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Niederwallmenach

Förster beleuchtet Klimawandel: Auswirkungen auf den Wald

Die Buche ist „die Europäerin“ unter den Bäumen. Erhöht sich die Durchschnittstemperatur jedoch bis zum Ende des Jahrhunderts um vier Grad, wird sich die Buche nicht mehr in allen Gegenden Deutschlands wie etwa in Mecklenburg behaupten können, erklärt Martin Janner. Das ist ein Beispiel, mit dem der Förster die „Bedeutung des Klimawandels für die Wälder unserer Region“, so der Titel seines Vortrags, im Niederwallmenacher Rathaus beleuchtet.

Der Wald in Niederwallmenach: Auch seine Vegetation ist vom Klimawandel beeinflusst. Welche Auswirkungen dieser Wandel konkret auf unsere Wälder hat, erläuterte Förster Martin Janner in einem Vortrag.  Foto: Stötzer
Der Wald in Niederwallmenach: Auch seine Vegetation ist vom Klimawandel beeinflusst. Welche Auswirkungen dieser Wandel konkret auf unsere Wälder hat, erläuterte Förster Martin Janner in einem Vortrag.
Foto: Stötzer

Rund 30 Leute hören den faktenreichen und anschaulichen Erläuterungen zu. Nicht die Temperaturen im Winter interessieren den Förster, denn „dann schläft der Wald“, sondern die im Sommer. Und da sei die Entwicklung „erschreckend“. Janner verdeutlicht, dass in langen Zeiträumen gedacht werden muss, braucht eine Douglasie doch 100 Jahre als „Produktionszeitraum“ und eine Eiche gar 180 Jahre. Dazwischen liegen Fichte und Kiefer mit 120 Jahren und die Buche mit 140 Jahren. Fichten sind für die hiesigen gemeindlichen Waldbesitzer die wirtschaftlich wichtigste Baumart, und die bekommt hierzulande Probleme als „Spezialistin für niedrige Jahrestemperaturen“.

Bei diesem „Sorgenkind“ sinkt laut Janners Worten der Holzvorrat bundesweit gegen den Trend, weil die Fichte zudem bei Stürmen leicht umstürzt und Borkenkäfer sie oft befallen. Die Kiefer sei allerdings keine Alternative zu ihr im Nadelholzsektor, da sie es gleichfalls gerne „nass und kalt“ mag. Lange Zeit wurden Hoffnungen auf die Douglasie gesetzt, die von der heimatlichen Pazifikküste her aber hohe Niederschlagssummen gewohnt ist. „Die Lösung ist es nicht“, meint Janner heute und stellt den neuen Favoriten vor: Das ist die Weißtanne. „Das könnte funktionieren“, sagt er über diesen „Pfahlwurzler“, der den Bedürfnissen der Sägewerksindustrie entspricht. „Das Problem ist, dass die Weißtanne Rehen gut schmeckt“, so der Förster. Folglich ist ein aufwendiger Verbissschutz erforderlich.

Martin Janner ist ein Anhänger von „Mischwuchsregulierung“ und Naturverjüngung als „Königsweg“ in den Beständen.

Pflanzungen könnten auch bei der Weißtanne nur eine „Initialzündung“ sein. Mit dem Klimawandel relativ gut zurechtkommen werde wohl ebenso die Traubeneiche. Profitieren könnten gar die Esskastanie und die Vogelkirsche. Der Förster plädiert dafür, solche Arten zu unterstützen. Blühende Waldbäume versteht er außerdem als Beitrag gegen das Insektensterben.

Der Klimawandel führt verstärkt zu Wetterextremen. Davon machen Janner lokal auftretende Gewitterstürme die meisten Sorgen, zumal sie „Sekundärfolgen“ wie Käferbefall und Krankheiten nach sich ziehen. Helfen könne der Wald bei Starkregen, weil er als Wasserspeicher dient. „Das können wir nur durch Begrünung erreichen“, selbst Brombeeren seien da aus fachlicher Sicht im Wald willkommen.

Bei allen Schwierigkeiten wächst der Holzvorrat in Deutschlands Wäldern. Janner nennt ein Plus von 7 Prozent in den vergangenen zehn Jahren. Niederwallmenach liegt dabei über dem Bundesschnitt, Welterod zum Beispiel darunter aufgrund von Verlusten durch „Käfer, Windwurf, Hirsch“. Außer einer anderen Bewirtschaftung sind Faktoren für den Holzzuwachs verantwortlich, die mit dem Klimawandel zu tun haben: Die Vegetationsperiode dauert länger, es ist mehr Stickstoff in der Luft. Wie Holz aus heimischen Wäldern im Kampf gegen die Erderwärmung helfen kann, legt Janner gleichfalls dar. Dazu projiziert er an eine Leinwand, welchen geringen CO2-Fußabdruck der Werkstoff Holz im Vergleich zu Stahl und Beton hinterlässt.

Die Verwendung als Baumaterial ist dem Revierförster daher wichtiger als die Verwertung als Brennholz, wenngleich die energetische Seite nicht irrelevant ist. Bei den regenerativen Energien ist nach Janners Worten bisher die Biomasse, wohinter sich ganz überwiegend Holz verbirgt, der größte Aktivposten.

Obendrein sei es finanziell sehr günstig, mit Biomasse Kohlendioxid einzusparen. Aber das Potenzial sei letztlich begrenzt. „Da gibt es einen Deckel. Wir können mit Holz nicht ganz Deutschland auf den Kopf stellen“, fasst Martin Janner zusammen. Thorsten Stötzer

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