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Mittelrhein

Mittelrhein muss jetzt Gas geben: Der Countdown für die Buga 2029 läuft

Andreas Jöckel

Die Entscheidung im Welterbe Oberes Mittelrheintal ist gefallen: Jetzt läuft der Countdown für die Buga 2029, die dem Tourismus für die kommenden Jahrzehnte neue Impulse geben und die Lebensqualität der Einheimischen bereichern soll. Das hat die Versammlung des Welterbe-Zweckverbandes am Montagabend in Kestert beschlossen.

Innenminister Roger Lewentz (links) und der Vorstand der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz, Rainer Zeimentz, versehen ein Plakat mit dem Hinweis, dass die Buga am Mittelrhein bereits 2029 stattfinden wird. Insgesamt 100 Plakate werben in der Region für das Projekt. Foto: Innenministerium RLP
Innenminister Roger Lewentz (links) und der Vorstand der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz, Rainer Zeimentz, versehen ein Plakat mit dem Hinweis, dass die Buga am Mittelrhein bereits 2029 stattfinden wird. Insgesamt 100 Plakate werben in der Region für das Projekt.
Foto: Innenministerium RLP

Am Tag nach der Entscheidung des Welterbe-Zweckverbandes, die ursprünglich für 2031 geplante Großveranstaltung zwischen Koblenz und Rüdesheim um zwei Jahre vorzuziehen, startete Buga-Initiator Innenminister Roger Lewentz eine Plakatkampagne, die auf das Projekt aufmerksam machen und für ein „Wir-Gefühl“ im Mittelrheintal werben soll. „Wir freuen uns auf die Buga“ steht auf 100 Plakaten mit vier Motiven – neben der Loreley sind dies das Deutsche Eck in Koblenz, der Binger Mäuseturm und der Niederwaldtempel im Ostein'schen Park in Rüdesheim.

Sandner: Das ist bei Ihnen machbar

Vor der Abstimmung in Kestert hatte der Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG), Jochen Sandner, den Delegierten im Bürgerhaus noch einmal Mut für 2029 gemacht. Die Idee, dem Welterbe anstelle Münchens die Option 2029 anzubieten, sei am 16. Mai bei der Reise durchs Tal mit Präsentation der Bewerbung spontan entstanden: „Das war eine hervorragend organisierte Veranstaltung mit einem tollen Geist. Wir haben so etwas in dieser Art noch nicht erlebt.“ Das DBG-Team sei zudem von der „hervorragenden Machbarkeitsstudie“ inklusive Finanzierungsmodell beeindruckt gewesen. „Wenn wir seitens der DBG anhand unserer Erfahrungswerte nicht das Gefühl gehabt hätten, das ist bei Ihnen machbar, hätten wir Ihnen diesen Vorschlag auch nicht gemacht.“

Buga GmbH startet früher

Klar für die Vorverlegung hatte sich im Vorfeld auch das Autorenteam der Machbarkeitsstudie ausgesprochen, die bei einem Budget von 108 Millionen Euro drei regionale Schwerpunkte im Norden, im Zentrum und im Süden des Welterbegebietes sowie schwimmende Blumenhallen und Wassertaxis als Alleinstellungsmerkmal vorsieht. Clas Scheele vom Büro RMP Lenzen stellte noch einmal die zusätzliche Expertise für 2029 vor. Demnach bedeutet die Vorziehung keine kürzere Vorbereitungszeit für eine Buga-Gesellschaft. Denn für 2031 war vorgesehen, dass das operative Geschäft erst 2022 nach einer Phase der kommissarischen Geschäftsführung durch die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz beginnt. Erste Wettbewerbsausschreibungen für Projektgestaltungen waren ab 2024 vorgesehen. Beides könne nun auf 2020 beziehungsweise 2022 vorgezogen werden. Zwar räumt Scheele ein, dass den Kommunen weniger Zeit für Grundstückserwerb oder die Umsetzung eigener Projekte bleibe. Zum einen könne aber eine Buga zusätzlichen Druck im Kessel erzeugen, um Vorhaben schneller umzusetzen. Zum anderen könne die Buga langfristigere Projekte anstoßen, die nicht zwingend 2029 realisiert sein müssen.

Budget bleibt unverändert

Das Budget von 108 Millionen Euro (Bundesländer: 54,9 Millionen Euro, Kommunen: 14,4 Millionen Euro, erwartete Einnahmen: 38,7 Millionen Euro) bleibe bestehen. Allerdings beginnen die Kommunen für die Finanzierung ihres Eigenanteils eine Ansparphase mit anschließender Tilgung über 35 Jahre nicht erst 2020, sondern bereits 2019.

