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Nastätten

Medienscouts an der NAOS: Sie erklären Mitschülern das Internet

Auf die Frage, wer ein Handy besitzt, gingen in den fünften Klassen noch vor wenigen Jahren drei, vier Finger nach oben. „Beim letzten Mal gingen in einer Klasse alle Finger hoch“, erzählt Andreas Göderz, Mathe- und Französischlehrer an der Nicolaus-August-Otto-Schule (NAOS) in Nastätten. Für ihn ist das ein eindeutiges Zeichen: Der Medienkonsum der Schüler ist stark angewachsen und damit auch die Nutzung sozialer Netzwerke.

Klären als Medienscouts ihre Mitschüler an der Nicolaus-August-Otto-Schule in Sachen Social Media auf (vorne von links): Fabienne Süß, Thomas Dreger und Jasmin Hobucher. Unterstützt werden sie vom Leiter der AG Digitale Bildung, Andreas Göderz (hinten links), und auch von Schulleiter Ulrich Landes.  Foto: Cordula Sailer
Klären als Medienscouts ihre Mitschüler an der Nicolaus-August-Otto-Schule in Sachen Social Media auf (vorne von links): Fabienne Süß, Thomas Dreger und Jasmin Hobucher. Unterstützt werden sie vom Leiter der AG Digitale Bildung, Andreas Göderz (hinten links), und auch von Schulleiter Ulrich Landes.
Foto: Cordula Sailer

„Deswegen ist digitale Bildung und Aufklärung umso wichtiger“, sagt Göderz. Seit 2013 ist er an der NAOS und betreut seitdem die Arbeitsgemeinschaft (AG) „Medienschutz & Digitale Bildung“. Dort engagieren sich derzeit zehn Jugendliche aus den Jahrgangsstufen 10 bis 13 als sogenannte Medienscouts. „Scout“ bedeutet so viel wie Aufklärer: Jeden Mittwoch in der zweiten großen Pause bieten die Medienscouts eine Sprechstunde an. Darin schulen sie Mitschüler im richtigen Umgang mit neuen Medien und beraten sie bei Problemen. Wenn nötig, statten sie auch Besuche in den einzelnen Klassen ab.

Hoch im Kurs stehen bei den Schülern Messenger und Online-Dienste wie Facebook, WhatsApp, Snapchat oder Instagram. Darüber werden Nachrichten verschickt oder Fotos und Videos mit anderen Usern geteilt. Warum die Anwendungen so beliebt sind? „Es ist halt bequemer“, nennt Göderz einen Grund. Denn wer sich mit seinen Freunden verabreden will, kann Treffpunkt und Uhrzeit einfach in die gemeinsame WhatsApp-Gruppe schreiben. Alle Gruppenmitglieder können die Nachricht lesen. „Das ist dann viel besser, wie wenn ich jeden anrufen muss“, sagt der Lehrer. Daher laute die Botschaft an die Schüler auch nicht: Kurznachrichtendienste wie WhatsApp sind schlecht. Sondern: „Nur der falsche Umgang ist schlecht“, betont Göderz.

Und wie die falsche Nutzung sozialer Medien aussehen kann, darüber wissen die Medienscouts gut Bescheid. Nicht nur in ihrer AG sind sie entsprechend geschult worden; Göderz hat mit seiner Gruppe auch schon eine externe Schulung über das gleichnamige Landesprogramm „Medienscouts“ besucht, über das auch er selbst sich fortgebildet hat.

Suchen Schüler bei der AG Hilfe, geht es oft um Cybermobbing und Sexting. Im ersten Fall handelt es sich um Mobbing, das nicht auf dem Schulhof stattfindet, sondern in virtuellen Räumen. Die Betroffenen werden also in sozialen Netzwerken über einen längeren Zeitraum zum Beispiel gezielt schikaniert oder beleidigt. Mit Sexting ist das Verschicken intimer Fotos gemeint. Dabei setzen sich die Schüler aber der Gefahr aus, dass Nacktfotos, die etwa für den Freund bestimmt waren, ohne ihr Einverständnis weitergeschickt werden und im Internet auf Social-Media-Plattformen kursieren.

