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Filsen

Heimisches Obst im Welterbe genießen: Wanderung zu den alten Sorten in Filsen

Um Interessenten das Wissen über die regionalen Steinobstsorten und vor allem auch deren Geschmack näher zu bringen, findet in Filsen am Sonntag, 19. August, um 14 Uhr erstmals eine Genusswanderung für jedermann im Welterbe Oberes Mittelrheintal statt.

Regionaltypische Obstsorten werden im Welterbe Oberes Mittelrheintal kultiviert. Bei einer Wanderung kann man sie probieren.  Foto: Liam Balzert
Regionaltypische Obstsorten werden im Welterbe Oberes Mittelrheintal kultiviert. Bei einer Wanderung kann man sie probieren.
Foto: Liam Balzert

Der Filsener Kirschenpfad ist ein lebendiges und begehbares Zeugnis eines umfassenden Wandels, der vor etwa einhundert Jahren das Gesicht des Mittelrheintals völlig veränderte. Die zur Mitte des 19. Jahrhunderts begonnene Weinbaukrise an Rhein, Mosel und Ahr weitete sich bis zur Jahrhundertwende so stark aus, dass eine große Zahl der vom Weinbau abhängigen Familienbetriebe in den Dörfern und Städten in bittere Armut verfielen.

Die Menschen waren gezwungen, entweder in die neu entstandenen Industriestandorte abzuwandern oder eine zu dem eigenen Grund und Boden passende neue Erwerbsalternative zu suchen. „Not macht erfinderisch!“, sagt der Volksmund, und so entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte in den rechtsrheinischen Städten und Dörfern zwischen Lahnstein und St. Goarshausen und zwischen Rhens und St. Goar auf der linken Rheinseite der Obstanbau als Nachfolgekultur zum Weinbau. Vornehmlich nahmen zunächst die Süßkirschen den Ersatz zu den Reben ein, sie wurden zu den „Süßen Perlen des Mittelrheins“.

In Ergänzung des Kirschenanbaues versuchten sich die Obstzüchter in unserer Heimat bald aber auch mit dem Anbau und der Entwicklung regionaler Aprikosen, Pfirsich- und Pflaumensorten. Das vorherrschende mediterrane Klima und die geschützten Lagen hier im Oberen Mittelrheintal boten sich dafür geradezu an. Begünstigt wurden diese Vorhaben natürlich auch dadurch, dass sich die zeitlichen Arbeitsabläufe und die Aufwendungen im Kirschenanbau mit dem Anbau dieser Steinobstsorten hervorragend kombinieren ließen. Dass der Anbau durchaus auch aus wirtschaftlicher Sicht Sinn machte, zeigt eine Abgabeauflistung aus dem Jahre 1951. Demnach wurden für Filsen damals insgesamt 160 Zentner Pfirsiche und 191 Zentner Aprikosen über die Obstabsatzgenossenschaft vermarktet.

So wie vor Jahren die im Oberen Mittelrheintal noch vorhandenen alten Kirschensorten erhoben und die neu aufgezogenen Bäume entlang des Filsener Kirschenpfades angepflanzt wurden, so gab es parallel dazu einen entsprechenden Auftrag, die in unserer Heimat noch vorhanden Aprikosen-, Pfirsich- und Pflaumensorten zu erheben. Zwar wurden von den genannten Steinobstsorten im Welterbetal Aprikosen am seltensten angebaut, doch konnten im Rahmen der Untersuchung immerhin zwölf verschiedene Sorten erfasst werden. Aprikosen benötigen warme und geschützte Lagen und wurden traditionell nur in Rheinnähe angebaut. Neben Filsen wurden sie vornehmlich in Kamp, Kestert und St. Goarshausen gezogen. Die bekanntesten regionalen Sorten sind die wohl von der Kamper Baumschule Lehnert gezüchteten Kesterter Schafsnase, die Kamper Beste und die Kamper Späte.

Ebenso wie die Aprikose gehört der Pfirsich zu den Wärme liebenden Obstsorten und bevorzugt ein nicht zu regenreiches Klima, weshalb diese Frucht nur in wenigen Gebieten Deutschlands anzutreffen und früher insgesamt eher selten war. Die Untersuchungen im Welterbetal führten zum Auffinden von 22 verschiedenen Sorten, wobei die Hälfte davon als gefährdet gilt.

Die Suche und die Erhebung von Pflaumensorten im Mittelrheintal führte zu insgesamt 40 verschiedenen Arten. Die hohe Zahl lässt sich auch dadurch erklären, dass Pflaumen in unserer Region meist über Wurzelschösslinge vermehrt wurden, man also nicht zwingend über Kenntnisse der Obstveredelung verfügen musste und sie weniger Ansprüche an Lage und Boden stellen.

Nach den Erhebungen hatte man in Reisergärten die aufgefundenen Aprikosen-, Pfirsich- und Pflaumensorten neu herangezogen und im Sortengarten von Filsen, der innerhalb des Filsener Kirschenpfades angelegt ist, angepflanzt. Hier finden sich nun 22 Pfirsich-, 9 Aprikosen- und 27 unterschiedliche Pflaumensorten.

  • Treffpunkt für die Genusswanderung am 19. August ist der Wanderparkplatz an der Ortseinfahrt, Bundesstraße 42. Der Beitrag beträgt 10 Euro pro Person, Kinder sind frei.

Bad Ems Lahnstein
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