hilfreich sein, wenn es darum geht, Menschen mit einem bestimmten Hilfebedarf an die richtige Stelle weiterzuvermitteln.“

Ein tragender Pfeiler des Infotags, der 2017 in die Demografiewoche Rheinland-Pfalz eingebettet ist, sind zudem die Fachvorträge. Hier informiert Erich Basset über den VdK-Ortsverband Nassauer Land, dessen Vorsitzender er ist, sowie über die Themen Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung – „leider Gottes für viele Menschen Tabuthemen“, wie er beobachtet. „Die Patientenverfügung so gestalten, dass der Arzt sie nachvollziehen kann und, beispielsweise durch einen Hinweiszettel an der Kühlschranktür, dafür sorgen, dass die Angehörigen sie im Zweifelsfall sofort finden“, lauten zwei seiner Praxistipps.

Forum für Menschen

Keine professionellen Betreuungsangebote, sondern ein Forum für Menschen, die sich mit Ideen für eine gemeinsame Freizeitgestaltung einbringen möchten – darum geht es bei der Initiative 55 plus-minus. Zwei der aktuell insgesamt 74 Projekte lernen die Infotagbesucher etwas näher kennen: So stellt Ulrike Steinsberger-Henkel die App „Mein Dorf 55 plus – Trotz Alter bleibe ich“ vor, die der Vereinsamung älterer Menschen auf dem Land auf digitalem Weg entgegenwirkt, und Wilfried Ilgauds geht auf das Projekt „Leben und Wohnen im Alter“ ein, in dessen Zusammenhang die Ortsgemeinde Dessighofen ein Mehrgenerationen-Wohngebiet mit barrierefreien Häusern schaffen will.

Einen „Vortrag“ ganz anderer Art stellen wiederum die beiden Damen vom Caritas-Altenzentrum St. Josef aus Arzbach auf die Beine. Sozialdienstleiterin Bea Behnke und Christiane Jansen, Mitarbeiterin der Sozialen Betreuung, demonstrieren in einem Rollenspiel, wie man im Umgang mit dementen Menschen falsch oder auch richtig agieren kann. Mit einer validierenden, sprich wertschätzenden Sprache nämlich, die selbst einen noch so sehr in seiner eigenen Welt lebenden Menschen zu erreichen vermag. Denn, wie Bea Behnke betont: „Die Gefühle bleiben bis zum Schluss erhalten – egal, wie dement jemand ist.“

Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Bletzer
Bad Ems Lahnstein
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