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Nastätten

Kontrollen auf dem Oktobermarkt: Ordnungshüter haben Auge auf die Jugend

Bunt beleuchtete Fahrgeschäfte erhellen die Nastätter Innenstadt, Menschen drängen sich an den Marktständen an anderen Besuchern gen Marktplatz vorbei. Es duftet nach Glühwein, gebrannten Mandeln und anderen Leckereien – die Blaufärberstadt feiert Oktobermarkt. An den Nachhauseweg scheinen die wenigsten zu denken. Es ist gerade erst 20.30 Uhr, kurz nach dem diesjährigen Nachtumzug.

Klaus Michel und Wolfgang Best von der Polizeiinspektion St. Goarshausen drehen ihre Runde auf dem Nastätter Oktobermarkt. Die letzten Jahre ist es ruhiger geworden auf der Kirmes. Betrunkene Minderjährige, wie sie die Beamten an einem Abend aufgreifen, seien die Ausnahme.  Foto: Sascha Ditscher
Klaus Michel und Wolfgang Best von der Polizeiinspektion St. Goarshausen drehen ihre Runde auf dem Nastätter Oktobermarkt. Die letzten Jahre ist es ruhiger geworden auf der Kirmes. Betrunkene Minderjährige, wie sie die Beamten an einem Abend aufgreifen, seien die Ausnahme.
Foto: Sascha Ditscher

Etwas abseits des Trubels, vor dem alten Bahnhofsgebäude, lässt sich Hauptkommissar Klaus Michel das Handy eines Jugendlichen reichen. Michel spricht ein paar Sätze mit der Person am anderen Ende und gibt das Telefon zurück. Dann wartet er, bis der zweite junge Mann sein Telefon zückt, um einen eher unangenehmen Anruf bei Mama und Papa zu tätigen. „Wir warten jetzt auf die Eltern, dann werden sie heimgefahren“, erklärt der Hauptkommissar.

Kurz davor hatte ein Alkoholtest bei den beiden 14-Jährigen 1,1 und 0,6 Promille ergeben. Doch Bier, Wein und Co. dürfen erst ab 16 Jahren, Branntweinhaltiges erst ab 18 getrunken werden. Nachdem einer der Jugendlichen das Eingreifen der Polizei infrage gestellt hatte, „habe ich auf das Jugendschutzgesetz hingewiesen“, sagt Michel. Dort sind die Spielregeln für jugendlichen Alkoholkonsum festgeschrieben.

Zuerst geben sich die Jungs noch gelassen, aber als die erste Mutter kurze Zeit später eintrifft, fließen beim Sohn doch die Tränen. Aber: „Verbote sind kontraproduktiv, man muss sprechen und aufklären“, betont Michel, der Jugendsachbearbeiter bei der Polizeiinspektion St. Goarshausen ist. Er wartet, bis die Jugendlichen abgeholten werden, redet auch mit den Eltern. „Die waren betroffen und auch einsichtig“, sagt Michel.

Um die Jugendschutzkontrollen auf dem Oktobermarkt kümmert sich nicht nur die Polizei. Vor allem Mitarbeiter des Jugendamts sprechen gezielt Jugendliche an. Aber auch das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Nastätten hilft mit. „Das geht Hand in Hand“, erklärt Karl-Heinz Schreiber, Jugendschutzbeauftragter des Rhein-Lahnkreises. Er und sein Kollege Jörg Wiesinger waren am Freitag- und Samstagabend ebenfalls auf der Kirmes unterwegs.

„Es geht bei den Kontrollen darum, Alkoholmissbrauch vorzubeugen“, sagt Schreiber. Keineswegs gehe es darum, den jungen Leuten den Spaß zu verderben. Er und Wiesinger fragen Jugendliche, wie es ihnen geht und schauen nach, ob sie Alkohol bei sich haben. Wer entsprechende Flaschen im Gepäck hat, wird nach dem Alter gefragt. „Und wenn die unter 16 sind“, sagt Schreiber, „machen wir ihnen klar, dass sie das nicht dürfen.“

Die Alkoholika werden dann von den Jugendschützern sichergestellt. Dass Jugendliche aggressiv werden oder die Mitarbeiter des Jugendamts anpöbeln, komme selten vor. „Wichtig ist eine freundliche und wertschätzende Ansprache“, sagt Schreiber. Dazu gehöre es auch, sich vorzustellen und als Jugendschützer des Kreises auszuweisen.

