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Rhein-Lahn

Große Hufeisennase ist kleine Sensation: Seltene Fledermausart im Naturpark Nassau entdeckt

Markus Eschenauer

20 verschiedene Fledermausarten sind bislang im Naturpark Nassau nachgewiesen worden. Nun kommt eine weitere hinzu – und die Entdeckung, die kürzlich gemacht wurde, ist eine kleine Sensation. Denn erstmals wurde eine Große Hufeisennase gesichtet.

Zum ersten Mal wurde eine Große Hufeisennase im Naturpark Nassau entdeckt. In einem Stollen an der Lahn hängt das Tier mit dem Kopf nach unten an der Decke und überwintert. Die Aufnahme ist im März entstanden.  Foto: Rolf Klenk
Zum ersten Mal wurde eine Große Hufeisennase im Naturpark Nassau entdeckt. In einem Stollen an der Lahn hängt das Tier mit dem Kopf nach unten an der Decke und überwintert. Die Aufnahme ist im März entstanden.
Foto: Rolf Klenk

Im März ist Fledermausexperte Rolf Klenk wieder im Naturpark auf Tour. Die routinemäßigen Winterkontrollen stehen an. Gemeinsam mit Karl-Heinz Rapp aus Cramberg betritt der Nassauer einen Stollen an der Lahn. „Früher gab es hier doch mal Hufeisennasen?“, möchte Rapp wissen. Klenk beginnt zu erklären. Die Kleine Hufeisennase war in den 1950er-Jahren im Naturpark Nassau allgemein verbreitet. Um 1970 ist die Art aus der Region jedoch verschwunden – auch wenn der Bestand inzwischen in einigen Teilen Deutschlands wieder zunimmt. Dann wandert Klenks Blick nach oben an die Decke des Stollens. Er habe noch nicht fertig erzählt, als er das Exemplar einer Großen Hufeisennase entdeckt. Es handelt sich dabei um die in Deutschland am stärksten bedrohte Fledermausart. Im Naturpark Nassau wurde sie noch niemals zuvor gesichtet.

Immer schon hat sich Rolf Klenk, der in diesem Jahr seinen 67. Geburtstag feiert, für Naturschutz engagiert. Noch in Darmstadt lebend, war er Mitglied bei HGON, der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz. 1988 zog es den Zahnarzt dann nach Nassau, um eine Praxis zu übernehmen. Bei GNOR, der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz, entwickelte sich dann Klenks Leidenschaft für Fledermäuse. Die Faszination für die einzigen Säugetiere auf dem Planeten, die fliegen können, ist bis heute ungebrochen. Seit 30 Jahren übernimmt Klenk Winterkontrollen. Darüber hinaus ist er ein anerkannter Fachmann für das Thema, bietet Exkursionen an und unterstützt Schulen bei Naturschutzprojekten. Zahlreiche seiner eindrucksvollen Fledermausfotos zieren zudem diverse Publikationen.

Mit seiner langjährigen Erfahrung konnte Rolf Klenk dann auch die Große Hufeisennase schnell identifizieren.

1 Unverkennbar erinnert der Nasenaufsatz an ein Hufeisen. Die Exemplare dieser Fledermausgattung sind auch die Einzigen, die den Ultraschall durch die Nase erzeugen. Die Tiere verzehren ihre Beute deshalb auch nicht in der Luft, sondern nehmen die Insekten mit zu Fressplätzen. Andere Arten müssen schnell im Flug fressen, da sie währenddessen kurz „orientierungslos“ sind.

2 Ob es sich um eine Kleine oder Große Hufeisennase handelt, hängt – wenig überraschend – mit der Größe zusammen. Aber die Unterschiede sind signifikant. Das Nachmessen mit dem Zollstock bestätigte Klenks Vermutung endgültig. Der Nassauer Naturfreund konnte damit seinen Fund dokumentieren und anderen Fledermausfachleuten mitteilen. Untersucht hat Klenk das Tier zwar nicht, das das Aufwecken während des Winterschlafs stets erheblichen Stress bedeutet, aber er geht davon aus, dass es sich um ein Männchen handelt, das ein bisschen auf Entdeckungstour war.

Im oberpfälzischen Hohenburg lebt die einzige nachgewiesene Kolonie der Großen Hufeisennasen Deutschlands. 2014 wurde im Mayener Grubenfeld eine Große Hufeisennase nachgewiesen. Damals hatte der Nabu vermutet, dass es sich um ein vagabundierendes Tier aus der Region Luxemburg handelt. Denn dort liege die nächste bekannte Sommerkolonie von Großen Hufeisennasen.

Was die Herkunft des Tieres im Naturpark Nassau angeht, hat Rolf Klenk eine andere Theorie. Da die Winter- und Sommerquartiere immer nah beieinanderliegen, geht der Experte davon aus, dass sich nicht weit entfernt eine Wochenstube, wo die Weibchen die Jungtiere auf die Welt bringen, befindet. Im Hunsrück oder an der Mosel, so Klenk. Wenn genug gesucht wird, finde man auch etwas. Im Naturpark Nassau zumindest hat sich das Handeln nach dieser Devise bereits bewährt.

Von unserem Redakteur Markus Eschenauer

Der Einsatz von Pestiziden und Zerstörung von Quartieren bedrohen die Fledermausarten

Die Große Hufeisennase ist die 21. Fledermausart, die bisher im Naturpark Nassau nachgewiesen werden konnte. Da sie sehr sensibel auf Veränderungen reagiert, etwa auf den Einsatz von Pestiziden oder auch die Störung und Vernichtung von Quartieren, hat sie sich stark zurückgezogen.

Ein Mausohr im Flug.  Foto: Rolf Klenk
Ein Mausohr im Flug.
Foto: Rolf Klenk

Was für Bienen und Vögel gilt, ist auch bei Fledermäusen nicht falsch. Naturnahe Gärten mit blühenden Pflanzen helfen auch, den Nahrungsbestand für Fledermäuse zu sichern. Das ist übrigens eine ganze Menge. Ein Mausohr frisst beispielsweise pro Nacht etwa 20 Laufkäfer. Generell fressen Fledermäuse – je nach Art – pro Nacht etwa ein Drittel bis die Hälfte ihres Körpergewichts.

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