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Lahnstein

Im Gedenken an Edi Wolf: Ein Leben für seine Heimatstadt

Er wird den Lahnsteinern fehlen: Edi Wolf. Der beliebte Lahnsteiner und Kommunalpolitiker starb im Alter von 83 Jahren. Ein Nachruf unserer Redakteurin Karin Kring.

Er packte auch immer gern selbst mit an: Edi Wolf (rechts) erneuerte gemeinsam mit Toni Becher das Gedenkkreuz am Allerheiligenberg. Foto: Irmgard Edelmann/privat
Er packte auch immer gern selbst mit an: Edi Wolf (rechts) erneuerte gemeinsam mit Toni Becher das Gedenkkreuz am Allerheiligenberg.
Foto: Irmgard Edelmann/privat

Keine Veranstaltung, bei der er nicht präsent war, keine politische Diskussion, bei der er nicht mitmischte – und immer viel zu sagen hatte. Sei es bei der Lehner Kirmes oder beim Pfarrfest, immer traf man Edi und konnte einen Plausch halten. Ob es galt, eine Orgel für die Johanniskirche zusammenzusparen, den Sport zu fördern oder gleich ein ganzes Stadion zu bauen, ob es galt, Kastanienbäume zu retten, Schlaglöcher zu flicken oder den Kirchplatz – eines seiner Lieblingsthemen (!) – endlich attraktiv zu gestalten, immer setzte Edi sich ein, sammelte Spenden, erstritt Entscheidungen. Er liebte seine Stadt und vor allem seinen Stadtteil. Und wäre Niederlahnstein ein kleines Königreich – er wäre sein König gewesen. Edi Wolf, der wohl bekannteste (Nieder-) Lahnsteiner ist am Samstag im Alter von 83 Jahren verstorben. Lahnstein wird ein Stück ärmer sein ohne ihn.

Eigentlich war sein Name Christian Eduard. So aber kannte ihn kaum jemand. Edi Wolf wurde am 8. Oktober 1934 in Niederlahnstein in der Bergstraße als Sohn von Ernst Wolf und Helene Wolf, geborene Maiworm, geboren. Er absolvierte nach der Schule eine Schreinerlehre, sattelte aber bald zum Einzelhandelskaufmann um und war bis zu seinem Ruhestand bei der Bundeswehr als Verwaltungsangestellter beschäftigt. 1965 heiratete er seine Frau Uschi, mit der er 2015 Goldene Hochzeit feiern konnte. Einen großen Teil seines Lebens machte neben seiner Familie und seinem Beruf auch die Kommunalpolitik aus, in der er sich immer sehr engagierte.

Foto: RZ

Geprägt durch die katholische Jugendarbeit engagierte er sich schon mit 20 Jahren politisch und baute die Niederlahnsteiner CDU mit auf. 1979 wurde er für die CDU-Fraktion mit den meisten Personenstimmen in den Lahnsteiner Stadtrat gewählt, dessen Geschicke und Entscheidungen er fortan mitbestimmte. Nicht immer war er trotz seiner ureigensten christlichen Einstellung mit seiner Partei konform. Wolf war ein Querdenker, der unbequeme Fragen stellte, der sich keinem Fraktionszwang beugte und immer seinen eigenen Kopf hatte. Im Blick hatte er dabei stets seine Stadt, ihre Menschen und das, was er für das Beste für Lahnstein hielt.

Die Auflösung des Niederlahnsteiner CDU-Stadtverbandes Ende der 1990er-Jahre hat ihn tief getroffen, ebenso viele Meinungsverschiedenheiten mit seinen Parteikollegen. Schließlich zog er die Konsequenzen: 1999 wechselte er nach 20 Jahren als CDU-Stadtratsmitglied zur Freien Bürgerliste (wie übrigens Werner Konrad kurz vor ihm) mit der Begründung, dass die Freien „frei von Ideologien“ seien. Er hoffte hier, die Interessen der Stadt besser vertreten zu können. Für die Lahnsteiner FBL zweifellos ein Gewinn, die CDU, so schrieb damals unsere Zeitung „verlor ihr bestes Pferd im Stall“. Und vielleicht wurde Edi mit diesem Schritt auch ein bisschen „heimatlos“, denn seine wirkliche politische Heimat, so glauben Menschen, die ihn kannten, waren die Christdemokraten. Auch in der Kreispolitik hat sich Edi Wolf einen Namen gemacht. Als CDUler war er von 1993 bis 1994 Mitglied es Kreistages, von 1999 bis 2014 gehörte er für die Freien Wähler dem Gremium an. Er war Mitglied im Sportstättenbeirat, im Kreisausschuss, in der Regionalvertretung der Planungsgemeinschaft Mittelrhein/Westerwald. Ausgezeichnet wurde er für sein vielfältiges Engagement 1994 durch den damaligen Landrat Kurt Schmidt mit der Ehrenplakette des Rhein-Lahn-Kreises, 2003 erhielt er die Eherennadel des Landes Rheinland-Pfalz durch Landrat Günter Kern und 2013 wurde ihm die Freiherr-vom-Stein-Plakette durch Innenminister Roger Lewentz, den er über Parteigrenzen hinweg besonders schätzte, überreicht.