Wie es so weit kommen kann, weiß Fabienne Süß aus der AG für digitale Medien. So mancher Schüler, der Fotos über die App Snapchat versendet, wiege sich beispielsweise in einer falschen Sicherheit. Zwar löschen sich die Bilder, die man damit an einen Freund schickt, innerhalb von ein paar Sekunden automatisch wieder. „Aber diese Person könnte die Bilder auch screenshoten“, erklärt die Zehntklässlerin – also ein Bild des Smartphonebildschirms anfertigen, bevor das Foto gelöscht wird. Mitschülerin Jasmin Hobucher erklärt, dass es inzwischen sogar eine spezielle App gibt, welche die Fotos abfilmt, bevor sie verschwinden. Und ganz generell sollte man darauf achten, welche Bilder man auf Plattformen wie Instagram online stellt. „Das kann der Arbeitgeber später alles nachgooglen und das ist für immer im Internet“, betont Jasmin.

Wer im Netz bedrängt wird, „sollte sich zu allererst einen Ansprechpartner suchen“, rät 13.-Klässler Thomas Dreger, der ebenfalls in der AG für Digitale Bildung mitarbeitet. Wer nicht sofort mit den Eltern über seine Probleme im Netz sprechen möchte, kann sich Rat bei ihm und den anderen Medienscouts einholen. Gemeinsam geht es dann ans Abwägen der nächsten Schritte. Wird ein Schüler beispielsweise in einer WhatsApp-Gruppe gemobbt, würde Thomas ihm raten: „Schreib, dass du das nicht möchtest, tritt aus der Gruppe aus.“ Ganz wichtig sei es, Beweise zu sichern. Gesprächsverläufe sollten etwa durch Screenshots dokumentiert werden. „Damit man wenigstens was in der Hand hat“, erklärt Thomas. Denn leere Vorwürfe würden dem Betroffenen schließlich nicht weiterhelfen.

„Wenn die erste Anlaufstelle die Medienscouts sind, wird schon viel abgefangen“, sagt Schulleiter Ulrich Landes. Sich Gleichaltrigen mitzuteilen falle oftmals leichter. Seien die Vorfälle aber gravierend, unterstützen auch Andreas Göderz, die Klassenlehrer sowie die Schulsozialarbeiterin die Schüler-AG; auch die Eltern werden informiert. Im äußersten Fall wird die Polizei eingeschaltet.

Denn das Internet ist kein rechtsfreier Raum: Bild- oder Persönlichkeitsrechte können verletzt werden oder böse Einträge, die nicht der Wahrheit entsprechen, gar den Straftatbestand der üblen Nachrede erfüllen. Um alle Schüler frühzeitig für Gefahren im Netz zu sensibilisieren, besucht die AG „Medienschutz & Digitale Bildung“ auch alle fünften Klassen. Gemeinsam mit seinen Medienscouts hat Andreas Göderz dazu auch eine Infobroschüre angefertigt, in der erklärt wird, was Cybermobbing und Sexting bedeuten und wie man den Phänomenen am besten begegnet. Die Kinder schreiben sogar einen Test darüber. „Und der muss bestanden werden“, sagt Göderz. Ansonsten muss er wiederholt werden. Wer die Prüfung besteht, bekommt einen Medienführerschein der NAOS überreicht. Aufgegriffen wird das Thema Medienkompetenz dann auch noch mal in der Projektwoche für die 6. und 7. Jahrgangsstufe.

Als Faustregel, was im Internet veröffentlicht werden sollte und was nicht, gibt die Infobroschüre den Schülern folgendes an die Hand: Sie sollen sich vorstellen, auf einer großen Bühne vor vielen Menschen zu stehen. Freunde, Familie, Lehrer und der künftige Chef sind darunter. „Nur das, was du dich trauen würdest, jetzt ins Mikrofon zu sprechen oder als Bilder und Videos von dir allen Menschen im Publikum zu zeigen“, heißt es in der Broschüre, nur das „solltest du auch online stellen beziehungsweise weiterverschicken.“

Von unserer Redakteurin Cordula Sailer

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