40.000
Aus unserem Archiv
Lahnstein

Lahnsteiner Stadtrat macht Lidl den Weg für Seitenwechsel frei

Tobias Lui

Der Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung erwartungsgemäß den Weg für die Verlagerung und Vergrößerung des Lidl-Discountermarktes in Niederlahnstein frei gemacht: Das Gremium genehmigte den Wechsel auf die Ostseite der Koblenzer Straße. Dort wird Lidl ein etwa 1600 Quadratmeter großes Ladenlokal bauen und seine Verkaufsfläche nahezu verdoppeln. Auch die Macher des Rheinquartiers haben ihren Willen bekommen: Die Erschließungsstraße rund um das neue Wohngebiet wird „Am Rheinquartier“ heißen.

Bald wird's noch ein wenig belebter auf der Ostseite der Koblenzer Straße. Lidl wechselt die Straßenseite und kommt neben den Baumarkt. Foto: Lui
Bald wird's noch ein wenig belebter auf der Ostseite der Koblenzer Straße. Lidl wechselt die Straßenseite und kommt neben den Baumarkt.
Foto: Lui

Triumphierend wirken wollte Thorsten Neumann sicherlich nicht, als er von den Besucherbänken aus die Abstimmung über die Erschließungsstraße zum Rheinquartier verfolgte. Aber zufrieden drein schauen durfte er schon: 15 Jastimmen, sechs Mal Nein und drei Enthaltungen notierte Büroleiter Winfried Ries. Die lange währende Diskussion über das Für und Wider eines Straßennamens war beendet. „Leider ist kein fraktionsübergreifender Vorschlag rausgekommen“, wunderte sich Oberbürgermeister Peter Labonte über die schwierige Willensbildung in dieser Frage.

Zuvor hatten die Ratsfraktionen wie bereits im Fachausschuss das forsche Vorgehen von Investor Neumann kritisiert, der sich öffentlich über mangelnde Wertschätzung durch die Komunalpolitik beklagt hatte. CDU, SPD, Unabhängige Liste (ULL), Grüne und FBL wiesen dies brüskiert zurück, kritisierten ihrerseits Neumanns Art des Umgangs. „Wir weisen solche Aussagen ganz entschieden zurück“, sagte beispielsweise SPD-Chefin Gabi Laschet-Einig. „Fast jedes Anliegen der Investoren haben wir mitgetragen, auch die Nachbesserungen bei den Gebäudehöhen, die ausschließlich einer besseren Refinanzierung dienten.“ Die SPD sei aber in diesem Fall der Meinung, dass der Name „Schlossstraße“ besser passe – eine Mehrheit fand dieser Vorschlag allerdings nicht. Reiner Burkard konnte sich derweil „an kein Baugebiet in der Vergangenheit erinnern, wo wir einem Investoren so entgegengekommen sind“. Der FBL-Fraktionschef empfahl Neumann ebenfalls, „mehr miteinander zu Reden, statt vorzubrechen“.

Auch Florian Altmann kennt das Spiel mit der Lokalpolitik – vor sechs Jahren plante der Geschäftsführer der FMZ Immobilien Verwaltung GmbH Düsseldorf ein Fachmarktzentrum auf dem Gelände der ehemaligen Drahtwerke C. S. Schmidt. Doch die Pläne gerieten ins Stocken, Behörden meldeten Bedenken an, am Ende fehlte auch politisch die letzte Unterstützung.

Von den einstigen Plänen ist nur noch die Lidl-Verlagerung übrig geblieben – immerhin ist diese nun nach der Zustimmung des Rates besiegelt. Oberbürgermeister Peter Labonte sprach bei diesem Tagesordnungspunkt davon, dass dies keinesfalls eine „Kanabalisierung oder einen Auswuchs des Verdrängungswettbewerbs“ bewirken werde. „Vielmehr erwarten wir, dass die Verlagerung mit entsprechend Nachfolgenutzung am bisherigen Standort eine weitere ideale Ergänzung unseres Einzelhandesstandortes sein wird“, sagte Labonte. Der OB ist „froh und dankbar, dass Betriebe und Investoren zu uns kommen und hier investieren“. Was die Leistungsfähigkeit des Verkehrskreisels Kölner Straße/Industriestraße angeht, sieht Labonte wenig Probleme: Das Gutachten habe „keine maßgebenden Auswirkungen auf diesen Knotenpunkt“ feststellen können. Sollte es in Zukunft aber zur Erschließung des Baugebietes „Alte Markthalle“ kommen, „muss mittelfristig natürlich eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit angestrebt werden“, erklärte der Stadtchef abschließend.