„Unser Ziel ist es, dass alle gut nach Hause kommen“, fasst Schreiber kurz und knapp seine und Jörg Wiesingers Aufgabe zusammen. Daher gilt ihre Aufmerksamkeit nicht nur dem verbotenen Alkoholkonsum. Auch als ein Mädchen mit dem Fuß auf der Nastätter Kirmes umknickt, war Wiesinger zur Stelle, um das Rote Kreuz zu verständigen.

Und natürlich können auch Jugendliche, die prinzipiell schon Bier oder gar Spirituosen konsumieren dürfen, einen über den Durst trinken – und in einen hilflosen Zustand geraten. „Viele können die Wirkung von Alkohol noch nicht einschätzen“, sagt Schreiber. Hat jemand zu viel getrunken, werden die Eltern angerufen, damit sie ihren Nachwuchs abholen.

„Wenn die Eltern vor Ort sind“, erklärt Schreiber, „suchen wir das Gespräch und bieten Unterstützung an.“ In der Regel finde dann anschließend in der Familie noch einmal „die notwendige Auseinandersetzung“ statt. Haben Jugendliche tatsächlich ein Alkoholproblem, und auch Mutter und Vater wissen nicht mehr weiter, vermittelt das Jugendamt die Familie gegebenenfalls an entsprechende Beratungsstellen im Landkreis weiter, erklärt Schreiber.

Fälle alkoholisierter Minderjähriger, wie der der beiden 14-Jährigen auf dem Oktobermarkt seien aber zurückgegangen. „Da hatten wir früher mehr“, bilanziert Karl-Heinz Schreiber. Inzwischen seien volltrunkene Jugendliche auf den öffentlichen Festen im Kreis eher zur Ausnahme geworden. „Seit zehn Jahren sind wir ganz gezielt unterwegs“, sagt Schreiber, „und arbeiten mit Verbandsgemeinden, der Polizei und Jugendhäusern zusammen“. So sind er und Jörg Wiesinger auf allen größeren Märkten und Volksfesten im Landkreis unterwegs: auf dem Bartholomäusmarkt in Bad Ems, Rhein in Flammen oder der Kirmes in Ober- und Niederlahnstein.

Die Strategie der Jugendschützer: schon früh am Abend präsent sein und sich über das ganze Festgelände bewegen. Gegen 18.30 Uhr gehen sie los – schon bevor der ein oder andere einen gewissen Pegel erreicht hat. Die letzte Runde wird nach Mitternacht gedreht. „Es hat sich bei den Jugendlichen auch rumgesprochen, dass wir da sind“, sagt Jörg Wiesinger.

Oft hilft beim Umgang mit den Jugendlichen auch die persönliche Bekanntschaft, weiß Hauptkommissar Klaus Michel. „Ich habe das Glück, dass ich früher die Verkehrserziehung gemacht habe“, sagt er. Darüber kennt er viele Jugendliche in der Region persönlich. So kann der Hauptkommissar etwa den Chef einer Jugendclique gezielt ansprechen und ihn darum bitten, dass die Jugendlichen ihren Treffpunkt ordentlich hinterlassen. „Wenn das am nächsten Tag nicht so ist, weiß ich, an wen ich mich zu wenden habe“, sagt Michel; dabei scheint er zuversichtlich, dass das nicht nötig sein wird.

Von unserer Redakteurin Cordula Sailer

Kirmes ist ruhiger geworden

Wolfgang Best, Leiter der Polizeiinspektion (PI) St. Goarshausen, ist mit dem Verlauf des diesjährigen Oktobermarktes zufrieden: „Meinem Eindruck nach waren die Leute ziemlich diszipliniert“, sagt Best. Die Polizei unterstützt nicht nur Jugend- und Ordnungsamt bei den Jugendschutzkontrollen, sondern ist auch auf dem Festgelände unterwegs, um etwa Schlägereien oder Sachbeschädigung vorzubeugen.

