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Braubach

Mauer an der Marksburg bröckelt: Das Pulvereck wird saniert

Keine Frage: Wer sich um den Erhalt von gleich zwei Burgen kümmern muss, kommt aus der Arbeit nicht raus. So hat die Deutsche Burgenvereinigung in den vergangenen Jahren eine Menge Geld für Sanierungsmaßnahmen an Schloss Philippsburg in die Hand genommen. Während aber in der Anlage am Rhein voraussichtlich dieses Jahr mit der Instandsetzung des Hauses Nummer 5 erst mal ein Strich unter das Projekt gezogen wird, geht es hoch über der Stadt in der Marksburg schon wieder frisch ans Werk. Im Fokus: das Pulvereck.

Die insgesamt etwa 170 Meter lange Wehrmauer wurde im 17. Jahrhundert als Teil der Fortifikationsanlage um die mittelalterliche Marksburg gebaut, um sie vor Kanoneneinschlägen zu schützen. Weil Brocken locker sind, muss das Bauwerk nun saniert werden.  Foto: Michaela Cetto
Die insgesamt etwa 170 Meter lange Wehrmauer wurde im 17. Jahrhundert als Teil der Fortifikationsanlage um die mittelalterliche Marksburg gebaut, um sie vor Kanoneneinschlägen zu schützen. Weil Brocken locker sind, muss das Bauwerk nun saniert werden.
Foto: Michaela Cetto

Denn an dem Bauwerk, das einst die Burg vor Angriffen schützen sollte, nagt der Zahn der Zeit. Vor allem die 30 Meter hohe Ostfassade der erst im Barock an die Mittelalterburg angebauten Fortifikationsanlage muss zügig in Angriff genommen werden. „Da sind einige Mauerbrocken lose, und darunter verläuft der Rheinsteig“, erklärt Gerhard Wagner, Geschäftsführer der Burgenvereinigung und damit Burgvogt, die Dringlichkeit. „Deswegen ziehen wir die Ostfassade vor und finanzieren die Sanierung zunächst ohne öffentliche Mittel.“ Das war zwar so nicht geplant, aber auf die neue Regierung und ein von ihr angestoßenes neues Denkmalpflege-Sonderprogramm könne die Maßnahme nicht warten. Geschätzte Kosten: gut 80 000 Euro. Gerade die Ostfassade ist mit ihren 30 Metern das höchste Stück der etwa 170 Meter langen Schutzmauer, die an anderen Stellen lediglich zwei Meter Höhe beträgt.

Die Kosten für die Gesamtmaßnahme an Gebäude und Mauer schätzt Wagner auf eine halbe Million Euro – ein echtes Großprojekt für den Verein also. „Zum Glück erfreut sich die Marksburg seit Jahren konstant großer Beliebtheit“, räumt der Geschäftsführer ein. Allein 2017 zählte das Burgen-Team 180 000 Besucher.

Und die interessieren sich freilich für Ritter, Burgfräulein und das Leben im Mittelalter und nicht so sehr für die Wehranlage aus dem Jahr 1660. Deswegen steht das Pulvereck normalerweise nicht sehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit. „Nichtsdestotrotz müssen wir uns natürlich darum kümmern“, betont Wagner. Im 17. Jahrhundert wurde rheinauf, rheinab mit dem Bau der Fortifikationsanlagen begonnen, um die Burgen vor Kanoneneinschlägen zu schützen. Im Mittelalter kämpften die Menschen noch ohne Feuerwaffen. Kanonenkugeln aber durchbrachen die Burgmauern vergleichsweise leicht, und es gab nur zwei Möglichkeiten: Man baute die Burg zur Festung um oder gab sie auf. Davon zeugen noch heute viele Burgruinen. „Weil die Marksburg aber militärisch gesehen nicht wichtig genug war, wurde der Bau der Befestigung zum Glück nicht weiter verfolgt“, erklärt Wagner. „Sonst gäbe es hier heute vielleicht eine ähnliche Festungsanlage wie auf dem Ehrenbreitstein in Koblenz.“ So aber wurde die Marksburg zu d e r Symbolburg des Mittelalters am Mittelrhein.

Zur Wehranlage der Marksburg gehört neben dem Pulvereck noch das sogenannte Scharfe Eck, die Schanze und die Poterne. Letzteres ist ein überdachter Gang, auf dem heute Gäste der Burg auf der Besucherterrasse entspannen können. Neben der Außen-Sanierung des Pulverecks plant die Burgenvereinigung aber auch noch eine publikumswirksame Neuerung: „Wir wollen das Pulvereck als Ausstellungsraum erschließen.“ In Zukunft wird dort eine Ausstellung zum Strafvollzug im Wandel der Zeit zu sehen sein – also das, was man gemeinhin und nicht ganz richtig als „Folterkammer“ bezeichnet. Für die Fassadenrestaurierung ist ein Architekt bereits beauftragt, und das Konzept steht. Vor April, Mai sollen aber die Außenarbeiten nicht beginnen, weil die Mauer mit Kalkmörtel ausgefugt werden muss. Und das geht eben nur im konstanten Temperaturplus. „Die Arbeiten werden keine Auswirkungen auf die Gäste haben“, verspricht Wagner.

Aber: Besagte Gäste dürfen sich in Kürze auf eine weitere neue Attraktion in der Marksburg freuen. Die seltene und wertvolle Gimbel’sche Sammlung der Rüstungen und Waffen aus dem Jahr 1880 soll in neuem Glanz erstrahlen und der Wertigkeit der Exponate entsprechend präsentiert werden.

Von unserer Redakteurin Michaela Cetto

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