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Mittelrhein

Managementplan fürs Obere Mittelrheintal: Wie sehr darf sich ein Welterbe wandeln?

Andreas Jöckel

Das Welterbe Oberes Mittelrheintal zwischen Bingen/ Rüdesheim und dem Deutschen Eck darf kein „Museum“ werden – es soll lebendig bleiben und sich weiterentwickeln. Der Knackpunkt: Das Wesen der Kulturlandschaft darf dadurch nicht entscheidend beeinträchtigt werden. Eine schwierige Aufgabe. Ein Managementplan soll daher den Verantwortlichen künftig die Beurteilung erleichtern, ob Projekte im Welterbe verträglich sind – oder eben nicht.

Blick über das Obere Mittelrheintal vom Spitznack in Richtung Loreley: Im Rahmen eines Managementplans soll gemeinsam mit der Unesco eine Methodik entwickelt werden, die ermöglicht, künftige Projekte zwischen Rüdesheim/Bingen und Koblenz im Hinblick auf ihre Welterbeverträglichkeit zu beurteilen. Foto: Andreas Jöckel
Blick über das Obere Mittelrheintal vom Spitznack in Richtung Loreley: Im Rahmen eines Managementplans soll gemeinsam mit der Unesco eine Methodik entwickelt werden, die ermöglicht, künftige Projekte zwischen Rüdesheim/Bingen und Koblenz im Hinblick auf ihre Welterbeverträglichkeit zu beurteilen.
Foto: Andreas Jöckel

Die Länder Rheinland-Pfalz und Hessen haben jetzt die Ausschreibung eines solchen Managementplans gestartet. Noch im Sommer dieses Jahres soll der Auftrag vergeben werden. Bis Ende Oktober 2019 soll das Werk fertig sein. Vonseiten der Unesco wird ein solches Planungsinstrument für Welterbestätten ausdrücklich gefordert.

Das Wesen bewahren

Vom Wesen her ist das Obere Mittelrheintal, das nicht zuletzt wegen seiner rund 40 Höhenburgen weltberühmt ist, ein herausragendes Beispiel für einen über Jahrhunderte gewachsenen Lebens- und Verkehrsstil in einem engen Flusstal, das von jeher ein bedeutender Handelsweg war. Die von der Natur gesetzten Rahmenbedingungen brachten eine einzigartige Kulturlandschaft mit terrassiertem Wein- und Obstanbau an den Steilhängen hervor. Alle Merkmale zusammengenommen bilden im Fachjargon der Unesco den „außergewöhnlichen universellen Wert“ des Kulturguts, der bewahrt werden muss.

Weiterentwicklung tut not

Andererseits sind große Teile des 67 Kilometer langen Rheinabschnitts heute aufgrund der demografischen Entwicklung vom Aussterben bedroht. Tourismus ist in dem engen Tal der einzig mögliche Wirtschaftsfaktor, Wohnqualität mit guter Verkehrsanbindung überlebensnotwendiger Standortfaktor.

Weiterentwicklung tut also not, wenn es künftig auch noch Erben im Welterbe geben soll. Doch alle Projekte müssen auf ihre Welterbeverträglichkeit hin überprüft werden. Im Managementplan sind dazu mehrere Herangehensweisen denkbar, deren Methodik mit der Unesco abgestimmt wird. So könnten etwa Bereiche definiert werden, die aufgrund ihrer Bedeutung gar nicht angetastet werden dürfen, und wiederum andere, wo beispielsweise Hotel- oder Gewerbeprojekte möglich sind – unter anderem auf vom Tal nicht einsehbaren Höhenlagen.

Chancen und Risiken abwägen

Die Seilbahn in Koblenz ist ein Paradebeispiel für die notwendige Abwägung von Chancen und Risiken im Welterbe.  Foto: dpa
Die Seilbahn in Koblenz ist ein Paradebeispiel für die notwendige Abwägung von Chancen und Risiken im Welterbe.
Foto: dpa

Es gibt auch zahlreiche Verkehrsprojekte, die nach einer Abwägung der Chancen und Risiken verlangen. Ein Paradebeispiel ist die geplante Umgehung der Stadt Braubach. Diese kann nur mit einem Brückenbauwerk über die Bahn und einem Tunnel durch den Berg erfolgen. Das wäre zwar ohne Zweifel ein Eingriff in die Kulturlandschaft, aber damit würden andere Werte im Welterbe wie die historische Bausubstanz der Altstadt sowie die dort lebenden Menschen vor der Belastung mit täglich Tausenden Fahrzeugen bewahrt. Ein weiteres Beispiel ist die Mittelrheinbrücke, die als feste Querung die Welterbeteile auf beiden Rheinseiten stärker verbinden kann. Doch sie muss in ein sinnvolles Mobilitätskonzept eingebunden sein, das auch ÖPNV und Fährverbindungen einschließt. Denkbar wäre auch die Bewertung temporärer Projekte wie die Seilbahn in Koblenz. Die Verbindung zwischen dem Deutschen Eck und der Festung Ehrenbreitstein stellt ebenfalls einen Eingriff in die Landschaft dar. Aber sie ermöglicht nicht nur Touristen, das Welterbe auf besondere Art zu erleben, sie ist auch ein modernes innerstädtisches Verkehrsmittel.

Zukunftsprojekt Buga 2031

Das entscheidende Zukunftsprojekt für Tourismus und Infrastruktur im Welterbe soll die Buga 2031 werden. Spätestens Mitte des kommenden Jahrzehnts wird eine Buga 2031 GmbH zahlreiche Projekte an den Rheinufern und auf den Höhen entwickeln. Der Managementplan wird auch für deren sensible Bewertung hilfreich sein. Innenminister Roger Lewentz (SPD) ist zuversichtlich: „Ich freue mich, dass wir mit dem Managementplan und der Kulturlandschaftsverträglichkeitsstudie eine fundierte und mit der Unesco abgestimmte Grundlage erhalten werden, um die weitere Entwicklung des Mittelrheintals voranzutreiben.“

Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

Projektsteuerung: Die Akteure auf dem Weg

Politisch gesteuert wird die Entwicklung des Managementplans von einer Lenkungsgruppe.

Dieser gehören die Staatssekretäre Günter Kern (Innenministerium RLP), Salvatore Barbaro (Kultusministerium RLP und Welterbebeauftragter der Landesregierung), Thomas Griese (Umweltministerium RLP) und Mathias Samson (Umweltministerium Hessen) sowie der Vorsteher des Zweckverbandes Welterbe Oberes Mittelrheintal, Frank Puchtler, an.

Außerdem soll es einen Fachbeirat geben, dessen Zusammensetzung noch festgelegt wird. Dazu gehören könnten der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Vertreter der Industrie- und Handelskammern und Architektenkammern, die deutsche Unesco-Kommission, die Romantischer Rhein Tourismus GmbH, Weinbauverbände sowie ein Vertreter einer externen Welterbestätte. Eingebunden werden soll außerdem der Fachbeirat des Zweckverbandes.

Dem Monitoring-Beirat sollen folgende Institutionen angehören: Icomos, Generaldirektion Kulturelles Erbe RLP, Denkmalpflege Hessen, SGD Nord und Regierungspräsidium Darmstadt. aj

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