Bei der Abstimmung gab es zwar auch 22 Gegenstimmen, die im Wesentlichen auf die Stadt Lahnstein (9) und die VG Rhein-Nahe (8) zurückzuführen sind. Aber Lahnsteins Oberbürgermeister Peter Labonte (CDU) stellte klar, dass er selbst für 2029 gestimmt habe und die Mehrheit des Stadtrates keineswegs gegen die Buga sei, sondern sich mehr Vorbereitungszeit gewünscht hätte.

Vertragsentwürfe werden geprüft

Nächster Schritt ist nun die Gründung der Buga GmbH im kommenden Jahr. Laut Zweckverbandsvorsteher Frank Puchtler sind die ersten Vertragsentwürfe bereits ausgearbeitet und werden von einem Wirtschaftsprüfer sowie der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion geprüft, bevor sie der Versammlung vorgelegt werden.

Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

Kommentar: Eigeninitiativen sind gefragt

Andreas Jöckel über die Buga 2029

Freudige Nervosität herrschte bei allen Beteiligten am Abend der Entscheidung. So dürfte auch ein kleiner Rechenfehler beim Abstimmungsergebnis zu erklären sein, das bekannt gegeben wurde: Tatsächlich waren es nicht 85,3, sondern sogar 87,1 Prozent der abgegebenen stimmen für die Buga 2029. Von ein oder zwei Prozentpunkten abgesehen, ist aber wichtig zu wissen, dass sich eine wirklich große Mehrheit im Welterbe Oberes Mittelrheintal nach 2011 in Koblenz auf eine weitere Buga in der Region freut. Auch im Zweckverband hatten sich dafür im April grundsätzlich 98,4 Prozent der Delegierten ausgesprochen.

Die Vorfreude darauf ist groß, mehr aus einer Region zu machen, die so viel an landschaftlicher Schönheit und eine einmalige Burgendichte zu bieten hat. Wo man selbst oft überrascht ist, dass man unweit pulsierender Verkehrsadern so tief im Naturerlebnis versinken kann. Die DBG hat erkannt, wie viel Potenzial in der Region in Kombination mit den städtischen Strukturen an Nord- und Südtor steckt. Aber die Buga ist nur ein Baustein von vielen. Nur mit Eigeninitiativen von Kommunen, Bürgern und Privatinvestoren wird das Projekt erfolgreich sein.

Die Stimmenverteilung im Welterbe-Zweckverband

Nach der Anerkennung des Oberen Mittelrheintals als Welterbe im Jahr 2002 wurde 2005 der Zweckverband mit Sitz in St. Goarshausen gegründet.

Auf der als Welterbe definierten Gebietsfläche von etwa 620 Quadratkilometern leben circa 170.000 Menschen. Im Zweckverband sind alle Gebietskörperschaften des 67 Kilometer langen Rheinabschnittes zwischen Bingen/Rüdesheim und Koblenz vertreten. Daraus ergeben sich 58 Mitglieder, die in der Verbandsversammlung mit unterschiedlicher Stimmengewichtung vertreten sind. Die insgesamt 202 Stimmen setzen sich wie folgt zusammen:

Bundesländer (32 Stimmen): Rheinland-Pfalz (30), Hessen (2)

Landkreise (42): Mainz-Bingen (14), Rhein-Lahn-Kreis (13), Rhein-Hunsrück-Kreis (9), Rheingau-Taunus-Kreis (4), Kreis Mayen-Koblenz (2).

Verbandsgemeinden (25): Loreley (9), Rhein-Nahe (8), St. Goar-Oberwesel (5), Rhein-Mosel (3)

Städte (68): Koblenz (18), Bingen (12), Lahnstein (9), Boppard (8), Rüdesheim (8), Lorch (6), Bacharach (1), Braubach (1), Kaub (1), Oberwesel (1), St. Goar (1), St. Goarshausen (1), Rhens (1)

Ortsgemeinden mit je einer Stimme (35): Auel, Bornich, Breitscheid, Brey, Dachsenhausen, Dahlheim, Damscheid, Dörscheid, Filsen, Kamp-Bornhofen, Kestert, Lierschied, Lykershausen, Manubach, Münster-Sarmsheim, Niederburg, Niederheimbach, Nochern, Oberdiebach, Oberheimbach, Osterspai, Patersberg, Perscheid, Prath, Reichenberg, Reitzenhain, Sauerthal, Spay, Trechtingshausen, Urbar, Waldalgesheim, Weiler bei Bingen, Weisel, Weyer und Wiebelsheim. aj

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