Christian Müller (CDU) zeigte sich „zunächst einmal dankbar, dass jemand seinen Bestand erweitern und neue Arbeitsplätze schaffen möchte“. Die Erweiterung sei maßvoll und werde keinesfalls zu einem ruinösen Wettbewerb führen, prognostizierte Müller. Nichtsdestotrotz werde es mehr Verkehr geben. „Sollten bauliche Maßnahmen notwendig werden, ist es wichtig, dass Lidl diese mitzahlt“, so Müller. „Wir sind daher froh, dass dies im städtebaulichen Vertrag so verankert wurde.“ Auch die SPD stimmte mehrheitlich einer Verlagerung zu, wenngleich Gabi Laschet-Einig und Kollegen auch Kritik äußerten. „Denn immer mehr Einzelhandel geht an die Peripherie – gleichzeitig wird die Innenstadt immer trostloser.“ Dieser „Verelendung“ müsse endlich Einhalt geboten werden, forderte die SPD-Vorsitzende. Die Lidl-Erweiterung habe zwar durchaus Charme, „aber die nachhaltige Entwicklung macht uns große Sorgen“. Man müsse sich dringend Gedanken um den Verkehr in diesem Bereich machen.

Die ULL vermisst ein Gesamtkonzept für den Innen- und Außenbereich, wie Stefanie Muno-Meier erklärte. „Da ist die Kommunalpolitik in ihrer steuernden Funktion gefordert.“ Man könne doch nicht so tun, als ob sich nach einer Verlagerung nichts ändern werde. „Der Verkehr wird stärker und der Handel sich konzentrieren“, warnte Muno-Meier. Wegen eines „völlig unzureichenden Verkehrskonzeptes“ stimmt ihre Fraktion dem Vorhaben daher nicht zu.

Von unserem Redakteur
Tobias Lui

Kommentar von Tobias Lui

Investor zu sein in Lahnstein am Rhein, ist das fein: Hermsdorfer Straße, Koblenzer Straße, Rheinquartier: Wer Geld hat und dieses in der Stadt investieren möchte, der hat ganz gute Karten. Verwaltung und Rat kann man wirklich nicht vorwerfen, Investoren zu verprellen – zumindest in den vergangenen Jahren ist einiges getan worden. Wenn sich diese dann sogar noch schriftlich verpflichten, im Falle von Verkehrsproblemen finanziell nachzubessern, gibt es eigentlich wenig zu meckern.

Ein Blick in die Innenstädte von Ober- und Niederlahnstein aber macht ganz gut deutlich, woran es in Rat und Verwaltung mitunter fehlt: an Weitsicht. Natürlich ist es vermessen zu glauben, man könne den Zeitgeist ändern: Kauf im Internet und in den Randlagen wird immer beliebter, da kann auch kein Lokalpolitiker etwas dran ändern.

Mit jedem Händler mehr an der Peripherie aber verödet die Innenstadt ein Stück mehr – keine wirkliche Überraschung. Wenn man das doch weiß, warum steuert man nicht frühzeitig gegen? Wohin möchte man seine Innenstadt entwickeln? Logisch, dafür braucht es auch Geld. Mindestens genauso wichtig aber sind Ideen, Kreativität und Mut. Von all dem würde ich mir etwas mehr in Rat und Verwaltung wünschen. Dinge nicht nur anpacken (lassen), sondern sie auch zu Ende denken.

Bad Ems Lahnstein
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
Anzeige
Regionalwetter
Freitag

18°C - 32°C
Samstag

18°C - 29°C
Sonntag

17°C - 30°C
Montag

17°C - 30°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
epaper-startseite