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Mittelrhein

Nachfolgerin gesucht: Loreley Theresa verlässt ihren Felsen am Mittelrhein

Lisa Heuper

Auch wenn sie heute schon in Jeans auf dem Felsen sitzt und nicht im grün schimmernden Kleid, noch hat die amtierende Loreley Theresa Lambrich ihren goldenen Kamm dabei. Im Juni wird sie aber ihren Felsen verlassen und den Kamm endgültig gegen dicke Wälzer eintauschen, um sich ganz auf ihr duales Studium der öffentlichen Verwaltung zu konzentrieren.

Ab Juni dieses Jahres wird Loreley Theresa Lambrich sich nur noch auf ihre dicken Wälzer zum Studium konzentrieren und ihren goldenen Kamm an eine Nachfolgerin abgeben, die in den kommenden Jahren das Tal der Loreley repräsentieren wird.  Foto: Andreas Jöckel
Ab Juni dieses Jahres wird Loreley Theresa Lambrich sich nur noch auf ihre dicken Wälzer zum Studium konzentrieren und ihren goldenen Kamm an eine Nachfolgerin abgeben, die in den kommenden Jahren das Tal der Loreley repräsentieren wird.
Foto: Andreas Jöckel

Es schwingt Bedauern mit, wenn sie an das Ende ihrer Amtszeit denkt: „Es ist einfach so schön, als Loreley in der Region unterwegs zu sein, das wird mir sehr fehlen.“ Dennoch, man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist, und drei Jahre sieht die 22-Jährige dafür als die perfekte Zeitspanne an – „die Leute sollen einen ja noch ertragen können“, lacht sie.

Stressausgleich

Auch für den damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier war der Besuch bei Theresa auf der Loreley eine schöne Abwechslung. Foto: Andreas Jöckel
Auch für den damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier war der Besuch bei Theresa auf der Loreley eine schöne Abwechslung.
Foto: Andreas Jöckel

Als frischgebackene Abiturientin hatte sie im Mai 2015 den Kamm von Vorgängerin Julia Hißnauer übernommen und seitdem jährlich über 70 Auftritte absolviert, die Mehrzahl davon in den Sommermonaten. Als ehrenamtliche Repräsentantin der Region Welterbe Oberes Mittelrheintal muss man viel Zeit investieren, „aber man kriegt so viel zurück!“, schwärmt Theresa. „Wenn man für eine Veranstaltung als Loreley einen privaten Termin verpasst, muss man kurz die Zähne zusammenbeißen, aber wenn man dann da ist, ist es das immer wert.“ Genau dieser Aufwand schreckt allerdings viele Bewerberinnen ab, die sich ungern für längere Zeit verpflichten wollen. Theresa sieht das anders: Sie habe das Amt nie als Belastung empfunden, sondern im Gegenteil eher als Ausgleich zum Lernstress.

Für die junge Frau aus Filsen ist mit dem Amt ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Schon als kleines Mädchen war sie in ihrem Heimatort wegen ihres Aussehens als „kleine Loreley“ bekannt. Besonders ihrer Oma, die ihr die blonden Haare vererbt hat, sei sie es daher schuldig gewesen, sich zu bewerben – auch, wenn diese die Inthronisierung ihrer Enkelin leider nicht mehr miterlebte.

Prominente Gäste und ferne Länder

Beim Feuerfest auf der südkoreanischen Partnerinsel Jeju freut sich Loreley Theresa mit dem amtierenden Bürgermeister. Foto: Loreley-Touristik
Beim Feuerfest auf der südkoreanischen Partnerinsel Jeju freut sich Loreley Theresa mit dem amtierenden Bürgermeister.
Foto: Loreley-Touristik

In den vergangenen drei Jahren hat Theresa als 16. Loreley viel erlebt, und es fällt ihr sichtlich schwer, sich auf ein Highlight dieser Zeit festzulegen. Ein besonders prägendes Erlebnis sei auf jeden Fall der Besuch in der südkoreanischen Partnerregion Jeju gewesen. Da der Austausch alle zwei Jahre fest auf dem Programm steht, rät sie ihrer Nachfolgerin mit einem Augenzwinkern, früh zu üben, wie man mit Stäbchen isst. Auch die Begegnung mit dem damaligen Außenminister und heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier auf dem Loreley-Plateau, mehrere Treffen mit der rheinlandpfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer sowie eine Einladung von Roger Lewentz zur Innenministerkonferenz in Koblenz und drei Termine in Berlin zählt die Filsenerin zu den persönlichen Höhepunkten ihrer Amtszeit. Am meisten aber genießt sie es, in ihrer Heimat am Mittelrhein unterwegs zu sein. Angefangen von ihrem ersten Termin, einer Schiffstaufe, über die Eröffnung von Winzerfesten bis hin zum jährlichen Rheinland-Pfalz-Tag, regionalen Feiern und Medieninterviews. Über die Jahre habe sie „vor allem viele Leute aus der Region kennen und schätzen gelernt.“

Es zählt die "mittelrheinische Gelassenheit"

„Für Kinder war ich immer besonders gerne die Loreley, weil sie für den Mythos extrem empfänglich sind“, erzählt Theresa Lambrich. Foto: Andreas Jöckel
„Für Kinder war ich immer besonders gerne die Loreley, weil sie für den Mythos extrem empfänglich sind“, erzählt Theresa Lambrich.
Foto: Andreas Jöckel

Für die zukünftige Loreley hat Theresa einige Tipps zur Hand: Nicht kontaktscheu sein, sich selbst nicht zu ernst nehmen, und vor allem, die Zeit einfach genießen. „Ich habe mir im ersten Jahr viel zu viele Gedanken gemacht, dabei war das total unnötig“, stellt sie rückblickend fest. Abgesehen von den offiziellen Auswahlkriterien – mindestens 18 Jahre alt, mobil und in der Region verwurzelt – nennt sie daher die „mittelrheinische Gelassenheit“ als wichtige Eigenschaft. Außerdem sollte man keine Höhenangst haben, schließlich befindet sich der berühmte Loreleyfelsen viele Meter über dem Rhein und muss auch mal in Pumps bestiegen werden.

Singen musste die Loreley, die der Sage nach mit ihrer Stimme zahlreichen Schiffern den Kopf verdrehte, ihr Lied übrigens in drei Jahren übrigens nur ein einziges Mal: bei ihrer Inthronisierung, fürs Radio.

Von unserer Mitarbeiterin Lisa Heuper

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