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Lahnstein

Krankenhaus Lahnstein: Erweiterung oder Neubau möglich

Wie stellt sich das St.-Elisabeth-Krankenhaus für die Zukunft auf? Darüber berichtete Dr. Pascal Scher nun dem Stadtrat. Der Geschäftsführer des traditionsreichen Krankenhauses in der Ostallee, das am 29. Juni 1965 eingeweiht wurde, gab den Kommunalpolitikern einen Überblick über eigene Expansionspläne. Die Quintessenz aus dem Besuch Schers, der vor knapp zwei Jahren die Nachfolge des langjährigen Geschäftsführers Bernhard Unkel angetreten hatte: Kann der angestrebte Erweiterungsbau verwirklicht werden, muss Lahnstein nicht um sein Krankenhaus fürchten.

So grau wie der Himmel auf diesem Foto scheint die Zukunft des St.-Elisabeth-Krankenhauses gar nicht zu sein. Derzeit wird ein Erweiterungsbau diskutiert, theoretisch könnte es auch zu einem Neubau kommen. Foto: Tobias Lui
So grau wie der Himmel auf diesem Foto scheint die Zukunft des St.-Elisabeth-Krankenhauses gar nicht zu sein. Derzeit wird ein Erweiterungsbau diskutiert, theoretisch könnte es auch zu einem Neubau kommen.
Foto: Tobias Lui

In den vergangenen Wochen waren die Nachrichten voll mit Neuigkeiten rund um die Klinik in der Ostallee, die zum Elisabeth-Vinzenz-Verbund (EVV) gehört. So wurden zum 1. Januar die Katholischen Kliniken Lahn GmbH (KKL) mit den Standorten Hufelandklinik Bad Ems und Marienkrankenhaus Nassau übernommen, seitdem hat Pascal Scher auch an der Lahn das Sagen. Unter dem Titel „Wir im Wandel“ ging er vor dem Stadtrat auf die schwierige Lage im Gesundheitswesen ein – auch im Rhein-Lahn-Kreis. „Acht Krankenhäuser bringen hier eine hohe Versorgungsdichte mit sich“, erklärte Scher. Diese kleinteilige Struktur rechne sich auf Dauer aber nicht, „zumal immer mehr Patienten in größere Häuser nach Limburg oder Koblenz abwandern“. Viele weitere Einflussfaktoren kämen hinzu, zum Beispiel die grassierende Landflucht oder eine steigende Altersstruktur. Gleichzeitig werde die Verweildauer in den Kliniken immer kürzer, vieles könne heutzutage ambulant durchgeführt werden. „Außerdem plagen sich viele Menschen mit mehreren Krankheiten, da reicht nicht mehr bloß der eine Doktor, da braucht es viele Spezialisten“, resümierte Scher. Diese Interdisziplinarität – also verschiedene Fachrichtungen unter einem Dach – können nur in größeren Einheiten vorgehalten werden, argumentierte er weiter. Auch das Land habe dies erkannt: Derzeit wird der Landeskrankenhausplan neu aufgelegt, eindeutiges Ziel ist laut Pascal Scher eine Reduzierung der Bettenzahl.

Durch die Übernahme der KKL habe sich der Elisabeth-Vincent-Verbund besser und breiter aufgestellt. Auch was Attraktivität und Sicherheit der rund 650 Arbeitsplätze angehe, sei die Expansion ein gutes Zeichen. „Denn nur wenn Kliniken wirtschaftlicher arbeiten und Ressourcen bündeln, sind diese Arbeitsplätze auch langfristig sicher.“ Weiterer Vorteil des Zusammenschlusses: Investitionen seien leichter möglich. Alles in allem zeigt sich Pascal Scher überzeugt, „dass das Überleben von kleineren Häusern nur in großen Trägerverbänden möglich ist“.

Lahnsteins Oberbürgermeister Peter Labonte lobte genau wie Vertreter der Fraktionen die Bündelung der Strukturen in Lahnstein, „wir wollen Sie da nach Kräften unterstützen“. Grundsätzliches Ziel aller müsse es sein, ein erfolgreiches Gesundheitsunternehmen zur Sicherung der ambulanten und stationären Versorgung im Kreis zu schaffen. Allerdings weiß auch der OB, wie sensibel das Thema ist – „wir bewegen uns aber auf sehr dünnem Eis“.

Schon ein Blick die Lahn hinauf zeigt, dass Zusammenschlüsse nicht überall auf ungeteilte Begeisterung stoßen: In Bad Ems bangen Kommunalpolitiker seit Monaten um die Zukunft des Gesundheitsstandortes. Denn nach der Übernahme der Hufelandklinik (und der Ankündigung, nach 2023 alle stationären Leistungsangebote in Lahnstein zu konzentrieren), geriet zuletzt auch das einzige Akutkrankenhaus, die Paracelsus-Klinik, in die Schlagzeilen: Deren Mutterkonzern hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt – am 28. Februar wird der Gläubigerausschuss über das Sanierungskonzept entscheiden. Müssen am Ende einzelne defizitäre Kliniken verkauft werden (wie die Paracelsus in Bad Ems), könnte der Elisabeth-Vinzenz-Verbund davon profitieren: Pascal Scher macht gegenüber unserer Zeitung auch keinen Hehl daraus, dass auch der Kauf der Paracelsus-Klinik durchaus denkbar sei. Aber: „Gerüchte gibt es viele, Fakten nur wenige. Erst mal abwarten, was der Gläubigerausschuss sagt“, so Scher.

Doch auch wenn es (vorerst) zu keinem weiteren Kauf kommt – Fakt ist, dass die aktuellen Räumlichkeiten in Lahnstein zu klein sind, um auch noch die stationäre Hufeland-Versorgung zu stemmen. Entsprechend laufen bereits seit Wochen Hintergrundgespräche auf allen Ebenen, in denen ein Erweiterungsbau diskutiert wird. Für den wäre neben dem Krankenhaus theoretisch noch Platz, allerdings müsste dann ein benachbartes Wohngebäude weichen. Würde allerdings auch die Paracelsus in den EVV integriert, reicht auch dieser Platz nicht mehr. Dann müsste ein Neubau her – auch mit diesem Gedanken spielen die Verantwortlichen bereits, nach Informationen unserer Zeitung werden erste Standorte diskutiert.

Von unserem Redakteur
Tobias Lui

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