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    Marienfels/Miehlen

    Nach Fund eines goldenen Rings: Archäologen sind auf der Suche nach Gabi

    Bei den Ausgrabungen im Zuge des Baus der Umgehungsstraße Miehlen–Marienfels ist ein goldener Ring entdeckt worden. Die Archäologen suchen nun nach dem Eigentümer des modernen Schmuckstücks. Ein Anhaltspunkt: die Inschrift "Gabi".

    Wem gehört der Ring mit der Inschrift "Gabi", den Archäologen bei Grabungen nahe Marienfels gefunden haben? Das möchte das Archäologenteam von der Direktion Landesarchäologie herausfinden, zu dem auch Fiona Vernon und Luka Hahn gehören. Foto: Direktion Landesarchäologie
    Wem gehört der Ring mit der Inschrift "Gabi", den Archäologen bei Grabungen nahe Marienfels gefunden haben? Das möchte das Archäologenteam von der Direktion Landesarchäologie herausfinden, zu dem auch Fiona Vernon und Luka Hahn gehören.
    Foto: Direktion Landesarchäologie

    Ein goldener Ring im Bereich des einstigen Römerkastells bei Marienfels - die Freude über den Fund war zunächst groß. Doch nach genauerem Hinsehen war die Entdeckung nicht mehr ganz so spektakulär: "Der Kollege hat dann mit betretener Miene gesagt: Der ist nicht römisch, ich glaub, der ist modern", erinnert sich Andreas Schaflitzl, der die archäologischen Ausgrabungen bei Marienfels leitet.

    Ende Juli haben die Bauarbeiten für die Umgehungsstraße Marienfels/Miehlen begonnen. Wenn sie 2021 fertiggestellt ist, soll die Umgehung knapp fünf Kilometer lang sein und 20 Millionen Euro gekostet haben - ein Großprojekt. Doch so einfach drauflosbauen durfte der Landesbetrieb Mobilität aus Diez nicht. Zuerst hat ein Team der Direktion Landesarchäologie die geplante Trasse nach archäologischen Funden abgesucht.

    Dabei sind die Archäologen auf ein drittes, bisher unbekanntes Kastell bei Marienfels, das Fundament eines römischen Kornspeichers, zwei Grabstätten sowie bronzezeitliche Siedlungen gestoßen. Und eben auf besagten Ring. Der ist zwar nicht römisch - Schaflitzl hält ihn für einen Ehering aus den 70er- oder 80er-Jahren - aber er treibt die Wissenschaftler dennoch um.

    Das Denkmalschutzgesetz regelt zwar, dass Funde, die so lange verborgen waren, dass ihr Besitzer nicht mehr ausfindig gemacht werden kann, ins Eigentum des Landes übergehen. "Aber ich denke, wir haben hier eine Chance, dass der Eigentümer oder seine Partnerin vielleicht noch herauszufinden sind", sagt Peter Henrich, Leiter der Außenstelle Koblenz der Direktion Landesarchäologie. Denn es gibt einen konkreten Anhaltspunkt: Der Ring enthält die Inschrift "Gabi".

    Andreas Schaflitzl und sein Team haben sich vor Ort bereits etwas umgehört. Ein Landwirt, den sie angesprochen haben, kenne eine Gabi. "Da gab es wohl eine Ehe, die auseinandergegangen ist", sagt Schaflitzl. Aber ob es sich tatsächlich um diese Gabi handelt? Die Archäologen wissen es nicht. Fest steht aber: "Wir finden auf einem Acker sehr, sehr viele neuzeitliche Funde", erläutert Peter Henrich.

    Denn was heute die Mülltonne ist, war früher der Misthaufen, sagt der Archäologe. Und so haben zahlreiche entsorgte Gegenstände über den Dung ihren Weg auf die Felder gefunden. Oder Sie gingen verloren - so könnte dem Besitzer Gabis Ring auch beim Reparieren eines Traktors vom Finger gerutscht sein, mutmaßt Henrich.

    Tief in der Erde vergraben war der goldene Ring jedenfalls nicht. Er befand sich in der obersten Erdschicht, die die Archäologen zuerst mit dem Bagger abziehen, um auf die Ebene mit den Funden zu kommen. "Das sind etwa 30 Zentimeter", erklärt Henrich. "Der Bereich, der mit dem Pflug immer wieder umgewälzt wird." Bei einem der abgetragenen Erdhaufen schlug der Metalldetektor schließlich Alarm. Neben Gabis Ring haben die Wissenschaftler auch eine Gürtelschnalle zutage befördert - diese könnte aber durchaus römischen Ursprungs sein.

    "Bei den Grabungen arbeiten wir intensiv mit dem Metalldetektor", erklärt Peter Henrich. Denn kleine Münzen seien oft mit bloßem Auge nicht zu finden. Und zudem soll der Räuberei auf den Grabungsfeldern vorgebeugt werden. "Es gibt ja auch Leute, die diese Metallsuchgeräte illegal benutzen und Funde entfernen wollen", so der Archäologe.

    Daher gelte es, vorher alles selbst zu finden, was mit einem Detektor gefunden werden kann. "Und wir finden absolut alles", versichert Andreas Schaflitzl mit einem Lächeln auf den Lippen. "Auch das, was wir nicht suchen", ergänzt Peter Henrich.

    • Wer Eigentümer des Rings ist und eine genauere Beschreibung der Inschrift abgeben kann, erreicht die Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz, unter der Telefonnummer 0261/667 530 00.

    Keine Schatzsuche ohne Genehmigung

    Die Suche nach Kulturdenkmälern und archäologischen Objekten, vor allem mit Metalldetektoren, ist in Rheinland-Pfalz genehmigungspflichtig. Hätte der Eigentümer von Gabis Ring selbst mit einem Detektor auf dem Acker gesucht, hätte er eine Genehmigung der Unteren Denkmalbehörde, also der Kreisverwaltung benötigt, erklärt Peter Henrich, Leiter der Außenstelle Koblenz der Direktion Landesarchäologie. Teile der Ausgrabungen finden in der Pufferzone des Weltkulturerbes statt. „Speziell im Welterbe, aber auch auf anderen Bodendenkmälern, brauchen Sie eine, weil die Gefahr besteht, dass Sie auch archäologische Funde machen.“ Ohne Genehmigung stellt das Suchen eine Ordnungswidrigkeit dar. Auch der Grundstückseigentümer muss vorab gefragt werden. Doch wem gehört ein archäologisches Fundstück? Dem Land, dem Grundbesitzer oder dem Finder? Das regelt Paragraf 20 des Denkmalschutzgesetzes, das sogenannte Schatzregal. Funde, deren Eigentümer nicht mehr ermittelt werden können, aber einen besonders hohen wissenschaftlichen Wert haben, gehören danach dem Land. „Der Finder soll im Rahmen der verfügbaren Mittel des Landeshaushalts eine Belohnung erhalten“, heißt es dort.

    Von unserer Redakteurin Cordula Sailer

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