Der Mensch Edi Wolf war gesellig, meist bestens gelaunt und bestens gekleidet (manchmal trug er diese wunderbaren Al-Capone-Schuhe!) und ein Hansdampf in allen Gassen und allen Vereinen. 24, um genau zu sein. Er war aktiv in der Kirchengemeinde St. Barbara, langjähriger Vorsitzender im Stadtverband Sport treibender Vereine, im Vorstand des Förderkreises Allerheiligenberg, des Förderkreis Johanniskirche, im Niederlahnsteiner Carnevalsverein, in in der Rudergesellschaft und vielen weiteren Vereinen. Er war bei der Kolpingsfamilie aktiv und organisierte mit seiner Frau Uschi gemeinsam Theaterfahrten. Auch dem Karneval war er verbunden, besuchte die Sitzungen von NCV und CCO ebenso wie den „Zores“, wo er gern durch den Kakao gezogen wurde, es aber stets mit Humor nahm. Und auch Manfred „Radscha“ Radermacher wird nun zur Fastnachtszeit weniger Stoff für seinen „11. Kanal“ haben. Apropos Narretei: 1987 regierte Edi als „Prinz Edi II. von der Wolfsburg“ die Narren – und war ein schmucker (Nieder-)Lahnsteiner Prinz.

Dem Stadtteil, wo er im „Im Flürchen“ lebte und den direkten Blick auf Kirche und den Marktplatz hatte, war Edi Wolf stets eng verbunden. Immer wieder prangerte er Missstände an, beklagte, dass im Stadtteil nördlich Lahn zu wenig getan werde, beklagte Versäumnisse der Verwaltung – natürlich in beiden Stadtteilen – und hatte dabei oft seine ganz eigene Sichtweise der Dinge.

Seinen 80. Geburtstag feierte er bei guter Gesundheit. Dann aber gab es einen Rückschlag: Von einem Sturz vor seinem Haus – auf dem Weg zur Stadtratssitzung – hat er sich nie wieder ganz erholt. Dennoch war er immer, wenn er auch zuletzt nicht mehr wirklich gesundheitlich dazu in der Lage war, in den Sitzungen des Rates dabei und vertrat seine Meinung. Schade, dass ihm eine feierliche Verabschiedung aus diesem Gremium, in dem er fast 40 Jahre mitwirkte, nicht mehr zu teil werden konnte. Edi Wolf, ein unbequemer Kommunalpolitiker, aber ein Streiter für die Bürger, die ihm allzu gern ihre Anliegen vortrugen, wissend, dass sie von Edi gehört werden, einem Mann, dessen Wirken stets von großer Menschlichkeit geprägt war. Ohne ihn wird nicht nur die Stadtpolitik ein wenig ärmer sein. Edi Wolf wird den Lahnsteinern fehlen.

Reaktionen

Stimmen politischer Weggefährten

Johannes Lauer (CDU): Diese Nachricht hat mir sehr sehr betroffen gemacht. Trotz allen politischen Differenzen haben wir uns menschlich sehr gut verstanden.“

Reiner Burkard (FBL): „Edi Wolf hatte immer seinen eigenen Kopf, war nicht immer ein angenehmer Politiker,hat aber dadurch auch viele Dinge durchgesetzt.“

Gabi Laschet-Einig (SPD): Im jahrzehntelangen Zusammenwirken für unsere Stadt haben wir alle seine Ecken und Kanten kennengelernt. Dennoch ist sein Lebenswerk rund und es erfüllt uns eine echte Traurigkeit. Ich werde mich mit tiefem Respekt verabschieden, weil er sein Leben für seine Stadt gelebt hat.“

Bad Ems Lahnstein
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