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Becheln/Rhein-Lahn

Fund beim Wachtposten 2/5 bei Becheln zeigt genauen Verlauf des Limes

Tobias Lui

Wenn Peter Henrich vom Leben in der Region vor Tausenden von Jahren berichtet, dann tut er das so gut, so voller Inbrunst, dass es für jeden Zuhörer fast unmöglich ist, sich dieser Begeisterung zu entziehen. Keine Frage: Der Leiter der Direktion Landesarchäologie in der Außenstelle Koblenz kann die Faszination Archäologie vermitteln. Kürzlich sind Henrich und seine Mitarbeiter auf einen neuen „Schatz“ in unserer Region gestoßen: Bei Erdarbeiten für schnelles Internet sind bei Becheln bisher verschollene Limesreste aufgetaucht – „eine kleine Sensation“, findet Henrich. „Wir können nun erstmals den genauen Verlauf des Limes an dieser Stelle nachweisen.“

Die Schautafel beim Wachtposten 2/5 auf der Kuppe des Wolfsbuschs kann bald neu gemacht werden – durch die Funde während der Erdarbeiten (unten) kennen die Wissenschaftler nun den genauen Verlauf. Sergej Kelm und Peter Henrich freuen sich über die gute Zusammenarbeit (oben, von links).  Fotos: Lui, Landesarchäologie
Die Schautafel beim Wachtposten 2/5 auf der Kuppe des Wolfsbuschs kann bald neu gemacht werden – durch die Funde während der Erdarbeiten (unten) kennen die Wissenschaftler nun den genauen Verlauf. Sergej Kelm und Peter Henrich freuen sich über die gute Zusammenarbeit (oben, von links). Fotos: Lui, Landesarchäologie

Was war passiert? Das Telekommunikationsunternehmen Inexio treibt im Auftrag des Rhein-Lahn-Kreises den Breitbandausbau voran (unsere Zeitung berichtete). Begonnen wurde im April 2016, mittlerweile sind 280 von 300 Kilometern Glasfaserkabel verlegt, „95 Prozent der Tiefbauarbeiten sind also bereits abgeschlossen“, erklärt Sergej Kelm. Der ist Geschäftsführer der KHL Kerstholt GmbH aus Hachenburg, die als Subunternehmer von Inexio die Bohrungen übernimmt und Kabelschächte verlegt. Vor einigen Wochen war Becheln an der Reihe, knappe drei Kilometer Rohre mussten unterirdisch installiert werden.

Foto: tl

„Da wir uns im Kerngebiet des Welterbes und direkt am Limes befinden, war die Archäologie von Anfang an mit im Boot“, berichtet Chefarchäologe Henrich. Beim Wachtposten 2/5 auf der Kuppe des Wolfsbuschs macht der Limes eine Biegung nach Südosten – allerdings fehlte den Wissenschaftlern bisher der genau Verlauf. Bis vor rund drei Wochen: In Absprache mit den Archäologen zog ein Bagger Lage für Lage der Erdschichten ab, die Wissenschaftler suchten dann – ganz klassisch – mithilfe von Schaufeln und Kellen nach Überresten aus der Antike. Und tatsächlich: Knappe 80 Zentimeter unter der Erde stießen sie auf Keramikteile, etwa 1900 Jahre alt. „Das genaue Alter werden wir bei der wissenschaftlichen Bearbeitung herausfinden“, erklärt Henrich.

Dieser kann nun den genauen Verlauf des Limes bei Becheln nachweisen, genau wie den Standort von zwei bisher unbekannten Wachtürmen. Erst nachdem die Wissenschaftler das entsprechende Gebiet vorsichtig untersucht hatten, konnten die fürs Glasfasernetz notwendigen Rohre verlegt werden. „Ohne die wissenschaftliche Begleitung hätten wir direkt deutlich tiefer bohren müssen, um nicht versehentlich etwas zu zerstören“, weiß Kelm. „Das hätte viel höhere Kosten verursacht.“ Angesprochen auf die Zusammenarbeit mit den Ingenieuren aus Hachenburg spricht Henrich von einer „Win-Win-Situation“: „Die Firma hat Geld gespart und wir wichtige Daten erlangt.“ Zum Beispiel, wie der Limes ganz genau verlaufen ist, wo der Palisadengraben war, wie breit, etc., pp.. „Alles Informationen, die uns hier gefehlt haben“, freut Henrich sich.

Die Funde – 95 Prozent aus Keramik und „Zivilisationsmüll“, wie er sie nennt, – geben weitere Aufschlüsse: Wie haben sich die alten Römer seinerzeit ernährt, immerhin dienten die Keramikteile damals als Geschirr. Und überhaupt: Welche Topfformen wurden in welcher Zeit genutzt? Grundsätzlich sei es nicht ungewöhnlich, dass man überwiegend Geschirr finde, erklärt der Fachmann. „Die Soldaten haben nach dem Essen einfach alles achtlos in den Graben geschmissen“, so Henrich, der in seinem lässigen Outfit mit Motorradjacke wahrlich nicht wie der klassische Archäologe wirkt. Henrich ist viel eher Typ „cooler Wissenschaftler“, jemand, der jede Schulklasse begeistern kann. Und der sich riesig freut, nun ein stückweit mehr über den Verlauf des Limes – immerhin das längste und bekannteste archäologische Bodendenkmal Deutschlands – zu wissen.

Übrigens: Die Wissenschaftler haben an dieser Stelle längst nicht alles ausgegraben, was möglich gewesen wäre. „Das würde viel zu viel zerstören, schließlich ist der Boden noch immer das beste Medium zum Konservieren“, erklärt der Archäologe. Man habe bereits ausreichend Material zur wissenschaftlichen Aufarbeitung. „Alles andere wird vielleicht irgendwann mal intensiver untersucht. Aber erst, wenn es technisch verträglichere Methoden gibt.“ Mittlerweile sind alle gefundenen Stücke in die Koblenzer Außenstelle gebracht worden. In den kommenden Wochen und Monaten werden sie gewaschen, untersucht und gezeichnet. „Das sind die die klassischen Arbeiten von uns Archäologen im Winter“, erklärt der Leiter der Direktion Landesarchäologie. „Wenn wir nicht raus können, beginnt unsere große Scherbenwaschaktion.“

Was diese an weiteren Erkenntnissen bringen wird, weiß Henrich noch nicht. Aber bei einem ist er sich sicher: „Dies ist ein für die Region und die Limesforschung ein ganz wichtiger Fund.“ Daher werde es sicherlich auch eine wissenschaftliche Arbeit darüber geben, schließt Henrich, der seit 2014 auch Limes-Koordinator des Landes ist.

Von unserem Redakteur
Tobias Lui

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