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    Gurgelnde Rinnsale und kilometerlange Wurzeln: Themen der SPD-Winterwanderung

    Man kann über die Bad Emser SPD sagen, was man will - aber daran, dass sie einen guten Draht nach oben hat, gibt es nichts zu deuteln. Vom angekündigten Sturm mit Starkregen ist bei ihrer diesjährigen Winterwanderung jedenfalls kein Hauch zu spüren. Erst als die Gruppe zur Schlussrast unterwegs war, setzt Nieselregen ein.

    Forstrevierleiter Rainer Jäger wusste den Teilnehmern der Winterwanderung viel Wissenswertes über Wald und Wasser zu berichten.  Foto: Bletzer
    Forstrevierleiter Rainer Jäger wusste den Teilnehmern der Winterwanderung viel Wissenswertes über Wald und Wasser zu berichten.
    Foto: Bletzer

    Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Bletzer

     

    Und das, obwohl es um "Wald und Wasser" geht - ein Thema, über das Forstrevierchef Rainer Jäger, der die SPD-Winterwanderungen traditionsgemäß leitet, eine Menge zu erzählen weiß. Zum Beispiel, dass die Matschwege ein Grund zur Freude sind. "Sie beweisen, dass hier sehr viel Wasser im Boden ist - Wasser, das man zu Trinkwasser aufbereiten kann", erklärt Jäger, der später vom Seiterich aus einen Blick zurück in die Entstehungsgeschichte des Bodens wagt. Wie sich vor rund 360 Millionen Jahren hier das sogenannte Devonmeer befand und im anschließenden, schlappe 60 Millionen Jahre dauernden Karbon-Zeitalter Vulkane neben der späteren Kurstadt Bad Ems die gesamte Region mit thermischen Quellen versorgte - all das weiß er den 22 Winterwanderern sehr anschaulich nahezubringen.

    Doch zurück in den Bad Emser Stadtwald: Dass es um dessen Bodenqualität nicht überall zum Besten steht, demonstriert Jäger an einem moosbewachsenen Hang. "Wo Moos wächst, ist nichts los", münzt er einen beliebten Spruch auf forstwissenschaftliche Belange um. Schließlich signalisiert Moos kalkreichen, sauren Boden, auf dem allenfalls die anspruchslose Kiefer gedeiht. Besser schaut es da schon am Linzkopf mit seinen Laubbäumen aus, die mit ihren Wurzeln das Wasser im Boden halten. "Schauen Sie sich mal diese etwa 60 Jahre alte Buche da drüben an", sagt Jäger. "Ein solcher Baum verfügt über ein bis zu 20 Kilometer langes Wurzelwerk." Kaum weniger beeindruckend: In einem Laubwald kommen satte 70 Prozent des Niederschlags im Boden an. Im Nadelwald, in dem der größte Teil der Feuchtigkeit verdunstet, sind es dagegen gerade mal fünf Prozent. Und auch wenn Laubholz weniger massiv als Nadelholz und deshalb für den Hausbau ungeeignet ist, gelten Buchenwälder in einem als unschlagbar: "Vor allem Rotbuchenbestände sind die größten Trinkwasserreservoirs, die man sich vorstellen kann."

    Ein Quadratmeter Waldboden enthalte locker 200 Liter Wasser, doziert der Winterwanderführer, aus dessen Sicht noch etwas besonders wichtig ist: "Dass der Wald ein Dauerwald mit unterschiedlichen Baumgenerationen von der jungen bis zur ganz alten Pflanze ist." Ein natürlich gewachsener Wald also, in den der Mensch so wenig wie möglich eingreift: "Auch wenn es sich manchmal, etwa nach einem sturmbedingten Kahlschlag, nicht vermeiden lässt, nehmen wir von künstlicher Bepflanzung nach Möglichkeit Abstand."

    Nicht der einzige Eingriff in die Natur, von dem man tunlichst die Finger lassen sollte - das wird spätestens in dem Moment deutlich, in dem Jäger auf ein quer über den Weg gurgelndes Rinnsal deutet. "Schwer vorstellbar, dass dieser kleine Bach zu einem reißenden Strom werden könnte", räumt er ein. Könnte er aber, wenn er auf dem Weg ins Tal kanalisiert und begradigt würde. "Mit jeder Begradigung fließt das Wasser schneller. Und je schneller es fließt, desto mehr Erdboden nimmt es mit", warnt der Fachmann vor der gefährlichen Bodenerosion und fügt hinzu: "Es gilt, das Wasser so lange wie möglich im Wald zu halten, und, wenn man schon aus irgendeinem Grund die Fließgeschwindigkeit erhöht, wenigstens dafür zu sorgen, dass es im Wald abfließen kann." Andernfalls herrsche in Holland bald Land unter, weil sich das Bachwasser auf seinem Weg über die Lahn in den Rhein zu einer immer gigantischeren Masse aufstaue, fügt er leicht ironisch hinzu, bevor er die Sache auf eine prägnante Formel bringt: "Viel Wald, wenig Hochwasser."

    Ob es das teils durch unsichtbare unterirdische Gänge fließende Wasser, das per Axthieb ans Tageslicht beförderte Bodenleben oder der in diesem Jahr zur Sanierung anstehende Hochbehälter Eisenbach ist - Rainer Jäger füttert mit zahllosen wissenswerten Details diese Winterwanderung, die übrigens eine Nachfolgeveranstaltung der früher üblichen jährlichen Waldbegehungen des Bad Emser Stadtrats ist. Unter den Teilnehmern befänden sich auch diesmal wieder etliche Neulinge, freuen sich Ursula Mogg, die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, und Beisitzer Wilhelm Augst. Willi Arnold und Uwe Hausen zählen indes zu den Wiederholungstätern. Die Winterwanderungen seien jedes Mal wieder aufschlussreich, finden sie: "Man lernt den Wald auf eine Art und Weise kennen, die einem sonst verschlossen bliebe."

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