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Fledermäuse müssen hinter Gitter – Investition in den Artenschutz

Kaub/Rhein-Lahn – Die SGD Nord hat 5550 Euro in den Fledermausschutz in Kaub investiert. So viel haben die beiden Tore gekostet, die nun zwei Stolleneingänge sicher vor ungebetenen Besuchern abriegeln.

Von Michaela Cetto, Video: Jennifer de Luca

Ein massives Metalltor schirmt Abenteurer und Geocacher vom Eingang des alten Schieferstollens bei Kaub ab. Zu gefährlich ist es da drin mit den niedrigen, verzweigten Gängen. Doch nicht die Menschen sollen durch die Verriegelung geschützt werden, sondern die Bewohner des Stollens.

Hier, zwischen scharfkantig aus den Wänden ragenden Schieferplatten, haben sich acht Feldermausarten häuslich eingerichtet. Darunter das Große Mausohr, die größte in Deutschland lebende Fledermausart. Rolf Klenk, Kreisbetreuer des Arbeitskreises Fledermausschutz Rheinland-Pfalz, inspiziert gemeinsam mit dem Naturschutzreferenten der SGD Nord, Manfred Braun, und dem Präsidenten der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, Dr. Ulrich Kleemann, das Winterquartier der possierlichen Säuger.

Dass sich Letzterer an der spannenden Exkursion durch die dunklen Gänge beteiligt, hat einen Grund. Die SGD Nord hat nämlich gerade 5550 Euro in den Fledermausschutz in Kaub investiert. So viel haben die beiden Tore gekostet, die nun zwei Stolleneingänge sicher vor ungebetenen Besuchern abriegeln. Die Gäste an diesem Morgen schleichen flüsternd voran, um die Tiere nicht zu stören. "Wir haben extra einen Termin Ende März gewählt, weil die Fledermäuse dann kurz vor dem Ausfliegen sind", erklärt Manfred Braun.

So ist es kein großes Problem, sollten Mausohr und Co. wach werden. Würden die Tiere mitten im Winter gestört, könnte dies den Tod für die Fledermäuse bedeuten, denn das Aufwachen und Aufwärmen des Körpers verbraucht große Mengen Energie. Weit muss die kleine Gruppe nicht in den Stollen vordringen. Bereits nach wenigen Schritten baumelt die erste Fledermaus, noch fest im Winterschlaf, von der Decke herab. Ganz flauschig sieht sie aus in ihrem hellen braunen Fell, die Flughäute dicht an den Körper geschmiegt. "Diese Fledermaus überwintert schon seit drei Jahren in diesem Stollen", sagt Rolf Klenk. Die Zuhörer staunen nicht schlecht ob der umfassenden Kenntnisse des Experten – immerhin bevölkern bis zu 2000 Tiere das Quartier. "Sie ist beringt", klärt er schmunzelnd auf.

Tiefer im Stollen richtet sich der Strahl der Taschenlampe in eine Ecke. Dort hängt eine ganze Traube von Fledermäusen dicht geschichtet neben- und übereinander. "Das nennt man Cluster", erklärt Rolf Klenk. "So sparen die Fledermäuse Energie." Zahlreiche solcher Cluster entdeckt die Gruppe, meist Große Mausohren. Aber auch Bechstein-Fledermäuse und Bartfledermäuse sind darunter. Hier und da regt sich eins der Tiere langsam.

Kein Wunder, dass der Kauber Stollen so üppig bestückt ist. Immerhin gibt es im nördlichen Rheinland-Pfalz die größten Wochenstuben der Großen Mausohren in Deutschland. Drei dieser großen Quartiere befinden sich im Rhein-Lahn-Kreis. Der Kauber Stollen ist das Winterquartier mit der größten Zahl an Fledermäusen im Kreis. "Wir haben eine große Verantwortung für diese Tiere", betont Ulrich Kleemann. Allein im vergangenen Jahr hat die SGD Nord in ihrem Zuständigkeitsbereich 43 000 Euro für den Fledermausschutz ausgegeben. Damit wurden Wochenstuben saniert oder gereinigt oder eben – wie jetzt in Kaub – Stollen verschlossen.

Von den insgesamt 1500 Anlagen sind mittlerweile 80 Prozent gesichert. "Ohne Ehrenamtler wäre das alles nicht möglich", weiß der SGD-Nord-Chef. Auch das Kauber Projekt hätte ohne den freiwilligen Einsatz uneigennütziger Helfer nicht gestemmt werden können. Die Tore sind maßgefertigt, Rolf Klenk zeichnet hier mitverantwortlich. "Fünf Leute haben hier fünf Tage und Nächte verbracht, bis das Tor eingepasst und angebracht war."

Der Arbeitskreis Fledermausschutz kümmert sich aber nicht nur um Handwerkliches. Die rund 150 Helfer zählen und betreuen die Tiere und stehen auch allen Rat suchenden Menschen rund um die Fledermaus zur Seite. Wie wichtig aber gerade die Schutzmaßnahmen sind, erschließt sich auf dem Weg zum zweiten Sicherheitstor. An einer Böschung unmittelbar vor dem Stollen klafft eine drei Meter lange Spalte.

Offensichtlich waren hier Mineraliensammler zugange, die eine Quarzader herausgebrochen haben. Auch der Stollen selbst sei schon öfter aufgebrochen und geplündert worden. "Wir haben noch eine Menge zu tun", sagt Rolf Klenk. "Aber wir sind auf einem guten Weg."

  • Säugetiere der Lüfte: Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere auf der Welt, die fliegen können. Anders als Vögel, bei denen der gesamte Arm als Flügel ausgebildet ist, haben Fledermäuse stark ausgeprägte Fingerknochen, zwischen denen sich die Flughaut spannt. Die nachtaktiven Tiere orientieren sich mit einem hoch entwickelten Ortungssystem, einer Art Radar. Während des Flugs stoßen Fledermäuse sehr hohe Piepstöne aus. Fledermäuse gehören zu den geräuschvollsten Tierarten überhaupt. Da ihre Rufe jedoch im Ultraschallfrequenzbereich liegen, sind sie für das menschliche Ohr nicht hörbar. Diese Signale werden von den Gegenständen ihrer Flugbahn reflektiert, das Echo wird von den sensiblen Ohren der Fledermaus wieder aufgefangen. So wissen Fledermäuse immer, ob die Flugbahn frei ist und ob sich irgendwelche schmackhaften Insekten in der Nähe befinden. Weltweit gibt es 1000 Fledermausarten, in Deutschland leben 23 Fledermausarten. 20 von ihnen findet man in Rheinland-Pfalz.

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