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VG Loreley

Hochwasser: Notweg zwischen Osterspai und Kamp-Bornhofen ist voller Risse und Schlaglöcher

Andreas Jöckel

Zwei Fakten vorweg: Der Hochwassernotweg auf den Höhen der Rheinschleife über den Orten Osterspai, Filsen und Kamp-Bornhofen ist in einem schlechten Zustand – darin sind sich alle Beteiligten einig. Schuld daran ist nicht der Ortsbürgermeister von Kamp-Bornhofen, Frank Kalkofen.

Viele Bürger ärgern sich zurecht darüber, dass der Hochwassernotweg in der Gemarkung Kamp-Bornhofen in einem katastrophalen Zustand ist. Die betroffenen Gemeinden hoffen, mit einer neuen Vereinbarung zu einer Lösung zu kommen.  Foto: Guido Kreutzberg
Viele Bürger ärgern sich zurecht darüber, dass der Hochwassernotweg in der Gemarkung Kamp-Bornhofen in einem katastrophalen Zustand ist. Die betroffenen Gemeinden hoffen, mit einer neuen Vereinbarung zu einer Lösung zu kommen.
Foto: Guido Kreutzberg

Letzteres will eine Hetzkampagne mit einem selbst gebastelten Hinweisschild vor Ort und verschiedenen Beiträgen in den sozialen Netzwerken im Internet den Bürgern weismachen. Bis zu einem gewissen Grad ist der Ärger durchaus verständlich. Viele Einwohner, die wegen des Hochwassers und der Sperrung der B 42 in den vergangenen Tagen auf den Notweg angewiesen waren, ärgerten sich über die verschmutzten mit Schlaglöchern übersäte Strecke. Hauptsächlich in der Kritik ist ein etwa 500 Meter langer Abschnitt (Oberer Ellig) zwischen den Abzweigungen Schloss Liebeneck und Domäne Marienberg, der zur Ortsgemeinde Kamp-Bornhofen gehört. Dennoch sind weder der Ortsbürgermeister noch der Gemeinderat schuld am derzeitigen Zustand, der zudem noch laut einem Urteil des Landgerichts Koblenz ausreichend für einen Wirtschaftsweg ist.

Kosten werden auf 200.000 Euro geschätzt

Ortsbürgermeister Kalkofen erklärt, dass alle bisherigen Bemühungen leider an einer mangelnden Zahlungsbereitschaft unmittelbar Betroffener scheiterten: „Bereits seit Beginn meiner Amtszeit im Jahr 2006 bin ich mit diesem Problem konfrontiert.“ Zunächst sollten es Ausbesserungen für einen Betrag zwischen 10.000 und 20.000 Euro sein. Bei der Kostenermittlung wurde aber darauf hingewiesen, dass die Ausbesserungen wegen des ständigen Schwerlastverkehrs eines Anliegerbetriebes nur drei bis vier Jahre halten würden. Für den Gemeinderat war deshalb klar, dass diese Variante nicht infrage kommt. Daraufhin wurden für einen umfassenderen Ausbau Kosten von 100.000 Euro ermittelt, für die es einen Landeszuschuss von 50 Prozent gegeben hätte. „Eine Veranschlagung im Haushalt wurde aber versagt, weil eine geforderte angemessene Beteiligung unmittelbar betroffener Anlieger im Außenbereich von 25 Prozent verweigert wurde“, erklärt Kalkofen. „In der Ortslage zahlen Bürger sonst zwischen 50 und 75 Prozent Anliegerbeiträge.“ Zudem habe sich später herausgestellt, dass ein Unterbau für den tatsächlich stattfindenden Schwerlastverkehr die Ausbaukosten auf 200.000 Euro verdoppeln würde.

Gericht: Schlaglöcher ab zwölf Zentimeter Tiefe ausbessern

Ein Plakat gibt Frank Kalkofen die Schuld am Zustand des Hochwassernotwegs.  Foto: Kamp-Bornhofen
Ein Plakat gibt Frank Kalkofen die Schuld am Zustand des Hochwassernotwegs.
Foto: Kamp-Bornhofen

Nachdem der Komplettausbau nicht möglich war, musste sich Kamp-Bornhofen in den vergangenen Jahren auf in einem Prozess vom Landgericht festgelegte Ausbesserungsarbeiten beschränken. Beseitigt werden müssen demnach Schlaglöcher ab einer Tiefe von zwölf Zentimetern, um eine eventuelle Haftung der Gemeinde auszuschließen. Mehr ist laut Definition des Gerichts bei einem Wirtschaftsweg nicht nötig.

In jüngster Zeit kam ein neues Problem hinzu: Schon vor einigen Monaten waren Ausbesserungen im oberen Ellig geplant, die verschoben werden mussten. Denn dort werden von den Verbandsgemeindewerken Arbeiten an Wasserleitungen durchgeführt. Der Ortsgemeinde wurde deshalb geraten, erst die erforderlichen Tiefbauarbeiten entlang des Weges abzuwarten.

Ortsgemeinden und Verbandsgemeinde wollen neue Vereinbarung

Trotz allem soll der schlechte Zustand des Weges natürlich kein Dauerzustand bleiben. Die Ortsgemeinden Osterspai, Filsen, Kamp-Bornhofen und Lykershausen wollen gemeinsam mit der Verbandsgemeinde Loreley mittelfristig die mittlerweile veraltete Vereinbarung zum Hochwassernotweg aus den 1980er-Jahren neu fassen. Ziel ist, den offiziellen Verlauf des Weges bis zur bebauten Ortslage von Osterspai zu erweitern. Dann soll mit vereinten Kräften der komplette Ellig bis zur Höhe in Ordnung gebracht. Die Kosten dafür sollen möglichst gerecht verteilt werden.

Eine neue Vereinbarung wäre auch ganz im Sinne des Osterspaier Ortsbürgermeisters Gerhard Böhm: „Wenn alle Ortsgemeinden und die Verbandsgemeinde mit im Boot sind, können wir damit sicher leben.“ Zu den jüngsten Protesten merkt Böhm an: „Der Weg ist in einem katastrophalen Zustand. Ich kann die Verärgerung teilweise verstehen, aber sie sollte nicht so ausarten, wie in den sozialen Medien geschehen.“ Frank Kalkofen hofft, dass die Informationen für die aufgeregte Bürgerschaft nachvollziehbar sind, bittet alle derzeit Betroffenen um Verständnis und will weiter auf eine möglichst schnelle Lösung drängen: „Mit Unfähigkeit oder Sturheit meinerseits hat der Zustand des oberen Elligs jedenfalls nichts zu tun.“

Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

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