Am Freitag- und Samstagabend der Kirmes habe es keine Probleme gegeben. Nur am Donnerstag „gab es eine Auseinandersetzung zwischen einem Mann und der Security im Festzelt“, erzählt Best. Gegen den Mann sei eine Strafanzeige wegen Körperverletzung gestellt worden. Doch insgesamt habe sich der Trend der vergangenen Jahre auch beim Oktobermarkt 2017 fortgesetzt: „Es wird ruhiger“, bilanziert der PI-Chef.


Da stimmt auch Nastättens Ordnungsamtsleiter zu: „Ja, es war ruhig“, sagt Edo Scheerer. „Und es hat sich auch über die letzten Jahre gebessert.“ Er erinnert daran, dass für einen reibungslosen Ablauf auch viel Teamwork gefragt ist. Als Beispiel nennt er den Oktobermarktfestzug. Dann wird das Feuerwehrgerätehaus am Marktplatz zur Einsatzzentrale: Dort sitzen während des Festzugs dann Vertreter des Ordnungsamts, des Roten Kreuzes, der Feuerwehr und der Polizei.


„Die Einsatzleitung übernimmt die Feuerwehr, die per Funk auch mit der Polizei verbunden ist“, erklärt Scheerer. Auch via Handy stünden die Beteiligten in Kontakt. Dieses Zusammenspiel mache es möglich, gezielt die richtigen Kräfte losschicken zu können: bei Falschparkern das Ordnungsamt, bei gesundheitlichen Problemen das DRK, bei Schlägereien die Polizei, bei einem Brand die Feuerwehr, nennt Scheerer Beispiele.


Das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure während der Kirmes verdeutlicht auch der Einsatzbericht des Roten Kreuzes. Denn der Sanitätsdienst hat sich nicht nur um Verletzungen jeglicher Art oder kollabierte Gäste gekümmert. Darin schildert Kreisbereitschaftsleiter Alexander Schmidt auch, wie eine Rettungswagenbesatzung am Samstag zwei etwa zehnjährige Kinder aufnimmt, die ihre Eltern verloren hatten: „Durch die gute Koordination zwischen Feuerwehr, Ordnungsamt, Polizei und DRK (...) konnten in diesem Fall mithilfe des durch das Jugendamt vor Ort eingesetzten Personals die Kinder wohlbehalten nach circa 1,5 Stunden zu ihren Eltern zurückgeführt werden“, heißt es im Bericht. csa

Angebote zur Suchtprävention

Die Kreisverwaltung führt durch ihr Jugendamt nicht nur Jugendschutzkontrollen durch. Sie macht jungen Menschen auch Angebote zur Suchtprävention. Zusammen mit dem Diakonischen Werk hat sie einen extra Arbeitskreis dafür eingerichtet.

Dieser bietet ein dreitägiges Seminar für Schüler der 7. und 8. Klassen an. „Die Jugendlichen werden als Multiplikatoren ausgebildet, die selbst suchtpräventiv wirken“, erläutert Jugendschutzbeauftragter Karl-Heinz Schreiber. Auch Lehrer besuchen den Kurs. Ziel sei es, dass sie das Gelernte mit ihren Schülern weiterspinnen und überlegen, mit welchen Projekten sie den Konsum von Alkohol und Nikotin an der eigenen Schule thematisieren können. Auch jemand von den Anonymen Alkoholikern erzählt den Schülern während des Seminars von seiner Abhängigkeit und wie er sie überwunden hat. „Es geht darum, die Schüler zu stärken und sinnvolle Alternativen aufzuzeigen“, erklärt Schreiber. Das gleiche sollen Freizeitangebote des Jugendamts in den Ferien bewirken. Klettern, Mountainbiken oder Selbstbehauptungskurse stehen auf dem Programm.  csa

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